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Digitalisierung der Lieferketten: für mehr Schnelligkeit und Frische im Lebensmittel-Großhandel

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Digitalisierung der Lieferketten: für mehr Schnelligkeit und Frische im Lebensmittel-Großhandel

Laut Statista wurden im Jahr 2019 rund 4,7 Milliarden Tonnen Güter über deutsche Straßen, Schienen und Schifffahrtswege bewegt. Mehr als 3 Millionen Arbeitnehmer sind Teil dieses komplexen, systemrelevanten Bereiches deutscher Wirtschaft. Nach Darstellung des Logistik Indikator der BVL hatte der deutsche Logistikmarkt einen 25-pozentigen Anteil am europäischen Markt, der im Jahr 2020 trotz pandemiebedingter Abnahme immer noch 1.120 Milliarden Euro ausmachte. Ein gewaltiger Wirtschaftszweig in Deutschland, der drittgrößte nach Autoindustrie und Handel. Rund die Hälfte des Umsatzes wird nicht im sichtbaren Teil der Logistik erzeugt. Es handelt sich um Dienstleistungen im Logistik-Bereich, die Deutschland zu einem so wichtigen Standort machen. Hier gibt es rund 70.000 Unternehmen, die häufig mittelständisch geprägt sind.

Ein Unternehmen, das sich auf die Schnittstellenarbeit zwischen Fischereien, weiterverarbeitenden Betrieben, Logistik und Verbrauchern spezialisiert hat, ist die Scottish Import Finefood GmbH aus dem hessischen Eltville. In den letzten Jahren hat sich das Unternehmen vom reinen Importeur von Fisch hin zu einem breit aufgestellten Anbieter einer großen Produktpalette entwickelt. Möglich wurde diese Entwicklung durch die enge Zusammenarbeit mit dem sorgfältig aufgebauten Partner-Netzwerk, das alle Mitwirkenden – vom Fischerei-Betrieb über Räuchereien oder Filetierbetrieben bis hin zu Logistikunternehmen – gleichermaßen berücksichtigt.

Dr. Stefan Hilger Geschäftsführer                Scottish Import Finefood GmbH

Aufgebaut wurde dieses Netzwerk durch Dr. Stefan Hilger, der seit sieben Jahren Geschäftsführer bei Scottish Import ist und das Unternehmenswachstum in dieser Zeit deutlich vorangetrieben hat. Er hat nicht nur die Frische des Fischs zum höchsten Ziel erklärt, sondern auch frischen Wind in das 1992 gegründete Unternehmen gebracht. Geschäftsführer Dr. Stefan Hilger kennt die Herausforderungen an die Logistik-Branche und kann seine Ansprüche klar definieren, denn sein Unternehmen ist im täglichen Austausch mit Logistikern.

Im Interview erklärt er, welche generellen Anforderungen es in seiner Branche gibt und welche Anforderungen er an Logistik-Partner hat. Als einen zentralen Erfolgsfaktor für sein Unternehmen bezeichnet er die Digitalisierung seiner gesamten Geschäftsprozesse und spricht auch darüber, welche Digitalisierungslücken er noch zu schließen gedenkt.

Herr Dr. Hilger. Sie sind Geschäftsführer bei der Scottish Import Finefood GmbH. Was genau macht Ihr Unternehmen?

Wir sind einer der führenden Importeure für hochwertigen Fisch und Seafood aus der ganzen Welt und vertreiben unsere Produkte über unser Netzwerk in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Unser Fokus ist immer noch Lachs aus Schottland, damit hat vor fast 30 Jahren alles angefangen.

Und was ist neben diesem Fokus auf schottischen Lachs hinzugekommen?

Das Geschäftsmodell hat sich gewandelt, früher waren wir ein reiner Importeur von Fisch, heute sind wir Großhändler für Seafood. Es gehören auch Weiterverarbeiter wie Räuchereien und Filetierbetriebe zu unserem Netzwerk und wir konnten mehrere Produkte in die Wertschöpfungskette aufnehmen. Wir fungieren als Schnittstelle zwischen unseren Partnern und sorgen dafür, dass Kunden den bestmöglichen Service erhalten – Frische und gleichzeitig hohe Qualität haben bei uns äußerste Priorität.

Hat sich diese breitere Aufstellung auf das Unternehmenswachstum ausgewirkt?

Wir hatten in den letzten sieben Jahren ein deutliches Wachstum: Mitarbeiterzahl und Umsatz haben sich mehr als verdoppelt. Wir betreuen 500 Kunden individuell – vom Vollsortiment für das kleine Fischgeschäft bis hin zur Einzelhandelskette. Zuletzt haben wir ein neues Büro in Bremerhaven nahe unseres Lagerdienstleisters eröffnet, wo jetzt schon der dritte Mitarbeiter anfängt.

Wie konnten Sie die Neuausrichtung prozessseitig darstellen?

Die komplexeren Lieferketten, das erweiterte Partnernetzwerk und das hohe Wachstum konnten wir nur mit einer neuen ERP-Software abbilden und so sind wir vor einigen Jahren auf die Sage 100 umgestiegen. Die Software bietet zum einen Standardprozesse, die in jedem Unternehmen zu finden sind. Trotzdem ist es möglich, spezielle Unternehmensanforderungen umzusetzen. Wir waren übrigens auch sehr gut aufgestellt als wir pandemiebedingt auf digitales Arbeiten umsteigen mussten. Wegen des zweiten Standortes in Bremerhaven waren wir schon zuvor auf einen cloudbasierten Server umgezogen und deshalb war für uns das standortunabhängige Arbeiten ohnehin gegeben – Homeoffice war sofort umsetzbar.

