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Harmonisch unterwegs mit ISO 20022

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Harmonisch unterwegs mit ISO 20022

Es klingt bedrohlich: Ohne ISO 20022 können im elektronischen Zahlungsverkehr künftig keine Rechnungen ausgestellt, keine Löhne ausgezahlt, keine Kommunikation mit der Bank gepflegt werden, heisst es von den Finanzinstituten. Was kommt da auf uns zu?

Keine Angst vor ISO 20022

Es stimmt, dass ISO-20022-konforme Prozesse den Schweizer Zahlungsverkehr radikal umkrempeln und spätestens ab 2020 zur Pflicht werden. Es ist ebenfalls richtig, dass alle Firmen und Privatpersonen von der Umstellung betroffen sind – von der Datenübermittlung zwischen der Finanzsoftware und der Bank bis zur Gestaltung der Rechnungen. Für Kunden von PostFinance drängt die Zeit, denn die Post hat vor, ihr bestehendes System für Überweisungen schon Ende 2017 abzuschalten.

«Das Ende einer Schweizer Tradition – Einzahlungsscheine vor dem Aus»

Schlagzeile im «Blick» vom 26. June 2014.

Doch das alles ist keine Bedrohung, sondern bringt Vorteile, erhöht die Sicherheit, bietet Chancen für einen effizienteren Zahlungsverkehr und macht rund ums Zahlen manches einfacher. Der bisherige Formulardschungel zum Beispiel wird abgeschafft. Wussten Sie, dass es aktuell sieben verschiedene Belegtypen für Finanztransaktionen gibt? Sie alle werden abgelöst durch einen einzigen Einheitsbeleg.

Und obwohl gemäss Paymentstandards.ch bereits 74 Prozent der Kundenzahlungen elektronisch erfolgen, werden in vielen Unternehmen die Zahlungsdaten noch manuell von einer Software in die andere übertragen. Mit dem ISO-20022-Standard und kompatiblen Business-Lösungen werden durchgehend medienbruchfreie, vollständig automatisierbare Transaktionen zur Regel. Mühsame Arbeit und lästige Erfassungsfehler fallen weg. Und die digitalisierten Prozesse erleichtern es, das Geldwäschereigesetz und andere Vorschriften einzuhalten.

Was steckt dahinter?

ISO 20022 ist ein internationaler Standard für den elektronischen Datenaustausch in der Finanzbranche. Die Schweizer Finanzdienstleister sind daran, den bisherigen Wust von unterschiedlichsten Formaten, Verfahren und Belegen durch einen einzigen Standard abzulösen, der auf ISO 20022 basiert und die speziellen Gegebenheiten der Schweiz berücksichtigt. Das Ziel ist die Harmonisierung des Schweizer Zahlungsverkehrs.

ISO 20022 kommt auch im europäischen Zahlungsverkehr zum Zug: Der Euro-Zahlungsraum SEPA setzt ganz auf den internationalen Standard. Im Gegensatz zu SEPA wird in der Schweiz der gesamte Zahlungsverkehr end-to-end auf den neuen ISO-20022-Standard umgestellt.

Technisch fusst ISO 20022 auf XML, einem standardisierten Format für den Datenaustausch zwischen IT-Systemen. Die Kommunikation erfolgt über sogenannte Meldungen, die in drei Typen vorkommen können. Interessant sind die Meldungstypen «pain» (payment initiation) für die Abwicklung von Transaktionen und «camt» (cash management) – Letztere erlauben es den Banken, Zahlungseingänge praktisch in Echtzeit automatisch mit Ihrer Buchhaltungs-Software abzugleichen. So bleiben Sie stets auf dem aktuellen Stand Ihrer Finanzen.

Was müssen Sie tun?

  • Buchhaltungs-Software: Sage-Kunden mit einem Software-Abo oder einem Wartungsvertrag können den Änderungen entspannt entgegenblicken: Alles, was sie tun müssen, ist rechtzeitig auf die ISO-20022-konforme Version zu wechseln. Wer andere Finanzprogramme nutzt, sollte sich jetzt bei seinem Softwareanbieter erkundigen, wie dessen ISO-20022-Fahrplan aussieht.
  • Hausbank: Und auch Ihre Hausbank sollten Sie fragen. Denn je nach Bankverbindung wird der neue Standard schon bald Realität. Besonders progressiv geht PostFinance das Thema an: Der Finanzdienstleister der Post will seine Kunden bereits auf Ende 2017 auf den neuen Standard heben. Die anderen Banken folgen bis Mitte 2018. Im Zug der Umstellung fallen übrigens auch die bisher unterschiedlichen Datenaustauschverfahren von PostFinance und Banken weg: Es gibt nicht mehr EZAG und DTA, sondern nur noch «pain».

Die fünf wichtigsten Neuerungen

Diese Neuerungen müssen Sie und Ihre Kunden beachten:

  • Die Formate für Überweisungen, die beispielsweise für Lohn- oder Lieferantenzahlungen verwendet werden, werden von der PostFinance per 1. 1. 2018 und von den restlichen Finanzinstituten per 30. 6. 2018 umgestellt.
  • Die Formate für das Reporting wie etwa bei den Kontoauszügen werden sich ebenfalls verändern, genauso wie die Formate für die Lastschriften.
  • Die bisherigen Kontonummern – egal, ob Bank- oder Postscheckkonto – werden vollständig durch die international gültige IBAN-Nummer ersetzt.
  • Auf allen Rechnungen prangt in Zukunft prominent ein QR-Code, der alle relevanten Informationen enthält. Er wird von der Geschäftssoftware generiert, vorgedruckte Einzahlungsscheine werden im Prinzip überflüssig – die gesamte Rechnung inklusive QR-Code kann mit einem handelsüblichen Drucker gedruckt werden. Kunden können den Code mit einer Smartphone-App einscannen und so bequem die Zahlung auslösen.
  • Für das Zahlen am Postschalter wird es jedoch weiterhin eine Art Einzahlungsschein geben, der ebenfalls mit dem QR-Code daherkommt und neu «QR-Rechnung mit Zahlteil» heisst.