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Jahreswechsel im Lohn: Entgelt bei Midijobs richtig berechnen

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Frau mit Kopfhörern

Die soziale Gerechtigkeit soll sich in Deutschland besser durchsetzen. Dazu gehört unter anderem, dass die Bürgerinnen und Bürger von ihrem Verdienst leben können: Geringverdienern muss dazu mehr Netto vom Brutto bleiben. Doch das ist politisch nicht leicht umzusetzen. Immerhin hat die Politik bei den Midijobs einen Anfang gemacht, der sich auch auf die Lohnbuchhaltung auswirkt.

Zwar sind die Beschäftigtenzahlen in Deutschland trotz drohendem Wirtschaftsabschwung hoch, aber im Vergleich mit anderen EU-Staaten gibt es überproportional viele Geringverdiener. Mit neuen Regulierungen soll den geringfügig Beschäftigten mehr Geld vom Bruttoeinkommen bleiben.  In diesem Punkt steht Deutschland im OECD-Vergleich der Staaten besonders schlecht da: Von den niedrigen Bruttoeinkommen behält der deutsche Staat relativ viel ein. Besonders die Sozialabgaben fallen ins Gewicht und hier setzen die neuen Regulierungen an.

Höhere Obergrenze für Midijobs

Schon im Juli 2019 hat das BMAS (Bundesministerium für Arbeit und Soziales) die Obergrenze für Midijobs angehoben – auf 1.300 Euro im Monat. Die Midijobber sind übrigens fest angestellte Teilzeitkräfte, die mehr als 450 Euro im Monat verdienen und damit keine Minijobber mehr sind. Sie erhalten aber auch nicht mehr Lohn als 1.300 Euro im Monat. Wer sich in diesem Korridor befindet, zahlt weniger Sozialabgaben als die Normalverdiener.

Allerdings ist die reale Entlastung nicht wirklich groß. Durchschnittlich 17 Euro sollen die Midijobber laut DIW Berlin mehr in der Tasche haben – aber immerhin. Den deutschen Staat kostet die Regulierung rund 400 Millionen Euro.

Grafik: Entlastung bei Midijobs nimmt bei steigendem Gehalt ab:

Übersicht Midijob

Die Arbeitnehmer mit Midijobs zahlen zwar weniger in die Sozialkassen ein, aber die Höhe ihrer Rentenansprüche berechnet sich weiter nach dem vollen Satz. Die Arbeitgeber müssen weiterhin den vollen Anteil für Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zahlen.

Wie Sie die Sozialabgaben von Midijobbern berechnen

Ob ein Angestelltenverhältnis im Midijobbereich zwischen 450,01 und 1.300 Euro (bis 1. Juli 850 Euro) liegt, ergibt sich aus dem Durchschnittseinkommendes Jahres. Die Grundlage für die Berechnung bildet die Sozialversicherungs­rechengrößen-Verordnung und gesenkte Sätze.

Tipp: Wenn ein Arbeitnehmer mehrere Jobs ausübt, wird das Gesamtentgelt als Grundlage herangezogen. Machen Sie Ihre Angestellten darauf aufmerksam, damit es nicht zu empfindlichen Nachzahlungen kommt.

Lohnwegweiser 2020: gesetzliche Änderungen zum Jahreswechsel

Wir geben einen Überblick über die wichtigsten Änderungen:

  • Änderungen für Arbeitgeber 2020
  • Änderungen im Lohnsteuerrecht
  • Bemessungs-, Freibetrags- und Arbeitsentgeltgrenzen
  • Sozialversicherung
  • Bürokratieentlastungsgesetz III
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Minijobs versus Midijobs?

In einem sozialversicherungsfreien Minijob erhält der Arbeitnehmer sein Entgelt ohne Abzüge, wenn er sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lässt. Die Kosten für den Arbeitgeber sind jedoch vergleichsweise hoch: 30% Pauschalbeiträge gegenüber etwa 20% Beiträgen am Gesamtsozialversicherungsbeitrag.

Fall 1: Nehmen wir an, ein Arbeitgeber benötigt für 60 Arbeitsstunden monatlich Personal. Der Stundenlohn beträgt 15 EUR. Zwei Minijobber oder ein versicherungspflichtiger Midijobber können die Arbeit erledigen. Die Berechnung erfolgt mit Steuerklasse EINS, ohne Kinderlosenzuschlag und einer Krankenkasse mit 1% Zusatzbeitrag.

Brutto: 900 €

gesetzl. Abzüge bei Midijobs: 155,84 €

Arbeitgeberaufwand: 282,89 €

Netto: 744,16 €

Fall 2: Würden statt dem Midijobber zwei Minijobber eingestellt, ergibt sich folgendes Bild:

Brutto: 900 € (2×450 €)

Arbeitgeberaufwand: 270 € (2×135 €)

Netto: 900 € (2×450 €)

Faktor F: die Rechengröße für Midijobs

Für Jobs im sogenannten Übergangsbereich wird der Arbeitgeberbeitrag auf das volle Bruttoentgelt fällig. Aber in den einzelnen Versicherungszweigen mindert sich der Anteil der Arbeitnehmer. Die Berechnung erfolgt mit Faktor F und einer Formel für den Übergangsbereich. Dabei wurde der Faktor F schon am 1. Januar 2019 auf 0,7566 angepasst und bleibt auch für den Übergangsbereich gültig. Eine gute Software übernimmt dann die Berechnung der Beiträge für die Midijobber.

Die Berechnung erfolgt meist in drei Schritten, einen für jeden Versicherungsbereich: Erstens wird der Beitrag der reduzierten beitragspflichtigen Einnahme, zweitens der Beitragsanteil des Arbeitgebers auf Basis des tatsächlichen Entgelts und drittens der Arbeitnehmeranteil ermittelt. Der Beitragszuschlag für die Pflegeversicherung bei Kinderlosigkeit (0,25 Prozent) wird auf Basis der reduzierten beitragspflichtigen Einnahme gesondert berechnet und zum Gesamtbeitrag der Pflegeversicherung addiert.

Sonderfälle für den Übergangsbereich

Doch nicht immer greift die Regelung für den Übergangsbereich: Bei Arbeitnehmern in Berufsausbildung, bei einer Umschulung und einem freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahr gilt sie nicht. Das Bürokratieentlastungsgesetz (BEG) III sieht auch keine Anpassung der Minijob-Grenze von 450 Euro im kommenden Jahr vor.

Hilfe bei der Lohnabrechnung

Der Aufwand, mit dem Arbeitgeber Nettogehälter finanzieren, wird immer größer: Für Minijobber, Gleitzone und Normalverdiener müssen die Sozialabgaben jeweils anders berechnet werden. Eine Software berechnet die aktuellen Sätze nach den Vorgaben der Lohnbuchhaltung automatisch, so dass alles korrekt ist. Das erleichtert auch bei weiteren gesetzlichen Anpassungen die tägliche Arbeit.