Was läuft besser mit der ERP-Software?

Die Prozesse laufen reibungsloser, es passieren weniger Fehler. Wir geben täglich sehr viele Aufträge in das System ein, die wir zu Lieferanten bzw. zur Logistik schicken, welche dann entsprechend ihren Status zurückmelden. Diesen müssen wir dann wiederum in unser System einpflegen. All das läuft mit Sage 100 wesentlich besser. Außerdem weiß ich nun deutlich besser, was im Unternehmen passiert. Ich kann mir schnell einen Überblick über den aktuellen Stand aller wichtigen Prozesse verschaffen, auch wenn ich gerade unterwegs bin. Das reicht vom Status einzelner Aufträge über Kennzahlen zum momentanen Umsatz bis hin zu Details zur Kundenbetreuung.

Ihr Business-Advice für andere Unternehmen?

Prozesse zu digitalisieren, bedeutet anfänglich immer zusätzlichen Aufwand und Kosten. Kurzfristig gedacht ist das bestehende System auch meistens geeignet, gerade wenn alles funktioniert. Doch die meisten Systeme kommen langfristig betrachtet an ihre Grenzen. Es ist ein Unterschied, ob ich täglich 20 oder 200 Aufträge bearbeiten muss. Wenn man von einem gewissen Wachstum ausgeht, ist es unumgänglich sich mit dem Thema zu beschäftigen und auch Zeit zu investieren.

Sie haben als Großhändler täglich mit Logistik-Unternehmen zu tun. Welche Erfahrungen können Sie mit uns teilen?

Bei uns liegt auf der Wahl unserer Geschäftspartner generell ein Hauptaugenmerk. Ein verantwortungsvoller Umgang und gegenseitiges Vertrauen sind sehr wichtig. Das gilt natürlich auch für Logistik-Partner. Diese haben von uns Großhändlern oft den Eindruck, dass vor allem die Preise entscheidend sind – aber dem ist nicht so. Natürlich sind Preise ein Kriterium, aber wenn es bei jeder dritten Lieferung Probleme gibt und ich Zeit investieren muss, ist das in Summe teurer als von vorneherein einen höheren Preis zu bezahlen und dabei optimale Prozesse zu haben. Größere Unternehmen als wir es sind, lassen diesen Faktor ganz konkret in ihre Kalkulation einfließen.

ERP-Kunde Scottish Import stellt sein ERP Projekt vor

Sie möchten Dr. Stefan Hilger von seinen Erfahrungen berichten hören?

Im virtuellen Branchentreff am 3. November 2021 berichtet er über die Digitalisierung seiner Prozesse, über resilientere Lieferketten und die Anforderungen des Lebensmittel-Großhandels.

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Welches ist aktuell die dringendste Anforderung an Logistik-Unternehmen?

Es gibt auf jeden Fall Anforderungen an eine höhere Digitalisierung der Lieferketten. Gerade in der Lebensmittel-Logistik ist entsprechende Technologie jedoch noch viel zu wenig flächendeckend im Einsatz, obwohl beispielsweise Rückverfolgbarkeit ein großes Thema ist. Viel zu oft wird der Inhalt der Kiste doch noch per Hand notiert und dann als Fax versendet. Das merkt man immer dann, wenn man etwas braucht, wie zum Beispiel einen Liefernachweis oder ein Temperatur-Protokoll. Das kann schon bis zu zwei Tage dauern, bis es aus irgendeinem Archiv gekramt ist. Der Optimierungsbedarf ist groß. Teilweise ist es auch kundenseitig eine Vorgabe, dass solche Prozesse digital ablaufen, gerade im Hinblick auf Großkunden wie Handelsketten. Da werden dann seitens der Logistik Insellösungen geschaffen für jeden Kunden, statt flächendeckend den gleichen Standard einzuführen.

Also ist Ihre Empfehlung auch an Logistiker, auf mehr Digitalisierung zu setzen. Warum passiert das bei vielen noch nicht?

Für viele ist nicht erkennbar, warum sie in Digitalisierung investieren sollten, denn dadurch erhöhen sich die Kosten erstmal. Was die Fehler hingegen kosten, die täglich entstehen, ist für sie schwer quantifizierbar. Aber wir Kunden fühlen diesen Mangel täglich und überlegen uns sogar, Logistiker deswegen auszutauschen. Wir sehen da große Unterschiede in der Branche. Langfristig werden nur diejenigen überleben, die ihre Prozesse 100prozentig im Griff haben.

Gibt es noch einen Punkt, der Ihnen wichtig ist in Zusammenarbeit mit Logistik-Unternehmen?

Wir sind uns der Verantwortung bewusst, unseren Kunden gesunde Produkte aus nachhaltiger Fischerei zu liefern, damit wir auch in 20 Jahren noch genug Fisch auf der Welt haben. Übertragen gilt das für jede Handelsbranche. Aber auch bei der Wahl unserer Geschäftspartner ist uns ein verantwortungsvoller Umgang wichtig. Gerade im Bereich Logistik wird Nachhaltigkeit sicherlich neben mehr Digitalisierung ein sehr wichtiger Faktor in der Zukunft sein.

Herr Dr. Hilger, vielen Dank für das Gespräch

Dr. Stefan Hilger berichtet am 3. November im virtuellen Branchentreff über die Digitalisierung seiner Prozesse, resilientere Lieferketten und die branchenspezifischen Anforderungen.

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