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Externe vs. interne Unternehmens­nachfolge: Wie Sie die richtige Entscheidung treffen

Nachfolge

Was soll aus Ihrem Lebenswerk werden? Ob Sie Ihr Unternehmen auf eines Ihrer Kinder übertragen, einen familienfremden Geschäftsführer einstellen oder Ihr Unternehmen ganz verkaufen – die beste Entscheidung ist immer eine individuelle. Analysieren Sie daher frühzeitig Ihre Situation, um die Weichen für eine zufriedenstellende Unternehmensnachfolge zu stellen.

Unternehmensnachfolge

Fast die Hälfte aller Unternehmer in Deutschland (47 Prozent) finden laut DIHK-Report keinen passenden Nachfolger. Damit Sie nicht zu dieser Gruppe gehören, sollten Sie sich spätestens fünf Jahre vor Ihrem geplanten Ruhestand die Unternehmensnachfolge auf die Agenda setzen. Dabei bieten sich grundsätzlich zwei Optionen: die interne oder externe Nachfolge. Und obwohl viele Familienunternehmer die externe Nachfolge gerne ausschließen, haben beide Varianten Vor- und Nachteile.

Interne Nachfolge: Nichts zwingend Familienangelegenheit

Der einfachste Fall: In Ihrer Familie findet sich jemand, der Interesse an der Unternehmensnachfolge hat und dafür zudem die persönliche und fachliche Eignung mitbringt. Dann muss nur noch das Wie des Generationswechsels organisiert werden. Denn sowohl Senior- wie Junior-Chef müssen gut in ihre neuen Rollen finden.

Doch häufig sieht die Realität anders aus. Entweder Sie sind kinderlos oder aber Ihr Nachwuchs hat kein Interesse in das Familiengeschäft einzusteigen. In dem Fall bietet sich als interne Lösung auch ein Management Buy-outs  an, also der Unternehmensverkauf an ein Mitglied der Geschäftsführung oder eine andere Führungskraft an, der Sie vertrauen.

Ist in der aktuellen Familiengeneration noch kein Nachfolger vorhanden, dann können Sie das Unternehmen auch erst mal in Familienbesitz belassen. Bis sich in der kommenden Generation ein Nachfolger findet, kann ein externer Geschäftsführer das Management übernehmen.

Vorteile:

Der große Vorteil von internen Lösungen: Das Lebenswerk bleibt in der Familie oder zumindest wird es in vertraute Hände übergeben. Als Unternehmer können Sie ihr über viele Jahrzehnte aufgebautes Knowhow direkt weitergeben.

Die Leitung des eigenen Unternehmens abzugeben, markiert das Ende eines Lebensabschnitts. Sich von heute auf morgen umzustellen und im neuen Leben ohne Unternehmensverantwortung einzufinden, ist nicht immer einfach. Bleibt der Betrieb im familiären Kreis, ist es leichter Abschied zu nehmen und vor allem ist auch ein sukzessiver Rückzug eher möglich. Bei Bedarf stehen Sie Ihrem Nachfolger noch zur Seite, bleiben jedoch zunehmend im Hintergrund.

Die Geschäftsführung profitiert dadurch von Kontinuität. Gleichzeitig bleibt das Vertrauen von Geschäftspartnern und Kunden bestehen und das Unternehmen kann ohne wirtschaftliche Turbulenzen in die nächste Generation übergeben werden.

Nachteile:

So wünschenswert es auch ist, das Unternehmen in der Familie zu halten, birgt diese Lösung auch Zündstoff. Gerade zwischen Eltern und Kindern kann es zu Konflikten kommen, wenn der Senior nicht bereit ist, loszulassen und die neuen Vorstellungen des Juniors zu akzeptieren. Hier ist es hilfreich, sich in der Übergabephase von externen Beratern oder einem Mediator begleiten zu lassen.

Auch steuerrechtlich ist bei familieninternen Übergaben eine Beratung notwendig, um das Vermögen nicht unnötig durch Steuern zu belasten, sondern eine möglichst steuerschonende Regelung zu finden.

