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Plötzlich Chef*in – wie geht das?

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Plötzlich Chef – was nun?

Wenn die Einzelfirma oder das Start-up im Höhenflug ist und man als Firmengründer die ersten Mitarbeitenden einstellt, hat das Folgen für die Kleinfirma. Lesen Sie unsere Tipps, wie Sie diese Umstellung meistern können.

Wächst das Start-up, das Kleinunternehmen oder die Einzelfirma und lässt sich die Arbeit nicht mehr ohne Weiteres alleine bewältigen? Dann steht man vor der Entscheidung, zum Arbeitgeber zu werden. Egal, ob man bisher als einzelne Person oder zusammen mit Partner*innen die Firma geführt hat: Mit dem oder der ersten Angestellten verändert sich das Unternehmen fundamental.

Vorbildfunktion wahrnehmen

«Für uns vier Partner war es ein Schock, als wir die erste Mitarbeiterin einstellten», sagt Lars Weiss, der seine Firma während der ersten zehn Jahre zusammen mit drei Kollegen führte. «Wir waren vier Freunde, die zusammenarbeiteten, aber auch Freizeit miteinander verbrachten. Exzessives Computerspielen im Büro wechselte sich ab mit nächtelangem Durcharbeiten – je nach Lust und anstehender Arbeit.»

 

Firmengründer und Arbeitgeber Lars Weiss.

Firmengründer und Arbeitgeber Lars Weiss.

Doch dann wehte für die vier Novizen-Chefs plötzlich ein anderer Wind. Nun hatten sie eine Vorbildfunktion – und mussten ihr Verhalten im Büro grundlegend ändern. «Für uns begannen die Veränderungen in der Anpassung der teils derben Sprache, die wir untereinander hatten, und endete in einer regelmässigeren Präsenzzeit», sagt der Firmengründer. Ein schlechter Umgangston untereinander oder im Kundenkontakt galt jetzt als unangebracht; im Büro zu rauchen oder dort die Freizeit zu verbringen, war von nun an tabu.

Chef*in sein soll gelernt sein

«Viele frischgebackene Vorgesetzte sind zwar fachlich auf der Höhe, machen aber den Fehler, dass sie sich nicht als Führungskraft weiterbilden», sagt Michele Blasucci, Gründer von startups.ch. Als Berater rät er den Unternehmer*innen, sich punkto Leadership weiterzubilden – sei es durch professionelle Kurse oder im Selbststudium mit entsprechender Fachliteratur. So lerne man die wichtigsten Grundlagen zur Unternehmensführung. Etwa, dass Mitarbeitende regelmässig und ausreichend über betriebliche Belange in Kenntnis gesetzt werden müssen. Auch die Kostenkontrolle ist für Blasucci elementar: «Jungunternehmer müssen einsehen, dass ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin weniger rentabel ist als ein Partner oder eine Partnerin. Um die Kosten nicht aus dem Blick zu verlieren, sind Controlling und Reporting in der Wachstumsphase unumgänglich.»

Vom Start-up-Team zur Unternehmensleitung

Nach der ersten Anstellung folgen vielleicht weitere. «Wo zuvor ein Pingpongtisch stand, gab es nun Arbeitstische, an denen zwei Mitarbeitende sassen», sagt Weiss. Als Chef sollte man für seine Mitarbeitenden einen Arbeitsplatz mit angenehmen Arbeitsbedingungen schaffen.

Für frischgebackene Chef*innen ist gerade die Gleichbehandlung aller Mitarbeitenden eine Herausforderung – auch wenn diese sehr unterschiedlich funktionieren und unterschiedliche Arbeitsweisen haben. Chef-Noviz*innen wird geraten, alle Mitarbeitenden gleich zu behandeln, ihnen Vertrauen entgegenzubringen und Wertschätzung zu zeigen. Vorgesetzte sollen zuhören und transparent kommunizieren können.

Autoritäre*r Chef*in, Coach – oder Freund*in?

Soll ein Vorgesetzter oder eine Vorgesetzte formell und distanziert oder kollegial und freundschaftlich sein? «Grundsätzlich gibt es drei Chef-Typen», sagt Blasucci: «Den Autoritären, den Coach und den Freund. Dabei machen viele Anfänger den Fehler, dass sie anfänglich zu kollegial sind und dies später mit einer allzu autoritären Haltung korrigieren wollen. Umgekehrt wäre es jedoch besser: lieber zuerst zu streng, um dann mit der Zeit etwas milder zu werden. Das funktioniert besser.» Auch Lars Weiss und seine Partner haben den Wechsel letztlich bestens gemeistert: Heute arbeiten 13 Mitarbeitende als stabiles Team zusammen.

Dieser Beitrag wurde im September 2017 erstmals veröffentlicht und zuletzt im Juni 2021 aktualisiert.

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