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EuGH-Urteil zur Arbeitszeiterfassung: Zurück zur Stechuhr und Dienst nach Vorschrift?

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Arbeitszeiterfassung

EuGH-Urteil zur Arbeitszeiterfassung: Zurück zur Stechuhr und Dienst nach Vorschrift?

Das Grundsatzurteil des Europäischen Gerichtshof (EuGH) stößt in Deutschland auf geteiltes Echo. Arbeitnehmer sind begeistert, Arbeitgeber fürchten Mehrkosten. Die einen sehen darin eine Gefährdung von „New Work“ und die Rückkehr zum „Dienst nach Vorschrift“.  Wirtschaftsminister Altmaier will das Urteil prüfen lassen und vorerst nicht umsetzen: „Es ist der falsche Weg, die Stechuhr wieder überall einzuführen.“.

Wird mit diesem Grundsatzurteil ein neues Bürokratiemonster herangezüchtet oder handelt es sich nur um einen Sturm im Wasserglas, der sich mit digitalen Zeiterfassungssystemen im Handumdrehen zu einem lauen Lüftchen abschwächt?

Das EuGH-Urteil zur Arbeitszeiterfassung

Der Europäische Gerichtshof beschied die Klage einer spanischen Gewerkschaft, die die dortige Deutsche Bank-Filiale auf die Einhaltung der Arbeitszeiten verpflichten wollte. Der EuGH entschied nun Mitte Mai, dass Deutschland seine Arbeitszeitverordnung anpassen muss. Demnach sollen künftig alle Unternehmen nicht nur die Überstunden aufzeichnen, sondern die kompletten Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter dokumentieren.

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Der Europäische Gerichtshof verpflichtet Arbeitgeber künftig zur systematischen Erfassung der Arbeitszeiten. Wir klären, was Arbeitgeber in Zukunft beachten müssen:

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Termin:  24.Juni 2019 um 10.00 Uhr

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Deutschen schieben seit Jahren Milliarden Überstunden

Schon heute regelt das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) recht detailliert und arbeitnehmerfreundlich, wie lange Mitarbeiter arbeiten dürfen, welche Ruhezeiten einzuhalten sind. Zudem wurden Arbeitgeber mit dem Mindestlohngesetz verpflichtet, Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit aufzuzeichnen. Auch in der Industrie ist es von jeher üblich, die Stunden ihrer Arbeiter per Stechuhr exakt zu erfassen. Aber in den meisten anderen Berufen bestanden bisher lediglich Auflagen für die Dokumentation der Überstunden. Daraus ist bisher jedoch unmöglich überprüfbar, ob die Vorschriften des ArbZG und des Gesundheitsschutzes auch eingehalten wurden. Dieses schreibt nämlich vor, dass zwischen zwei Schichten eine Ruhezeit von elf Stunden sowie nach spätestens sechs Stunden Arbeit eine Pause eingelegt werden muss. Über die Einhaltung wachen staatliche Aufsichtsbehörden wie die Gewerbeaufsichtsämter oder die Ämter für Arbeitsschutz. Soweit sich dieser formale Rechtsrahmen sowohl von Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern gut einhalten lassen dürfte, reicht es dem EuGH offensichtlich nicht aus. Denn faktisch arbeiten die Deutschen offenbar viel mehr, als sie müssten. Dies belegen verschiedene Studien, die für die letzten Jahre zwischen einer und zwei Milliarden Überstunden ermittelt haben wollen. Genau weiß das natürlich niemand. Aber ebenso ist es offensichtlich eine Tatsache, dass nur die Hälfte der Überstunden auch bezahlt werden.

Realität der digitalen Welt führt regelmäßig zur Verletzung des ArbZG

Auch wenn es bisher kaum erfasst wurde: Viele Deutsche arbeiten auch in ihrer Freizeit. Da werden noch schnell E-Mails am Abend beantwortet. Und wenn der Chef noch gerade mal eben etwas erledigt haben möchte, ist es normal, auch mal länger zu arbeiten oder sich Arbeit mit nach Hause zu nehmen. In vielen meist auch recht gut bezahlten Jobs wie in Anwaltskanzleien, Werbeagenturen oder Unternehmensberatungen gehört es quasi zum guten Ton, zehn oder mehr Stunden täglich zu arbeiten. In vielen wiederum schlechter bezahlten Jobs wie Krankenhäuser, in der Pflege, im Logistikbereich oder auch schwierigen Arbeitssituationen in Klein- und Familienbetrieben arbeiten Mitarbeiter häufig mehr, weil sie um ihre Jobs fürchten. Vielfach geht es einfach nicht ohne Überstunden, zumal in den letzten zehn Jahre die Wirtschaft boomte, Fachkräfte zur Mangelware wurden und mit der Digitalisierung die Arbeit immer mobiler wurde. Engagierte Wissensarbeiter haben häufig selbst keine Ahnung, wie viel sie arbeiten. Wenn sie daran Spaß haben, treffen sie sich freiwillig auch am Wochenende mit Kollegen, sprechen über ihre Aufgaben und entwickeln neue Idee. Aber was ist dann Arbeit, wann muss sie aufgezeichnet werden und wann tritt tatsächlich eine Verletzung des ArbZG ein? Bisher weiß das keiner. Und genau das möchte der EuGH nun ändern, indem er die kompletten Arbeitszeiten erfassen lassen möchte.

Digitale Arbeitszeiterfassung im Handumdrehen

Bisher wurden Überstunden auf viele verschiedene Weisen dokumentiert. Manchmal reicht schon ein handschriftlich verfasster Stundenzettel, den ein Vorgesetzter abzeichnet. Dieser muss natürlich in der Personalabteilung erfasst werden. Solche Dokumentationsarten verursachen dann auch einen Mehraufwand. Eleganter ist es, wenn die Mitarbeiter ihre Arbeitszeiten elektronisch dokumentieren und diese Daten anschließend direkt in nahtlos digitale Verarbeitungsprozesse einspeisen. Anwendungen, wie die von Sage bieten diese einfachen Prozesse sowohl für die Ansprüche kleinerer Unternehmen wie auch für Großunternehmen. Und selbst, wenn Arbeitgeber nun häufiger Überstunden bezahlen müssen, haben sie einen weiteren unschätzbaren Vorteil für ihre Faktura. Denn wenn sie jedem Kundenauftrag oder Projekt die intern geleisteten Arbeitszeiten eindeutig zuordnen können, gewinnen sie wichtige Grundlagen für die Angebotserstellung und Abrechnung von Kundenprojekten. Und so könnte das EuGH-Urteil auch sein Gutes haben.

Planen, erfassen und verarbeiten Sie Arbeits- und Fehlzeiten

Folgt die Bundesregierung der Umsetzung des EUGH-Urteils, dann könnte jeder Arbeitgeber verpflichtet werden, für alle Mitarbeiter die Stempeluhr bzw. Zeiterfassung einzuführen.

 

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