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„She Succeeds Award“ 2022: Der VdU kürt 3 Nachfolgerinnen und 1 Wegbereiterin

Unternehmensnachfolge

„She Succeeds Award“ 2022: Der VdU kürt 3 Nachfolgerinnen und 1 Wegbereiterin

Schon der neue Name „she succeeds award” macht deutlich, worauf es ankommt: Erfolg ist auch weiblich – auch in der Unternehmensnachfolge. Alljährlich verleiht der Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU) den Preis an weibliche Führungskräfte, die in puncto Nachfolge überzeugten. Am 23. Juni erhielten im Rahmen der diesjährigen VdU-Jahresversammlung gleich vier Gewinnerinnen die Auszeichnung, die zuvor noch unter der Bezeichnung „Next Generation Award“ lief.

Neu war diesmal, dass gleich zwei Gewinnerinnen in der Kategorie „familieninterne Nachfolge“ ernannt wurden: Carletta Heinz, die als erste Frau in der 400-jährigen Unternehmensgeschichte nun das Familien-Imperium leitet, und Hanna Grau, die als Quereinsteigerin die Croozer GmbH des Vaters übernommen hat. Die Jury beeindruckt haben ebenfalls Corina Reifenstein, Gewinnerin der externen Nachfolge für die gekonnte Übernahme der Terpe Bau GmbH sowie Ulrike Saade in der Kategorie Wegbereiter*in, die als Alt-Eigentümerin zwei jungen Partnerinnen den Einstieg in ihr Unternehmen Velokonzept ermöglichte.

Beruf und Familie vereinbaren: Von jeher eine Herausforderung für Frauen

Das Thema Woman Leadership ist aktueller denn je. Denn laut der Förderbank KfW hat vor allem die Corona-Krise die Abnahme frauengeführter Unternehmen beschleunigt. Innerhalb von zwei Jahren sank die Zahl um ein Prozent – das sind aktuell über 6.000 Chefinnen weniger als noch im Jahr 2019.

Die Gründe hierfür sind eigentlich dieselben, mit denen Frauen voriger Generationen schon zu kämpfen hatten: zum einen die Schwierigkeit, einen anspruchsvollen Beruf und die Familie zu vereinbaren. Zum anderen vorherrschende gesellschaftliche Rollenbilder und männlich geprägte Unternehmenskulturen.

Die Tradition hat oberste Priorität

© VdU Carletta Heinz

Carletta Heinz ist in einem Umfeld aufgewachsen, in welchem Familie und Unternehmertum immer schon eng miteinander verzahnt waren. Die Tradition der oberfränkischen Heinz-Glas GmbH & Co. KGaA reicht bis ins frühe 17. Jahrhundert zurück – es gehört zu den zehn ältesten Familienunternehmen Deutschlands und ist Weltmarktführer in der Herstellung von Glasflakons und Verschlüssen für die Parfüm- und Kosmetikindustrie.

Bereits im zarten Alter von sechs Jahren regte sich in Carletta Heinz der Wunsch, einmal Firmen-Chefin zu werden. Gedrängt dazu hat sie niemand – im Gegenteil. Der Vater wollte den Druck von ihr nehmen, indem er externe Übernahmeangebote ins Spiel brachte. Das kam für sie nicht infrage, schließlich zählte die Tradition.

Im Jahr 2013, nach dem Studium zur Diplom-Kauffrau, stieg Carletta Heinz ins Unternehmen ein und durchlief mehrere Abteilungen. Begleitet wurde der Generationenwechsel durch einen Geschäftsführer, der für Vater und Tochter auch Mentor war.

Nach wie vor ist der Vater in die Geschäfte involviert. Doch es fällt ihm schwer loszulassen, obgleich Carletta Heinz seit 2020 die Verantwortung für das Unternehmen mit seinen 3.300 Mitarbeitern innehat. Als Leaderin will sie unternehmerisch Neues wagen – auch in Krisenzeiten – schließlich hat die Firma schon etliche Kriege überstanden. Angefangen mit dem 30-jährigen Krieg vor 400 Jahren.

