Finanzierungsmöglichkeiten für Start-ups

Weniger kreditwürdig als ein Student

Wer eine Firma gründet, braucht erst mal Geld. Ob er es sich bei einem Verrückten holt oder doch lieber bei einer Bank, hängt von vielen Faktoren ab. Oft braucht es aber ganz einfach überzeugende Schauspielkünste.

Finantzierung Unternehmen: 6 Methoden

Manchmal klemmt es an unerwarteten Orten. «Ich hatte als Start-up-Unternehmer auf meiner Kreditkarte eine tiefere Limite als ein Student», erinnert sich Thomas Ramseier, mit «miniSchoggi» seit 2014 selbstständiger Unternehmer. «Das ärgerte mich damals schon etwas.» Ramseiers Entscheid, bei der Firmengründung vollständig auf eine Fremdfinanzierung zu verzichten, brachte unter anderem auch diese Einschränkung mit sich. Die Kapitaldecke war in den ersten Monaten sehr dünn, der Aufbau der Firma wurde praktisch vollständig aus den laufenden Einnahmen finanziert.

Ein Plan – aber kein Businessplan

«Wir legten mit sehr wenig los», erinnert sich Thomas Ramseier. Die Produktion von individualisierten Schoggi-Kunstwerken erfolgte in der heimischen Küche, Kurse und Events fanden am Abend und an den Wochenenden statt. Thomas Ramseier und seine Frau Rebecca arbeiteten tagsüber weiterhin im Angestelltenverhältnis und finanzierten sich so die Anfangsphase ihrer neuen Firma.

Start-up-Profis werden nicht müde, auf die Wichtigkeit eines Businessplans zu pochen. Doch Thomas Ramseier hatte andere Pläne: «Ich hätte sehr viel Zeit investieren müssen für einen nachhaltigen Businessplan. Diese Zeit investierte ich lieber in mein Geschäft.»

Die 6 Finanzierungsmethoden für Startups

Nicht alle Jungunternehmer haben die Möglichkeit, mit sehr tiefen Investitionen einzusteigen und die Weiterentwicklung ihrer Firma quasi rollend zu finanzieren. Während das bei Servicedienstleistungen noch eher möglich ist, stösst diese Art der Finanzierung bei aufwendigen Herstellungsprozessen schnell an ihre Grenzen: Teure Maschinen lassen sich meist nicht mit dem Ersparten bezahlen. Eine Fremdfinanzierung ist notwendig. Fremdkapital können sich Jungunternehmer aus den verschiedensten Quellen beschaffen: Bei Verwandten oder Freunden, bei Banken, über Business Angels oder Venture Capitalists und zunehmend auch via Crowd Lending oder mit Jungunternehmerpreisen.

