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Coworking ist eine Innovationsquelle

In der Kreativfabrik 62, einem Sage-Kunden im luzernischen Oberkirch, werden Arbeitsplätze an die verschiedensten Unternehmen vermietet. Geschäftsführer Manuel Lichtsteiner erklärt, wie die Nutzer im Coworking-Space voneinander profitieren.

Sage: Sie betreiben einen so genannten Coworking-Space. Was ist das genau?

Manuel Lichtsteiner: Bei uns können Büro-Arbeitsplätze flexibel und zu einem günstigen Preis gemietet werden. Wir möchten Raum bieten für das innovative Potenzial und die Ideen, die es in unserer Region ohne Zweifel gibt.

Was unterscheidet euch von einem normalen Bürovermieter?

Das Vermieten eines Büros ist nur ein Teil der Geschäftsidee. Wir bieten zwar Büro-Infrastruktur an, aber eben auch Raum, in dem sich unsere Mieter untereinander austauschen können. Coworking und das miteinander sind zentral, wie unser Name schon sagt.

Das Angebot zur Verfügung zu stellen, ist das eine. Wird es von den Mietern auch in Anspruch genommen? Funktioniert die Philosophie oder bleibt es ein frommer Wunsch?

Nein, das ist kein frommer Wunsch. Der angestrebte Austausch findet tatsächlich statt. Wir haben hier sogar sowas wie einen familiären Umgang. In der Pause wird oft auch über Privates gesprochen und nicht nur übers Business.

Was hat euch dazu bewogen, in Oberkirch in der Luzerner Landschaft einen Coworking-Space anzubieten? Das ist ja nicht gerade ein Start-up-Hotspot.

Es kommt auf die Perspektive an. Rein steuertechnisch gesehen bietet Luzern ein hervorragendes Umfeld für Start-ups. Wir haben ganz viele Leute mit coolen Ideen, die jetzt noch nach Zürich oder Schwyz gehen. Das wollen wir ändern.

Was kriegt ein Kunde konkret, wenn er sich bei euch einmietet?

Grundsätzlich zahlt ein Mieter nur das, was er effektiv braucht. Das reicht von einem eingerichteten Büroplatz mit allem Drum und Dran, inklusive einem Zeitkontingent fürs Sitzungszimmer und einem Parkplatz. Aber man kann auch einfach nur einen Tisch, einen Stuhl und einen Internetanschluss mieten. Den Austausch mit anderen gibt’s gratis dazu.

Der Kunde mietet immer eine gewisse Zeit?

Es gibt drei Modelle: Eine Tagesmiete, ein Abo und die fixe Miete ab mindestens einer Woche. Ganz simpel.

Und was kostet das?

Ein fixer Arbeitsplatz kostet 500 Franken im Monat. Bleibt der Mieter länger, hat er beispielsweise ein Zeitkontingent im Sitzungszimmer mit dabei. Ein halber Tag kostet 20 Franken, ein Tag 35 Franken und eine Woche 160 Franken.

Welches Angebot ist am beliebtesten?

Wir haben rund 50 Coworker, die regelmässig hier sind. 14 Arbeitsplätze sind fix vermietet, die anderen kommen tageweise.

Welche Massnahmen mussten Sie treffen, damit dieses Miteinander so gut funktioniert?

Wir bieten beispielsweise einmal pro Woche ein gemeinsames Mittagessen an – auf freiwilliger Basis. Wir machten auch schon gemeinsam Pasta oder Schokolade. Und wir gründeten einen Unternehmerclub, mit dem wir externe Unternehmer und Querdenker in den Coworking-Space bringen. Die arbeiten nicht nur in der Region, sondern auch in Zürich oder Bern.

Was bringt es einem Start-up, gemeinsam mit anderen Leuten Pasta zu machen? Das klingt eher nach einer lustigen Vereinsaktivität.

Bei solchen Aktivitäten kommt man sehr schnell miteinander ins Gespräch, ähnlich wie beispielsweise beim gemeinsamen Apéro. Ausserdem entstehen die besten Ideen oft an der Kaffeemaschine beim entspannten Plaudern. Diese Effekte nutzen wir auch im Unternehmerclub sehr gezielt.

