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Unternehmensnachfolge 2020. Entwicklungen und Trends

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#SageNachfolgeplaner Unternehmensnachfolge 2020. Entwicklungen und Trends

Auch 2020 werden wieder zahlreiche Inhaber von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin suchen. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) geht von etwa 2 Prozent aller KMU aus. Das sind um die 76.000 Unternehmen und im Folgejahr sollen es noch einmal so viel werden. 2018/19 waren es übrigens noch insgesamt 6 Prozent, 227.000 – 240.000 Unternehmen.

Den Rückgang erklären sich die Spezialisten der KfW mit der aktuellen Dynamik bei Existenzgründungen: Die Gründungen durch Übernahmen sind von 2017 zu 2018 signifikant um 24 Prozent gewachsen, und zwar von 58.000 auf 72.000. Einerseits verstärktes Interesse auf Gründerseite – andererseits dadurch bedingt überdurchschnittlich viele erfolgreiche Übergaben.

Doch die Entspannung wird nicht lange vorhalten, denn die Gründerzahlen sind seit Jahren rückläufig, in den Familien finden sich immer weniger Nachfolgeinteressenten und der demographische Wandel verschärft die Problematik weiter. Viele Schwierigkeiten sind allerdings hausgemacht, weil Unternehmerinnen und Unternehmer viel zu spät mit der Nachfolgeplanung beginnen, manchmal überhöhte Preisvorstellungen haben und oft von den Prozessen insgesamt überfordert sind.

Infografik: Unternehmensnachfolge 2020. Trends und Entwicklungen

6 Trends in der Unternehmensnachfolge

  1. Unternehmensnachfolge ist neben Digitalisierung und Fachkräftesicherung derzeit wohl die größte Herausforderung für den Mittelstand.
  2. Das Bewusstsein für das Thema Nachfolge ist in den letzten Jahren unter Inhaberinnen und Inhabern von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gestiegen. Allerdings beginnt immer noch ein Fünftel der Übergabewilligen zu spät mit der konkreten Vorbereitung.
  3. Die Nachfolgeproblematik hat sich aktuell durch ein höheres Interesse an Übernahmegründungen etwas entspannt. Dies ist allerdings nur kurzfristig, da das Gründungsinteresse seit Jahren nachlässt. Die langjährige gute Konjunktur und eine damit einhergehende hohe Beschäftigungsquote haben Selbstständigkeit und unternehmerisches Risiko quasi obsolet gemacht.
  4. Familieninterne Nachfolgen sind inzwischen ein Auslaufmodell. Externe Käufer oder eigene Mitarbeiter bekommen als Nachfolger immer mehr Bedeutung. Eine Option, vor allem bei kleineren Unternehmen, ist auch die Stilllegung.
  5. Die Kaufpreise für KMU sind zwar prozentual etwas gestiegen, dennoch haben die meisten Inhaber eher realistische Kaufpreisvorstellungen.
  6. Der demographische Wandel wird den Bedarf an Nachfolgen weiter erhöhen, aber gleichzeitig die Nachfolgesuche erschweren. Die Zahl älterer Unternehmer hat sich seit 2002 mehr als verdoppelt, die Zahl jüngerer Unternehmer in diesem Zeitraum halbiert.

Die Lösung der Nachfolgeproblematik im Mittelstand wird in den kommenden Jahren der Schlüssel für die zukünftige erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands sein. Schließlich sind über 99 Prozent aller Unternehmen hierzulande kleine und mittlere Unternehmen. Sie erwirtschaften jeden zweiten Euro und ihnen sind knapp 17 Millionen sozialversicherungspflichtige Jobs und rund 1,2 Millionen Ausbildungsplätze zu verdanken.

Das Thema Nachfolge ist bei Unternehmern stärker präsent

Positiv zu vermerken ist, dass das Thema Nachfolge inzwischen im Bewusstsein vieler Unternehmerinnen und Unternehmer angekommen ist. Noch nie haben sich so viele von ihnen aktiv damit beschäftigt. Das ist sicher den verstärkten Anstrengungen der Wirtschaftspolitik in Bund und Ländern und vielen Initiativen der regionalen Industrie- und Handelskammern (IHK) zu verdanken. Genannt werden müssen hier vor allem Projekte wie die bundesweite Unternehmensbörse nexxt-change und viele regionale Börsen, Förderprogramme und spezialisierte Beratungs- und Informationsangebote. Eine stetig wachsende Medienberichterstattung hat wohl ebenfalls ihren Anteil.

Aktuelle Daten der KfW zeigen, dass immer mehr Inhaberinnen und Inhaber frühzeitig eine Lösung für ihre Nachfolge finden. Von den Unternehmen, die in den kommenden zwei Jahren eine Nachfolge anstreben, befinden sich bereits 17 Prozent in konkreten Verhandlungen und haben deshalb gute Chancen, den Prozess erfolgreich abzuschließen. 21 Prozent aber sind in diesen Prozess noch gar nicht aktiv eingestiegen bzw. sie haben nur erste Informationen gesammelt – hier gibt es kaum Chancen, innerhalb des geplanten Zeitraums eine Nachfolge zu finden. Experten der Industrie- und Handelskammer veranschlagen für den Prozess der Unternehmensnachfolge mindestens einen Zeitraum von drei Jahren, oft ist aber mehr Zeit vonnöten.