  • Eigenmittel: Eine weit verbreitete Art der Finanzierung. Man investiert Gespartes oder in Einzelfällen sogar das Pensionskassenkapital, um den Firmenstart zu ermöglichen. Geld von Familienmitgliedern oder Freunden kann ebenfalls helfen. Hier spricht man vom 4-F-Prinzip: Founder, Family, Friends, Fools. Ein Businessplan ist nicht unbedingt nötig, häufig ersetzt die Begeisterung und die Sympathie des persönlichen Umfelds durchgestylte und strukturierte Analysen. Das Risiko dieser Finanzierung ist beträchtlich: 20 % aller Jungfirmen überleben das erste Jahr wegen Kapitalmangels und Liquiditätsproblemen Das Familienglück und Freundschaften mit solchen Übungen aufs Spiel zu setzen, will gut überlegt sein. Thomas Ramseier, der den Weg der völligen Eigenfinanzierung wählte, bekam wohl Hilfe von der Familie, allerdings nur in Form von freiwilliger Arbeit.
  • Fremdfinanzierung Bank: Banken sind bei der Vergabe von Krediten für Jungunternehmer sehr zurückhaltend. Unabdingbar ist ein nachvollziehbarer Businessplan. Doch auch damit ist die Aussicht auf eine namhafte Summe nur klein. Zu unsicher sind der zu erwartende Umsatz und die daran gekoppelte Zahlungsmoral. Häufig fehlen weitergehende Sicherheiten, auf welche die Bank im Notfall zurückgreifen könnte.
  • Fremdfinanzierung Business Angels: Einzelpersonen, häufig selbst ehemalige Firmengründer mit einem offenen Ohr für Jungunternehmer und Jungunternehmerinnen. Dieser Typ Investor beteiligt sich häufig gleich selbst an der Firma und steht dem Start-up mit wertvollen Ratschlägen zur Seite. Im Unterschied zur Familie will der Business Angel aber bei aller Begeisterung in erster Linie Geld verdienen. Er will einen wasserdichten Businessplan sehen und während einer kurzen Präsentation vom Firmengründer überzeugt werden. Damit in den entscheidenden zehn Minuten alles sitzt, heisst es: Üben, üben, üben. Wer sich auf das Improvisationstalent aus seiner Zeit am Schülertheater verlässt, wird mit Sicherheit scheitern.
  • Fremdfinanzierung Venture Capitalists: In eine ähnliche Kategorie wie die Business Angels gehören die Venture Capitalists. Auch hier werden Anteile gekauft oder Kredite gewährt und es stehen Fachleute mit Rat und Tat bereit. Es handelt sich aber nicht um Einzelpersonen, sondern um Firmen, die Gelder verwalten und investieren. Auch hier gilt: Der Wettbewerb ist knallhart. Wer Kompromisse macht, lässt es besser gleich ganz bleiben.
  • Fremdfinanzierung Crowd Lending: Ein Trend, der 2016 in der Schweiz stark an Fahrt aufgenommen hat. Spezialisierte Plattformen bringen Geldgeber und Geldnehmer auf unkomplizierte Art und Weise zusammen. Die Plattformen prüfen im Vorfeld den Businessplan – auch hier ein Muss – und bewerten die Risiken des Kredits. Hohe Risiken zahlen hohe Zinsen, tiefe Risiken vergleichsweise tiefe Zinsen. Die Investoren können in einem vorbestimmten Rahmen einen Zins bieten, auch nur für einen Teil der Summe. Heute liegen die Zinssätze für Kredite an KMU und Start-ups zwischen 5 und 11 Prozent. Im Moment dürfen sich einen Kredit maximal 20 Geldgeber teilen. Älteste und grösste Plattform der Schweiz ist Cashare.
  • Jungunternehmerpreis: Auch in der Schweiz gibt es Firmen, Stiftungen oder auch staatliche Organisationen aus den verschiedensten Branchen, die sich mit Preisen an der Förderung von Start-ups beteiligen. Die Voraussetzungen für die Start-ups sind ähnlich wie bei den Business Angels: Es braucht einen wasserdichten Businessplan und jemanden, der die Geschäftsidee mitreissend, überzeugend und nachvollziehbar präsentieren kann. Eine Übersicht gibt die Webseite jungunternehmerpreise.ch.

Unabhängigkeit war das höchste Gut

Thomas Ramseier ist nach drei Jahren bereits weit über das Finanzierungsstadium hinaus. Er muss zwar Auslandbestellungen nach wie vor per Vorkasse bezahlen – «auch so eine unangenehme Überraschung zu Beginn» –, aber heute treibt ihn nicht mehr die Finanzierung der nächsten zwei Monate um. Mit drei Standorten und 15 Mitarbeitenden steht er auf finanziell soliden Beinen. «Auch rückblickend bin ich froh, konnte ich während der ersten Monate meine unternehmerische Unabhängigkeit bewahren. Wer weiss, vielleicht hätte mir der eine oder andere Investor von meinen Ausbauplänen abgeraten.» Das wäre schade gewesen für die vielen Schoggifans im Land.

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