Was erhoffen sich im Umkehrschluss die Unternehmer, wenn sie an einer solchen Aktivität teilnehmen?

Sie holen sich Inspirationen für neue Ideen und hören, wie ihre Firma oder ihre Branche von Aussenstehenden wahrgenommen wird. Ausserdem behandeln wir regelmässig Themen, die für ein KMU im weitesten Sinne interessant sind.

Zum Beispiel?

Digitalisierung ist ein Thema, das regelmässig kommt. Hier kriegen die KMU ganz konkrete Tipps.

Schicken diese Unternehmen auch Mitarbeiter in Ihren Coworking-Space?

Nur sehr vereinzelt, obwohl das eigentlich ideal wäre. Aber es ist nicht ganz einfach, die KMU davon zu überzeugen.

Warum sollte das ein KMU tun?

Es ist inspirierend für diese Mitarbeiter, wenn sie auch mal andere Luft schnuppern, andere Leute sehen, in einer anderen Umgebung arbeiten und sich austauschen. Coworking ist eine Innovationsquelle. Das realisieren immer mehr KMU in der Schweiz.

Wo Menschen zusammenarbeiten, gibt’s auch Konflikte. Die einen essen am Arbeitsplatz, die andern lassen ihr Zeugs im Kühlschrank vergammeln. Habt Ihr vorbeugende Regeln?

Wir haben bewusst auf ein Regelwerk verzichtet. Wir sind Verfechter von Fair Use Policies. Aber es gibt tatsächlich Konfliktfälle. Der Kühlschrank und die Abwaschmaschine sind typische Brennpunkte. Bisher reichte aber immer ein kleiner Appell per Mail. Es gibt Coworking-Spaces, die einen Rabatt gewähren, wenn jemand ein Ämtli übernimmt.

Wie kamen Sie persönlich dazu, sich mit einem Coworking-Space selbstständig zu machen?

Ich machte eine KV-Lehre bei Sage Schweiz. Dann wollte ich reisen, musste ins Militär und machte dann doch noch die berufsbegleitende Matura. Obwohl ich ja als Lehrling das Gefühl hatte, Studieren sei nichts für mich.

Man darf seine Meinung auch ändern.

Richtig. Ich studierte Wirtschaft an der Hochschule Luzern und bin im Moment am Master.

Der Entscheid, selber ein Start-up zu gründen, ist nicht selbstverständlich.

Stimmt. Aber ich hatte immer den Drang, selber zu Entscheiden und Einfluss zu nehmen. Der Coworking-Space war zunächst eigentlich eine Spinnerei, die uns dann aber packte. Zusammen mit meinem Geschäftspartner Andi Troxler, der sehr kreativ ist, funktioniert das hervorragend – entgegen vieler Prognosen von Skeptikern.

Sie machten einen Businessplan, wie es dringend empfohlen wird. Mit Erfolg?

Etwa 40 Prozent trafen ein. Das ist nicht schlecht, da wir in der Zentralschweiz praktisch nichts Vergleichbares haben.

Wie habt ihr eure ersten Kunden gefunden?

Wir aktivierten unser gutes Netzwerk in der Region. Wir luden sehr viele Leute zu uns ein und zeigten, was wir tun. Unsere Events sind ebenfalls sehr wichtig.

Wo seht ihr euch in zwei bis drei Jahren?

Unser Konzept funktioniert. Wir werden an bestehenden Standort weiter in die Infrastruktur investieren. Aber ein Coworking-Space rentiert erst richtig, wenn wir Komplementärprodukte schaffen.

Eine Marke?

Nicht nur. Wir entwickelten zum Beispiel das Produkt «Ideenlabor». Wir gehen in Unternehmungen und entwickeln gemeinsam mit den Teams neue Ideen. Andere Firmen kommen zu uns und arbeiten in unseren inspirierenden Räumen an Innovationen – mit unserer Hilfe. Wir vereinen Coworking-Space und Innovationsberatung. Das macht uns einmalig. Aktuell sind unsere Workshops sehr gefragt. Hier sind wir mittlerweile in der ganzen Schweiz tätig.