Vor allem im Fall des Management Buy-outs besteht zudem die Gefahr, dass das Unternehmen keine innovativen Impulse von außen erhält, die für seinen langfristigen Erfolg am Markt notwendig wären, sondern der eingeschlagene Kurs mit einer gewissen Betriebsblindheit fortgesetzt wird. Aus diesem Grund ist es ratsam, Familienmitglieder vor der Übernahme auch in anderen Betrieben Erfahrungen sammeln zu lassen.

Externe Nachfolge: Klarer Abschluss und Prävention vor Konflikten

Wenn sich im Familienkreis kein Nachfolger findet oder Sie Streitigkeiten vermeiden wollen und auch ein Management Buy-out nicht in Frage kommt, bietet sich ein Verkauf an. Auch der Gang an die Börse kann in dem Zusammenhang sinnvoll sein.

Als externe Käufer kommen sowohl Geschäftspartner als auch Wettbewerber, aber auch externe Managementteams (Management Buy-Ins) und Beteiligungsgesellschaften in Frage.

Vorteile externe Unternehmensnachfolge

Wenn Sie mehrere Kinder haben, können Sie den Verkauf des eigenen Unternehmens als vorgezogene Erbschaft betrachten. Um Konflikte im Erbfall zu vermeiden, verteilen Sie den Verkaufserlös abzüglich Ihres eigenen Anteils zu Lebzeiten gleichmäßig auf Ihre Kinder. Je nach Marktsituation kann dies sogar der finanziell lohnendste Weg sein.

Externe Geschäftsführer bringen innovative Ideen und neues Kapital. Zwar gehört Ihnen das Unternehmen mit dem Verkauf nicht mehr, aber gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten kann diese Lösung überhaupt einen Weiterbestand des Betriebs sichern.

Nachteile externe Unternehmensnachfolge

Häufig wird der erzielte Verkaufspreis subjektiv als zu niedrig eingeschätzt. Nach der jahrzehntelangen Arbeit, die Unternehmer in ihren Betrieb investiert haben, fühlen sie ihr Engagement finanziell nicht angemessen abgebildet.

Damit verbunden ist der emotionale Verlust, den ein Unternehmensverkauf mit sich bringt. Vielleicht hatte der Unternehmer zunächst noch die Hoffnung, einen Nachfolger im Familienkreis zu finden, muss jetzt aber Frieden finden, dass es dazu nicht gekommen ist.

Mit einer externen Nachfolgelösung ist zudem ein schrittweiser Rückzug oftmals schwieriger, der Wechsel fällt abrupter aus und der Einfluss auf den weiteren Unternehmenskurs geht endgültig verloren, anders als dies vielleicht im Familienkreis möglich ist.

Neben den emotionalen Problemfeldern existieren jedoch auch ganz konkrete praktische Nachteile: So können je nach steuerrechtlicher Konstellation im Vergleich zu einer internen Lösung finanzielle Nachteile entstehen.

Nicht zuletzt ist es ein langfristiger Prozess, einen geeigneten Käufer zu finden. Er erfordert eine kluge Strategie und ein gutes Timing, um am Ende mit einem zufriedenstellenden Ergebnis aus dem Verkauf zu gehen. Wer sich hier nicht von professioneller Seite beraten lässt, wird dies womöglich mit einem schlechten Verkaufspreis bezahlen.

Beratung zur Unternehmensnachfolge ist unerlässlich

In manchen Fällen ist die Entscheidung für oder gegen eine interne Nachfolge ganz klar. In anderen braucht es eine genauere Abwägung.

Eine Möglichkeit, um den Unternehmensbestand zu sichern, ist die Überführung in eine Stiftung, die einige zivil- und steuerrechtliche Vorteile bietet. Der Betrieb bleibt in diesem Fall im Familienbesitz, während externe Geschäftsführer das Management übernehmen. Familienangehörige bleiben auf diese Weise bezugsberechtigt und versorgt, können jedoch gezielt aus der Unternehmensnachfolge ausgeschlossen werden.

Egal für welche Variante Sie sich entscheiden, Sie sollten die Übergabe der Geschäfte und den Verkauf ausreichend vorbereiten. Es lohnt sich, hierfür auf externe Berater zurückzugreifen, vor allem beim Verkauf können spezialisierte M&A-Unternehmen eine hilfreiche Unterstützung sein.