Mit dem Wissensschatz des Vaters die Firma zukunftsfähig machen

Mit dem Umzug der Firma Croozer GmbH in ein ehemaliges Fernsehstudio bei Köln setzte Hanna Grau eine deutliche Zäsur: Der neue Firmensitz kennzeichnet den Generationenwechsel. „Das Büro steht für das, wofür ich stehe: Offenheit, Transparenz, Begegnung, aber auch für Modernisierung“, sagt die junge Unternehmerin.

Sie hat schon einmal einen radikalen Schnitt im Leben gemacht: Nach erfolgreicher Approbation zur Ärztin kehrte sie 2016 der Medizin den Rücken und arbeitete sich sukzessive in das väterliche Unternehmen ein. Dieses entstand vor knapp 30 Jahren, 1993, in einem Kölner Hinterhof – die auf Fahrradanhänger spezialisierte Croozer GmbH erwirtschaftet mittlerweile 30 Millionen Euro jährlich und beschäftigt 55 Mitarbeiter.

2020 übernahm Hanna Grau als Mehrheitsgesellschafterin komplett die Geschäfte – ihr zur Seite steht ein externer Geschäftsführer, und ihr Ehemann, der die beiden berät.

Wichtig ist ihr, den Wissens- und Ideenschatz ihres Vaters zu erhalten und die Firma gleichzeitig in Richtung Zukunft zu lenken.

Das neue Office ist Teil Ihrer Vision, es ist Begegnungs- und Arbeitsort in einem.

Von der Angestellten zu Unternehmerin: Eine besondere Success-Story

© VdU Corina Reifenstein

Als externe Nachfolgerin übernahm Corina Reifenstein 2010 das Bauunternehmen Terpe Bau GmbH – in welchem sie zuvor zwanzig Jahre lang als Angestellte tätig gewesen war. Unter ihrer Leadership entwickelte sich die Firma zu einem führenden Unternehmen für Hoch- und Tiefbau aller Art. Corina Reifenstein ist selbst vom Fach: Sie hat eine Berufsausbildung mit Abitur zur Maurerin und Betonbauerin hinter sich und hängte ein Ingenieurstudium im Hochbau an. Schon im Studium wurde sie 1989 Sachbearbeiterin in der ehemaligen LPG Telpe und lernte die Firma auf verschiedenen Posten von der Pike auf kennen.

Ihr umfangreiches Wissen über die Firma ließ in ihr die Entscheidung reifen, selbst unternehmerisch gestalten zu wollen. Seitdem hat sie drei weitere Firmen gegründet. Besonders liegt ihr die Nachwuchsförderung am Herzen, sie besucht Schulen und wirbt dort für das Bau-Handwerk.

Ihr Rat an junge Nachfolgerinnen: „Glaubt an euch und eure Fähigkeiten, macht alles mit Leidenschaft, habt den Mut und MACHT einfach!“

Nachfolge geglückt: Die Gründerin teilt sich die Geschäftsführung mit den neuen Partnerinnen

© VdU v.l. Isabell Eberlein, Ulrike Saade, Hille Bekic Foto: Pedro Becerra

Als Gründerin und alleinige Geschäftsführerin hat Ulrike Saade bis 2020 die Velokonzept GmbH geleitet – und hat dann die Nachfolge für ihre Berliner Firma selbst eingeleitet. In Isabell Eberlein und Hille Bekic fand sie zwei starke Partnerinnen, mit denen sie sich die Gesellschaftsanteile und die Geschäftsführung gleichberechtigt teilt. Das gemeinsame Ziel der drei: Die Umstrukturierung der Firma zum Purpose-Unternehmen, das nicht nur wirtschaftliche Interessen verfolgt. Zudem werden alle Mitarbeiter in die Entscheidungsprozesse eingebunden, Soziokratie und agiles Projektmanagement prägen die Unternehmenskultur und das Change-Management.

Für diese sanfte Übergabe an die nächste Generation, die 2025 abgeschlossen sein wird, wurde Ulrike Saade zur Wegbereiter*in des Jahres gekürt.

 

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