Familiennachfolge versus externe Nachfolger

Familieninterne Nachfolgen sind inzwischen in Deutschland ein Auslaufmodell. Häufig haben die eigenen Kinder andere berufliche Präferenzen. In Handwerkerfamilien erlernen immer weniger Jugendliche einen Beruf, sondern studieren und orientieren sich in der Folge weg vom Familienbetrieb. Kinder von Unternehmern erleben von Kindesbeinen an, welchen persönlichen Einsatz die Führung einer Firma bedeutet und entscheiden sich immer öfter bewusst dagegen und stattdessen für geregelte Arbeitszeiten, weniger Verantwortung und mehr Zeit für die Familie. Und manchmal sind einfach auch keine Kinder da.

Inzwischen wünschen sich nur noch 44 Prozent der Unternehmer mit aktuellen Nachfolgegedanken eine Übergabe an einen Familienangehörigen, so die aktuellen Zahlen der KfW.  Jeder Zweite zieht stattdessen alternative Nachfolgevarianten vor. Bei den externen Käufern sind das vor allem Existenzgründer, andere Unternehmen und Finanzinvestoren.

Für die Kaufinteressenten gibt es gute Gründe für den Erwerb mittelständiger Unternehmen:  87 Prozent der Nachfolgeplaner erzielten 2017 eine positive Umsatzrendite und bezeugten damit ihre Ertragskraft und die Tragfähigkeit ihrer Geschäftsmodelle. 90 Prozent wiesen eine positive Eigenkapitalquote von durchschnittlich 32 Prozent auf.

Einige Hürden beim Verkauf an Externe oder Mitarbeiter

Bei Unternehmensverkäufen an Externe – wenn Altinhaber und potenzieller Nachfolger sich nicht kennen – sind die Informationsasymmetrien ausgeprägt und die Transaktionskosten einer erfolgreichen Nachfolge hoch. Da eine Nachfolge immer nur einmal im Leben ansteht, mangelt es den meisten Altunternehmern natürlich an Erfahrungen und Kenntnissen über die Prozesse, die vor ihnen liegen. Und sie haben nur selten kompetente Ansprechpartner und entsprechende Kontakte.

Etwas unkomplizierter ist es sicher beim Unternehmensverkauf an eigene Mitarbeiter. Diese Nachfolgevariante wird immer beliebter: Konnte sich 2018 ein Viertel der Unternehmer mit Nachfolgeplänen einen solchen Verkauf vorstellen, so war es im Folgejahr bereits ein Drittel. Dabei übernehmen einer bzw. mehrere Führungskräfte oder die Beschäftigten insgesamt das Unternehmen. Hier stimmt zumindest schon einmal die Chemie zwischen den Akteuren, dennoch müssen die Verhandlungen und Prozesse ebenso professionell gemanagt werden wie bei Betriebsfremden.

Die schlechte Nachricht bei den Nachfolgen an externe Käufer: 90 Prozent der Unternehmer mit dem Wunsch nach einem externen Nachfolger haben nach Erhebungen der KfW noch keinen Nachfolger gefunden und konnten daher nicht mit konkreten Verhandlungen beginnen. Das sind keine guten Voraussetzungen, um im selbst festgelegten Zeitrahmen eine erfolgreiche Nachfolge zu stemmen. Beim Verkauf an eigene Mitarbeiter steht es etwas besser: Hier sind immerhin 20 Prozent in konkreten Verhandlungen bzw. haben diese bereits erfolgreich abgeschlossen.

Doch auch die Stilllegung ist für viele Unternehmerinnen und Unternehmer eine Alternative. Von denjenigen, die bereits konkret über die Zukunft ihrer Unternehmen nachdenken, nennen immerhin 36 Prozent diese Option. Auch das gehört zum Strukturwandel im Mittelstand. Betroffen sind jedoch meist kleinere und Kleinstunternehmen.

Demographie und Unternehmensnachfolge

Auf einen kurzen Nenner gebracht: Der demographische Wandel wird den Bedarf an Nachfolgern im deutschen Mittelstand zukünftig spürbar erhöhen und gleichzeitig die Suche nach Nachfolgern erschweren.

Die Überalterung der deutschen Gesellschaft macht auch vor Unternehmerinnen und Unternehmern nicht halt, nein sie wird bei ihnen sogar besonders deutlich: Bereits heute sind etwas mehr als 1,5 Millionen oder 44 Prozent der Firmen-Inhaber 55 Jahre und älter. Wenn die sogenannten „Babyboomer“, der geburtenstärkste Jahrgang der deutschen Nachkriegsgeschichte, dann so circa ab 2025 in den Ruhestand gehen, müssten ihre ersten Nachfolger in den Chefsesseln Platz genommen haben.

Im Vergleich zur Gesamtgesellschaft ging die Alterung bei den Inhabern im Mittelstand sehr viel schneller vor sich: Betrug ihr Durchschnittsalter im Jahr 2002 noch 45 Jahre, so sind es aktuell 52 Jahre. Unternehmerinnen und Unternehmer im deutschen Mittelstand sind schon jetzt sehr viel länger erwerbstätig als der Durchschnitt der Bevölkerung. Und ein Ende ist nicht abzusehen. Selbst wenn alle anstehenden Nachfolgen innerhalb von zwei Jahren erfolgreich umgesetzt werden würden – sehr unrealistisch bei den oben angeführten Zahlen der KfW – wären die betreffenden Inhaberinnen und Inhaber dann durchschnittlich 67 Jahre alt.

Nicht umsonst ist also die Unternehmensnachfolge neben Digitalisierung und Fachkräftesicherung derzeit und künftig wohl eine große Herausforderung für den Mittelstand.