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Was Sie über Kurzarbeit wissen müssen

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Informationsstand des Artikels: 8. Juli 2020

Die Ausnahmesituation, in der sich die Schweiz wegen des Coronavirus momentan befindet, stellt viele KMU vor noch nie dagewesene Herausforderungen. Aufgrund der prekären Wirtschaftslage haben sich bereits zahlreiche Unternehmen für Kurzarbeit angemeldet. Aber was bedeutet das genau, wer hat in der Schweiz Anspruch auf Kurzarbeit und wie wird die Kurzarbeitsentschädigung genau abgerechnet? Wir haben die wichtigsten Fakten für Sie zusammengestellt.

Der Bundesrat hat am 20. März 2020 ein Massnahmenpaket zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen entschieden und dieses am 25. März nochmal erweitert (Quelle: Mitteilung des Bundesrates vom 25. März 2020). Per Ende Mai wurden die notrechtlich verordneten Massnahmen teilweise aufgehoben (Quelle: Mitteilung des SECO – Staatsekretariat für Wirtschaft). Der folgende Beitrag wurde entsprechend aktualisiert.

Was ist Kurzarbeit?

Als Kurzarbeit bezeichnet man die vorübergehende Reduzierung oder vollständige Einstellung der Arbeit in einem Betrieb, wobei die arbeitsrechtliche Vertragsbeziehung aufrecht erhalten bleibt. Kurzarbeit ist in der Regel wirtschaftlich bedingt.

Wer hat Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung (KAE)

Arbeitnehmende, die für die ALV beitragspflichtig sind, sowie Arbeitnehmende, welche das Mindestalter für die AHV-Beitragspflicht noch nicht erreicht haben. Der Mindestausfall an Arbeitsstunden muss mindestens 10% betragen.

Es ist keine Mindestdauer der Beitragsleistung an die Arbeitslosenversicherung (ALV) vorausgesetzt. So können z.B. neu eingereiste Jahresaufenthalter oder Jahresaufenthalterinnen, Saisonarbeitnehmende und Grenzgänger oder Grenzgängerinnen vom ersten Tag der Anstellung an KAE beziehen.

Wer hat keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung? 

Grundsätzlich haben folgende Personen oder Anspruchsgruppen keinen Anspruch:

  • Arbeitnehmende im gekündigten Arbeitsverhältnis
  • Personen in einem Lehrverhältnis
  • Rentner
  • Temporäre Mitarbeiter
  • Gesellschafter der Firma und deren Ehepartner/in
  • Arbeitnehmende mit einem befristeten Arbeitsvertrag

Mit dem Beschluss des Bundesrates vom 20. März 2020 wurde diese Regelung vorübergehend angepasst. So hatten auch Lernende und Personen in arbeitgeberähnlicher Stellung Anspruch auf KAE. Für Selbständigerwerbende gab es eine Erwerbsausfallsentschädigung. Diese notrechtlichen Massnahmen wurden Ende Mai 2020 wieder aufgehoben. Bis zum 31. August 2020 haben auch folgende Personen bzw. Anspruchsgruppen noch ein Anrecht auf Kurzarbeitsentschädigung:

  • Temporäre Mitarbeiter
  • Arbeitnehmende mit befristetem Arbeitsvertrag

Detaillierte Informationen finden Sie auf der Website des SECO.

Verlängerung der Bezugsdauer KAE

Die Höchstbezugsdauer der Kurzarbeitsentschädigung von zwölf Monaten wurde per Beschluss des Bundesrates vom 1. Juli 2020 vorübergehend auf achtzehn Monate verlängert. Diese Anpassung tritt per 1. September 2020 in Kraft und gilt bis 31. Dezember 2021. Bis Ende August können Unternehmen also während maximal zwölf Monaten innerhalb von zwei Jahren KAE fordern. Mit der Verordnungsänderung erhöht sich die Bezugsdauer auf insgesamt achtzehn Monate innerhalb von zwei Jahren. Mit der Verlängerung der Höchstbezugsdauer können betroffene Unternehmen, bzw. deren Mitarbeitenden weiterhin von der Unterstützung der Kurzarbeitsentschädigung profitieren.

Können alle Unternehmen mit Verweis auf das Coronavirus KAE beantragen?

