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«Als junger Visionär wird man oft nicht ernst genommen»

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Start-up Aprés School

Was bewegt die Firmengründer? Welches sind die grössten Herausforderungen, die sie meistern müssen? Wir haben bei drei Start-ups nachgefragt. Heute im Fokus: Après school.

Patric Walthert gründete sein Start-up Après school vor zwei Jahren. Das Unternehmen vernetzt Lernende mit Akteuren aus der Berufsbildung. Auf einer Plattform sollen Unternehmen, Berufsschulen, Praktikums-Anbieter oder Workshop-Veranstalter ihre Angebote platzieren können, so dass Lernende aus diesem Pool von Bildungsmöglichkeiten ihre Lehre individuell zusammenstellen können. Die Finanzierung soll über die Lehrbetriebe gehen, die pro Lernenden eine jährliche Gebühr bezahlen. Die Geschäftsidee des 22-Jährigen hat das Potenzial, die Schweizer Berufsbildung auf den Kopf zu stellen.

Sie stehen mit Ihrer Firma noch am Anfang. Gibt es einen Prototyp Ihrer angestrebten Plattform?
Ja, um den potenziellen Kunden die Funktion zeigen zu können, gibt es einen einfachen Prototyp. Aktuell wird dieser zu einem MVP – also einem Minimum Viable Product – erweitert und sollte ab Sommer einsatzbereit sein.

Wie gehen Sie es an, Partnerunternehmen und Organisationen zu finden, die Ihre Angebote künftig platzieren werden?
Ich kämpfe mich in erster Linie im Alleingang zu den verantwortlichen Personen in den Betrieben durch, ich habe schon Hunderte Mails, Telefonate und Besuche gemacht. Ab und zu erhalte ich auch einen neuen Kontakt durch eine Empfehlung eines bestehenden Partnerunternehmens. 

Waren Sie damit erfolgreich?
Wie man es nimmt. Ich musste mir eingestehen, dass ich überhaupt nicht der «Sales-Typ» bin, doch bis jetzt habe ich immerhin zehn Partner, die das Projekt unterstützen. Als junger Visionär wird man oft nicht ernst genommen. Bis man ein Netzwerk aufgebaut hat und einem die Leute kennen, steckt man viel Zeit, Energie und Geld ins Projekt.

Wo liegen denn die grössten Schwierigkeiten, die es zu überwinden gilt?
Partner zu gewinnen, ist schon recht schwierig. Das Lehrlingswesen ist zwar offen, und auch Berufsverbände und Betriebe sind gesprächsbereit, aber es ist schon so, dass niemand auf mich und meine Ideen wartet. Ich habe viele Behörden und Unternehmen wie die Post, Swisscom, SBB etc. abgeklappert, doch solange man nur ein Konzept mit einem Prototyp unterbreiten kann, nicht aber die fertige Plattform, sagen die Wenigsten zu. Viele glauben nicht daran, dass ich etwas bewegen könnte.

Woher hatten Sie das Know-how, als Sie als 20-Jähriger Ihre Firma gründeten?
Die eigentliche Firmengründung klappt per Internet heute ja recht einfach. Ich konnte meine GmbH problemlos gründen, aber für Themen wie Umsetzung der Idee, Marktvalidierung, Finanzierung und Unternehmensentwicklung brauchte ich schon Hilfe. Ich erhielt Unterstützung von be-advanced, einer Innovationsagentur des Kantons Bern. Dort stand mir im Rahmen der be-advanced Challenge während drei Monaten ein professioneller Coach zur Verfügung, und ich habe an Workshops teilgenommen.

Aprés School

Patric Waltert traf am START Summit in St. Galllen auf andere Gründer und nahm an Workshops teil.

Wir treffen Sie hier am START Summit in St. Gallen. Wie nutzen Sie die Start-up-Konferenz für Ihre Firma?
Hier lerne ich viele andere Firmengründer kennen. Einerseits sehe ich, dass sie ähnliche Probleme haben, andererseits kann ich auch von ihnen lernen. Beim Mittagessen beispielsweise hatte ich ein interessantes Gespräch mit dem Gründer von SalesWings. Zudem habe ich gestern an einer spannenden Präsentation zum Thema «Zukunft der Arbeit» teilgenommen. In so kurzer Zeit so viele nützliche Inputs zu bekommen, dafür kommt sogar ein Berner nach St. Gallen.

Welches sind Ihrer Meinung nach die grössten Hürden für Start-ups während der Anfangsphase?
Ein wichtiger Punkt ist die Akzeptanz. Ich bin mit meiner Idee nicht wie erwartet vorangekommen, ich bin zuerst gescheitert, weil sich die strategischen Fundamente als falsch, also als nicht wachstumsfähig, erwiesen. Mein Innovations-Spirit, der Bestehendes in Frage stellt und kritisiert, kam nicht überall gut an. In unserer Gesellschaft fehlt eine Fehlerkultur. Ich denke aber, Start-ups sind auf ein Umfeld angewiesen, das Neues wagt und Bestehendes infrage stellt, damit neue Produkte und Ideen entstehen.

Trotz des Scheiterns gilt es also weiterzumachen. Würden Sie im Rückblick gewisse Dinge anders machen?
Ja, allerdings, da gibt es vieles, das ich heute nicht mehr gleich machen würde. Ich würde zum Beispiel versuchen, möglichst früh etwas Konkretes vorweisen zu können, beispielsweise eine einfache Webseite erstellen, auf der sich die Lehrbetriebe mit ihren Angeboten einfach mal eintragen können. Für die Optimierung zu einem ausgereiften Prototyp bleibt dann immer noch Zeit. Ich versuche aber aus meinen Fehlern zu lernen. Aktuell bin ich daran, neue Wege auszuprobieren, um Organisationen schneller für meine Idee gewinnen zu können.

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