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Unternehmerfamilie statt Familienunternehmen? Alternative Modelle der Unternehmensnachfolge

Unternehmens-Nachfolge

Unternehmerfamilie statt Familienunternehmen? Alternative Modelle der Unternehmensnachfolge

Unternehmerfamilien wurden viele Generationen lang mit ihren Familienunternehmen identifiziert, ob Otto oder Würth, Merck oder Henkel. Doch längst haben die meisten Unternehmerfamilien ein Konglomerat an Unternehmen geschaffen, nicht immer ausschließlich in den Branchen, wofür ihre Unternehmen ursprünglich in der Öffentlichkeit bekannt geworden sind.

Unternehmensnachfolger prägen die Zukunft von Familienunternehmen

Das Verständnis des Familienunternehmens hat sich in den vergangenen Jahren verändert und inzwischen tritt die unternehmerische Familie immer stärker in den Mittelpunkt. Deren Erfolg und Wohlstand basiert vor allem auf dem unternehmerischen Talent aller Familienmitglieder, die oft auch außerhalb des ursprünglichen Familienunternehmens mit innovativen Ideen und unternehmerischer Kraft überzeugen.

Das hat Auswirkungen auf die Unternehmensnachfolge, denn das Konzept der unternehmerischen Familie ermöglicht alternative Modelle für die nächste Generation. Eines davon ist die Geschichte über die Familienholding der Familie Beutler, in der ein Sohn Nachfolger wurde und ein zweiter mit Unterstützung des Vaters mit einem innovativen Produkt neu gegründet hat. Und es gibt weitere alternative Nachfolge-Modelle:

Die Nachfolgegeneration geht neue Wege – 2 Beispiele aus der Praxis

WERO & acáo: Medizinprodukte & Energydrinks

Wie die Geschichte der Beutler-Familie zeigt, kann eine Neugründung statt einer klassischen Nachfolgelösung sehr befruchtend sein, was Innovation, Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit von Familienunternehmen betrifft. Und wenn die vorige Generation mit Verständnis und Unterstützung reagiert, wird das Ganze zum Erfolg für die gesamte Familie.

Wie Kai Beutler stand und steht auch Unternehmer Wolfram Michallik hinter seinem Sohn Florens Knorr, der 2013 als 24jähriger Student mit zwei Kommilitonen sein eigenes Unternehmen gründete, das er heute als Geschäftsführer leitet. Einige Jahre saß die Firma des Sohns sogar unter dem Dach des Familienunternehmens in Taunusstein-Neuhof, beratend und finanziell vom Vater unterstützt, bis zum Umzug ins nahe Wiesbaden.

„Es ist eine reine Ego-Frage, den eigenen Sohn als Nachfolger sehen zu wollen.“

Der Vater reagierte damals mit viel Verständnis, war er doch selbst erst sehr spät und anfangs nur zur Rettung der Firma ins Familienunternehmen eingestiegen, nachdem er vorher eine psychotherapeutische Praxis und ein Gesundheitszentrum betrieben hatte. Vater und Sohn im selben Unternehmen, so seine Erfahrung, hat in seiner Familie seit Generationen nicht funktioniert. Abseits persönlicher Belange ging es ihm stattdessen stets um die Firma der Familie, WERO, einen spezialisierten Medizinproduktehersteller mit 260 Mitarbeitern, davon 120 im deutschlandweiten Außendienst.

Als Gesellschafter-Geschäftsführer des Familienunternehmens konnte er sich deshalb perspektivisch auch eine Fremdgeschäftsführung vorstellen. Wichtiger waren für ihn kompetente Gesellschafter in der Familie, die über ihre Rolle auf strategisch bedeutsame Entscheidungen Einfluss nehmen. Wohl deshalb hatte Michallik keinerlei Druck, den Sohn als Nachfolger aufzubauen.

Junior wird zum Start-Up-Gründer

Das Start-up des Sohnes und seiner beiden Kommilitonen, aus einer eher fixen Idee auf der Suche nach weniger überzuckerten Energydrinks geboren, hat sich inzwischen am Markt etabliert und vertreibt neben acáo, dem veganen Bio-Erfrischungs-Drink mit natürlichem Koffein aus Guaraná weitere gesunde Dinge wie isotonische Sportgetränke, Backwaren zum Aufbacken und Fertiggerichte sowie vegane Joghurts, alles in Bio-Qualität.

Und: „Jeden Tag werden fleißig neue innovative Produkte aus dem Food und Getränkebereich entwickelt, um die Regale dieser Welt gesünder und nachhaltiger zu machen!“ Alles bei einer Unternehmenskultur, die statt von Hierarchien und Konkurrenzdruck, sondern von Freundschaft und Spaß an der Arbeit geprägt ist.

Dem Familienunternehmen WERO bleibt Florens Knorr trotzdem eng verbunden. So vertritt er im Beirat die Interessen der Gesellschafter gegenüber der Geschäftsführung und ist außerdem Geschäftsführer einer Gesellschaft, mit der sich die Familie mit WERO-Gewinnen an ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltigen Start-ups beteiligt. Beteiligungen, die sich zwar rechnen, gleichzeitig aber einen Nutzen für die Gesellschaft stiften sollen.

Viessmann: Heizungs- und Klimatechnik mit digitaler Zukunft

Die Geschichte von Max Viessmann unterscheidet sich von der von Florens Knorr dadurch, dass er nach Tätigkeiten als Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group in München und Shanghai sowie als erfolgreicher Business Angel und Start-up-Investor inzwischen als Nachfolger das Familienunternehmen führt.

Verantwortung im elterlichen Unternehmen zu übernehmen, das konnte sich bereits der 18jährige Abiturient vorstellen. Aber erst acht Jahre später bittet ihn der Vater, der die großen Möglichkeiten der Digitalisierung früher als viele andere Mittelständler erkannt hatte, die digitale Transformation der Firma als Chief Digital Officer zu begleiten, vorerst nur für ein halbes Jahr.

Doch das Unternehmen lässt den Sohn nicht wieder los. Zum hundertsten Geburtstag, 2017, kommt es neben den operativen Geschäftsbereichen zur Gründung der Digitaleinheit VC/O, die zwei Risikokapitalgeber, einen Company Builder sowie die offene Mittelstandsplattform „Maschinenraum“ beinhaltet. Eine neue Generation hält Einzug. Während der Vater in den Verwaltungsrat wechselt, um sich künftig verstärkt strategischen Aufgaben zu widmen, wird der Sohn 2017 Co-CEO der Family-Holding. 2019 übernimmt er zusätzlich die Leitung des größten Geschäftsbereichs Klimalösungen. Eine Nachfolge durch die vierte Generation, die man wohl als sehr gelungen bezeichnen kann.

Fazit: Die Chancen sehen!

Alle drei Geschichten zeigen, dass es nicht das Ende einer Unternehmerfamilie bedeutet, wenn die nächste Generation nicht sofort ins Familienunternehmen einsteigt, sondern eigene Erfahrungen sammelt oder sogar ein eigenes Unternehmen gründet. Es ist vielmehr eine Chance: der Nachwuchs kann echte unternehmerische Verantwortung übernehmen und damit seine Fach- und Branchenkenntnisse erweitern sowie seine unternehmerischen Fähigkeiten schulen.

Die Familie dagegen sollte eigene Wege und eigenständiges Unternehmertum ebenfalls als Chance statt Bedrohung sehen, mit entsprechenden Synergieeffekten für Themen wie Nachhaltigkeit, Innovation und Digitalisierung.

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