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Achtung Treuhänder: Verlassen Sie das gewohnte Fahrwasser

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Achtung Treuhänder: Verlassen Sie das gewohnte Fahrwasser

Weitergehen, um nicht unterzugehen: Digitalisierung und Automatisierung machen auch vor dem Treuhänder nicht Halt – mit Auswirkungen auf die Kundenbeziehung und die eigenen Mitarbeitenden.

Wenn André Egli, diplomierter Treuhandexperte und Leiter der Treuhandabteilung des renommierten Beratungsunternehmens Balmer-Etienne, über Treuhänder nachdenkt, kommt er zu folgendem Schluss: «Treuhänder sind generell eher vergangenheitsorientiert. Sie verarbeiten die letztjährige Buchhaltung ihrer Kunden und haben oft noch Mitte des Folgejahres mit dem Abschluss per 31.12. zu tun. Das Bild vom Treuhänder mit Federkiel und Ärmelschoner ist heutzutage zwar eher absurd, birgt aber dennoch ein Körnchen Wahrheit.»

Mehr Speed und Konkurrenz

«Treuhänder sind oft nicht sehr IT-affin und etwas träge bei der Einführung neuer Technologien», weiss André Egli aus seinem eigenen Berufsumfeld. Das lag in der Vergangenheit durchaus auch an der Kundschaft: Die Vorstellung vom Kunden, der alle Belege in einer Schachtel sammelt und am Jahresende dem Treuhänder schickt, ist teils auch heute noch Realität. Doch auch im kleinsten KMU, von grösseren Unternehmen ganz zu schweigen, breitet sich die Digitalisierung in Form von E-Banking, neuen Zahlungsmitteln, fortschrittlicher Buchhaltungssoftware und automatisierten Prozessen immer weiter aus.

Parallel dazu wachsen die Ansprüche der Kunden. Sie wollen jetzt und heute auf aktuelle Daten zugreifen und nicht erst «in zwei Tagen» – oder gar erst Ende Jahr. Sie haben ihr Business selbst schon digitalisiert und fordern auch von ihrem Treuhänder das, was ihnen die eigene Software erlaubt: umfassende Auskunft über die Finanzen, rasche Verarbeitung und möglichst viel Entlastung von mühsamen Routinearbeiten. Grund genug, sich als Treuhänder zu überlegen, was Digitalisierung für die eigene Firma bedeutet und wie sich die Beziehung zum Kunden im digitalen Zeitalter verändert.

Was tun, um dabei zu bleiben?

Eines steht fest: Im heutigen Markt muss sich ein Treuhänder in neue Richtungen bewegen, damit er nicht von der Entwicklung überrollt wird. Dazu gehört, die Digitalisierung für die eigenen Aktivitäten wertbringend zu nutzen, um dem Kunden die Verarbeitung digitaler Belege, die Automatisierung und die Geschwindigkeit ebenfalls anzubieten, mit denen Start-ups und Banken werben. Eine gute Basis dafür ist eine moderne Treuhand-Software, welche die Integration mit E-Banking sowie den künftigen Zahlungsstandard ISO 20022 umfassend unterstützt und mit der Software bei den Kunden reibungslos zusammenarbeitet.

Mit der Automatisierung vieler Prozesse fallen manche Routinearbeiten weg – Treuhänder müssen zur Kompensation in Zukunft Zusatzdienstleistungen wie die komplette Führung der Buchhaltung oder unternehmensberaterische Aktivitäten anbieten. Solche Dienstleistungen wurden vielleicht auch bisher schon erbracht, aber oft nur als Ausnahmeauftrag. Künftig werden sie zur Regel.

„Treuhänder braucht es natürlich weiterhin, aber insgesamt muss die Mannschaft breiter aufgestellt werden.“

Dabei gilt es, die Kunden vom Nutzen solcher Dienste zu überzeugen. Buchen allein bringt keinen Gewinn. Viel wichtiger ist, was man aus den Zahlen macht und welche nützlichen Informationen der Kunde daraus ableiten kann. Oder welchen Nutzen er erzielt, wenn er ganze Prozesse wie die Verarbeitung von Rechnungen an den Treuhänder auslagert – hier könnte der Vorteil sein, dass der Treuhänder den Finger auf jeder Rechnung hat, falls nötig rechtzeitig mahnt und die Gelder so schneller vereinnahmt werden. Dem Kunden muss klar werden, dass die Kosten nicht das alleinige sind, sondern dass solche Dienstleistungen auch für ihn Mehrwert erbringen.

Gleichzeitig erfordert dies neue Denkweisen beim Treuhänder und seinen Mitarbeitenden: Wer dem Kunden mehr bieten will als den klassischen Buchhaltungsabschluss, muss wissen, wie der Kunde funktioniert und muss dessen Prozesse kennenlernen. Dazu braucht es engeren Kontakt zum Kunden als bisher – das typische Gespräch einmal pro Jahr reicht nicht mehr. Es gilt, dem Kunden laufend Aufmerksamkeit zu schenken und seine Bedürfnisse zu kennen. So wird der Treuhänder zum echten Sparring-Partner – es gibt viele Kunden, die bisher punkto Finanzen allein dastehen.

André Egli bringt auf den Punkt, was das für die Personalrekrutierung bedeutet: «Früher hat man jahrelang einfach Treuhänder gesucht. Die braucht es natürlich weiterhin, aber insgesamt muss die Mannschaft breiter aufgestellt werden.» Bei Balmer-Etienne stellt man für die Treuhandabteilung vermehrt Hochschulabgänger sowie generell Personen mit IT-Erfahrung ein, die vorher nicht im Treuhandbereich gearbeitet haben – Quereinsteiger, die Treuhand dazulernen wollen.

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