Digitale Transformation

Von Cloud-Vorreitern und Cloud-Skeptikern: Die Datenwolke spaltet die deutsche Fertigungsindustrie

Frau

Wie stehen Fertigungsunternehmen zur Cloud? Quelle: Sage

Wie stehen Fertigungsunternehmen zur Cloud? Quelle: Sage

Wie offen mittelständische Fertigungsunternehmen für Cloud Computing sind, hängt nicht zuletzt von der Branche ab. Das zeigt eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Pierre Audoin Consultants (PAC) im Auftrag von Freudenberg IT. Danach gibt es Vorreiter und Skeptiker. IT-Journalist Hans-Thomas Hengl geht diesem Thema auf den Grund. Er hat auch Continental Automotive befragt.

Vorreiter unter den mittelständischen Fertigungsunternehmen sind ganz klar die Automobilzulieferer: Zwischen 13 und 23 Prozent der befragten Automotive-Unternehmen haben Cloud-Lösungen im Einsatz. An der Spitze liegen dabei Cloud-basierte Speicher und Backup-Lösungen (23 Prozent). Knapp dahinter landen Serverkapazitäten in der Wolke sowie einzelne Nischenlösungen als Software-as-a-Service (SaaS). Beides nutzen jeweils 20 Prozent der Automobilzulieferer. Das Schlusslicht bildet SaaS als strategische Softwareplattform, also unternehmensweite Anwendungen aus der Cloud, was nur bei 13 Prozent der Firmen zum Einsatz kommt.

So steht Continental Automotive zur Cloud

Im Bereich Kundenmanagement (CRM) sind Cloud-Produkte mittlerweile angekommen. Quelle: Sage

Im Bereich Kundenmanagement (CRM) sind Cloud-Produkte mittlerweile angekommen. Quelle: Sage

Was spricht aus Sicht der Automobilzulieferer für die Cloud? Continental Automotive muss es wissen. Das Unternehmen stellt zum Beispiel Steuerungen für Airbags, Motoren und Getriebe sowie Fahrerassistenz- und Zugangskontrollsysteme her. „Wir nutzen Cloud Computing, um unsere Geschäftsprozesse in bestimmten Bereichen – zum Beispiel Customer Relationship Management (CRM), Logistik und Reisekostenabrechnung – zu unterstützen“, sagt Continental-Sprecherin Simone Geldhäuser. Sie fügt hinzu: „Grundlage für den Einsatz von Cloud Computing ist immer eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung für den konkreten Einsatzbereich.“ Als grundsätzlichen Vorteil sieht Geldhäuser, dass ohne lange Vorlaufzeiten Lösungen etabliert werden können. „Zudem hat man ein variables Vergütungsmodell, das sich dem konkreten Bedarf anpasst.“

Diese genannten Vorteile überzeugen – aber nicht jeden. Gegenüber den Automobilzulieferern zeigen sich die mittelständischen Maschinen- und Anlagenbauer skeptisch, was Cloud Computing angeht. Hier liegt die Cloud-Nutzung zwischen 15 für Speicher- und Backup-Lösungen und 2 Prozent für SaaS als strategische Softwareplattform. Damit liegt die Branche nicht nur deutlich hinter den Automotive-Unternehmen, sondern fällt auch hinter andere Fertigungsbetriebe zurück. „Die Zurückhaltung der Branche liegt zum einen darin begründet, dass viele sensible Daten, darunter auch personenbezogene, verarbeitet werden“, sagt Thomas Riegler, Referent im Fachverband Software im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). „Zum anderen werden in vielen Anwendungen unternehmensspezifische Aufgaben mit hohem Schnittstellenbedarf zu den anderen Unternehmenssystemen bearbeitet. Hier entsteht bei einer Verlagerung in die Cloud ein hoher Anpassungsbedarf, der eine Cloud-Lösung in Frage stellt.“

Dort, wo produziert wird, stehen Cloud-Produkte vor besonderen Herausfordern wie dem erhöhten Schnittstellenbedarf. Quelle: Sage

Dort, wo produziert wird, stehen Cloud-Produkte vor besonderen Herausfordern wie dem erhöhten Schnittstellenbedarf. Quelle: Sage

Datensicherheit kein Contra-Argument

Solche industriespezifischen Einwände muss man gelten lassen. Das Argument der Datensicherheit dagegen überzeugt weniger: Die Cloud-Anbieter kennen die Vorbehalte seit langem, und setzen ihnen detaillierte und überzeugende Security-Konzepte entgegen. Aber damit dringen sie gerade zur Zeit kaum zu den Maschinenbauern durch: Die NSA-Affäre habe sicher auch nicht zu einer Förderung der Akzeptanz der Cloud in der Branche beigetragen, betont Riegler. „Hier hat sich gezeigt, dass der deutsche Maschinen- und Anlagenbau auch vor Wirtschaftsspionage durch befreundete Staaten nicht geschützt ist.

Richtig, aber das ist kein spezifisches Problem der Cloud, sondern einerseits Angelegenheit der Politik und andererseits Sache der Unternehmen: Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als die höchstmöglichen Sicherheitsvorkehrungen für die gesamte Unternehmens-IT zu treffen – ob mit oder ohne Cloud. Nur dann ist sichergestellt, dass sensible Daten und geschäftskritische Informationen vor unbefugtem Zugriff sicher sind.

Von Hans-Thomas Hengl