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Internet der Dinge: ERP-Systeme als Wegbereiter neuer Geschäftsmodelle

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Auch Datenautobahn bezeichnet: Das Internet wird weiter unseren Alltag verändern. Quelle: Pixelio.de/Stefan Heerdegen

Auch Datenautobahn bezeichnet: Das Internet wird weiter unseren Alltag verändern. Quelle: Pixelio.de/Stefan Heerdegen

Er ist zwar momentan in aller Munde, aber praktisch noch in keiner Küche zu finden: der Kühlschrank, der Lebensmittel automatisch nachbestellt. Wie kein anderes Beispiel steht er für den nächsten Megatrend in der IT: das Internet der Dinge, also „die technische Vision, Objekte jeder Art in ein universales digitales Netz zu integrieren“, wie es die Europäische Kommission definiert hat. Oder kurz: die allgegenwärtige, praktisch grenzenlose Vernetzung von Gegenständen .

Dass der besagte Kühlschrank seit Jahren als Modell herhalten muss, im Alltag jedoch noch keine Rolle spielt, bedeutet nicht, dass das Internet der Dinge gleichermaßen Zukunftsmusik ist. Im Gegenteil: Das Marktforschungsunternehmen Gartner registriert für das Jahr 2009 zweieinhalb Milliarden vernetzte Geräte, in einigen Jahren, 2020 nämlich, sollen es bereits über 30 Milliarden sein, darunter auch Gegenstände des täglichen Gebrauchs. Für dasselbe Jahr erwarten die Marktforscher von IDC Umsätze aus Technologien, die mit dem Internet der Dinge in Verbindung stehen, in Höhe von knapp neun Billionen Dollar.

Internet der Dinge schleicht sich ein

Professor Axel Winkelmann geht von einem schleichenden Einzug des Internets der Dinge aus. Quelle: P

Professor Axel Winkelmann geht von einem schleichenden Einzug des Internets der Dinge in unseren Alltag aus. Quelle: P

Aber auch ein Blick auf die Gegenwart zeigt, dass das Internet der Dinge im täglichen Leben Einzug hält. Es schleiche sich stetig, aber an vielen Stellen eher unbemerkt in den Alltag, sagt Professor Axel Winkelmann, Inhaber des Lehrstuhls für BWL und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg, und nennt auch konkrete Beispiele: Treffen Bahn, Bus oder der LKW auf der Straße pünktlich am Ziel ein? Wann kommt der Paketdienst? Wie viel Energie wird wo verbraucht? Wie warm ist es in welchen Räumen? „Grundlegendes Konzept des Internets der Dinge ist immer die Erfassung und Verknüpfung realweltlicher Begebenheiten mit dem virtuellen Pendant“, erläutert Winkelmann. „Ist dieses gegeben, lassen sich die Daten theoretisch in beliebigen Kontexten verwenden.“ Ein Beispiel. Viele neue Anwendungsszenarien ergeben sich laut Winkelmann durch die Miniaturisierung des Computers in Form von Smartphones, Smart Watches, ans Internet angeschlossene KFZ-Bordcomputer oder vernetzte Temperaturfühler im Haus. Diese elektronischen Geräte erlauben es, Daten vor Ort zu erfassen und für andere Anwendungszwecke zu nutzen, zum Beispiel zur Auswertung des individuellen Fahrverhaltens durch KFZ-Versicherungen.

Unternehmen zunächst vor „Super Big Data“-Herausforderung

Solche Szenarien setzen jedoch leistungsfähige Analyse-Anwendungen und ERP-Systeme voraus, betont Winkelmann: „Business Software im operativen als auch analytischen Bereich ist das grundlegende Element vieler gerade entstehender Geschäftsmodelle und neuartiger Unternehmensabläufe.“ Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die ERP-Systeme Offenheit durch eine Vielzahl von Schnittstellen sowie Flexibilität mitbringen. Bevor sich ERP-Systeme allerdings als Wegbereiter neuer Geschäftsmodelle im Internet der Dinge beweisen können, muss sich die IT einer „Super Big Data“-Herausforderung stellen, denn es fallen enorme Datenmengen durch die allgegenwärtige Vernetzung an, die gesammelt, gespeichert, ausgewertet und wieder zur Verfügung gestellt werden müssen.

Zuerst muss die Datenflut bewältigt werden, bevor das Internet der Dinge sich durchsetzen kann. Quelle: Pixelio.de/Markus Vogelbacher

Bevor sich ERP-Systeme als Wegbereiter neuer Geschäftsmodelle im Internet der Dinge beweisen können, muss sich die IT einer „Super Big Data“-Herausforderung stellen Quelle: Pixelio.de/Markus Vogelbacher

Viele dieser neuen Geschäftsmodelle und -prozesse sind laut Winkelmann heute bereits in der ein oder anderen Form in den Softwaresystemen vorgedacht, werden aber noch längst nicht in der vollen Breite von den Anwendungsunternehmen umgesetzt. Daraus ergeben sich Chancen für Unternehmen, bei denen große Mengen an Daten etwa aus Lagerhaltung sowie Bestellabwicklung und Auslieferung anfallen. Winkelmann: „Hier besteht auch und insbesondere für den Mittelstand großes Potenzial, die eigenen Daten weit über das Kerngeschäft hinaus zu nutzen.“

Von Hans Thomas-Hengl