Nein. Der generelle Verweis auf das neue Coronavirus reicht nicht aus, um einen Anspruch auf KAE zu begründen. Vielmehr müssen die Arbeitgeber weiterhin glaubhaft darlegen, weshalb die in ihrem Betrieb zu erwartenden Arbeitsausfälle auf das Auftreten des Coronavirus zurückzuführen sind. Der Arbeitsausfall muss somit in einem adäquaten Kausalzusammenhang mit dem Auftreten des Virus stehen.

Weitere Informationen im Zusammenhang mit dem Coronavirus finden Sie auf der Website des SECO.

Wie ist das Voranmeldeverfahren geregelt?

Der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin muss die geplante Kurzarbeit in der Regel mindestens 10 Tage vor deren Beginn der kantonalen Amtsstelle (KAST) schriftlich melden. Diese Voranmeldefrist, welche mit dem Beschluss des Bundesrates vom 25. März 2020 vorübergehend aufgehoben wurde, wird ab Anfang Juni wieder eingeführt. Unternehmen, deren Kurzarbeitsgesuch bereits bewilligt wurden, müssen aufgrund dieser Anpassung allerdings kein neues Gesuch einreichen (Quelle: Mitteilung des SECO – Staatsekretariat für Wirtschaft).  Die Bewilligungsdauer von Kurzarbeit wird von 3 auf 6 Monate verlängert.
Zuständig ist die kantonale Amtsstelle jenes Kantons, in welchem der Betrieb oder die Betriebsabteilung den Sitz hat. Voranmeldungsformulare sind bei dieser Stelle oder bei der Arbeitslosenkasse (ALK) erhältlich.

Am besten melden Sie sich im Bedarfsfall umgehend an. Arbeitnehmer müssen bis zum 31. August 2020 nicht zuerst Überstunden abbauen oder Ferien beziehen, bevor sie von KAE profitieren können. Die Bearbeitungszeit der Ämter kann aufgrund der entsprechend hohen Nachfrage länger sein.

Hier finden Sie alle notwendigen Antrags-Formulare.

Versicherter Lohn KAE

Die Kurzarbeitsentschädigung deckt 80% des versicherten ALV-Lohnes bis CHF 148’200 pro Jahr. Von der 1. bis 6. Abrechnungsperiode gehen je zwei Karenztage und von der 7. bis 12. Abrechnungsperiode je drei Karenztage zu Lasten des Arbeitgebers. Aufgrund der aktuellen Situation mit dem Coronavirus hat der Bundesrat am 20. März 2020 entschieden, dass die bereits gesenkte Karenzfrist aufgehoben wird. Damit entfällt die Beteiligung der Arbeitgeber an den Arbeitsausfällen. (Quelle: Medienmitteilung Bundesrat, 20.03.2020)

Während der Kurzarbeit werden die vollen gesetzlichen und vertrag­lich vereinbarten Sozialversicherungsbeiträge entsprechend der normalen Arbeitszeit (= 100 % des Lohnes) bezahlt.

Kurzarbeitsentschädigung bei Stundenlöhnern

Weicht der Lohn im letzten Beitragsmonat um mindestens 10 % vom Durchschnittslohn der letzten 12 Monate ab, so bemisst sich die KAE aufgrund dieses Durchschnittslohnes. Darin eingeschlossen sind die Feiertags- und Ferienentschädigung sowie der Anteil des 13. Monatslohnes, sofern ein Rechtsanspruch darauf besteht. Berechnungsbeispiele bzw. detaillierte Informationen finden Sie ab Seite 16 des Merkblatts des SECO.

Hinweis: Die mit der notrechtlichen Ausnahmesituation getroffenen Massnahmen des Bundes enden per 31. August 2020 (Ablauf der Verordnung über Massnahmen bei der Arbeitslosenversicherung aufgrund des Coronavirus).

Für Sage Kunden bestehen Anleitungen, wie die Kurzarbeit in Sage-Produkten umgesetzt wird. Kunden mit Supportvertrag finden die Anleitungen in der Knowledgebase. Für alle Kunden ohne Supportvertrag haben wir entsprechende Anleitungen in der Online Help bereit gestellt. 

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