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Vom Family Office zur Familien-Holding: Die Unternehmensnachfolge bei Beutler Verpackungen ist vorbereitet

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Unternehmensnachfolge Geschichte Beutler

Wer in einer Unternehmerfamilie und mit einem Familienunternehmen aufwächst, der wird Unternehmer und führt die Firma fort. So war das sehr lange Zeit und so ist es schon länger nicht mehr. Durchschnittlich nur noch knapp 40 Prozent der Nachfolgen finden innerhalb der Familie statt, im Jahr 2019 sank der Wert sogar auf 34 Prozent, wie die KfW in ihrem Nachfolge-Monitoring 2020 feststellte. Grund ist, dass die derzeit scheidende Unternehmergeneration weniger Kinder als ihre Vorgänger hat und deren Bildungs- und Berufswege immer stärker durch individuelle Interessen und weniger durch die elterliche Firma bestimmt werden. Denn die persönliche Selbstverwirklichung wird für die Nachfolge-Generation immer wichtiger, während gleichzeitig der Wunsch besteht, das Familienunternehmen fortzuführen.

Unternehmensnachfolge Geschichte Beutler

Familieninterne Unternehmensnachfolgen bergen zudem ein paar Fallstricke und noch mehr Herausforderungen. Denn nur weil es die eigenen Nachkommen sind, müssen sie nicht die beste Nachfolgerwahl darstellen. Und wenn dann die Qualifikationen stimmen, fehlt eventuell der Rückhalt in der Familie. Nachfolgen in der Familie können zudem manchmal hochemotionale Prozesse sein, sie sollten auf jeden Fall gut geplant und rechtzeitig angegangen werden.

Mit einem Family Office die Nachfolge vorbereiten

Was Planung und Langfristigkeit betrifft, hat der Unternehmer Kai Beutler wohl alles richtig gemacht. Auch die individuellen Interessen seiner Kinder fanden Berücksichtigung und wurden kein Hinderungsgrund für einen erfolgreichen Generationswechsel.

1896 von Kai Beutlers Urgroßvater als Druckerei und Kartonagenfabrik gegründet, entwirft, fertigt und konfektioniert das Familienunternehmen Beutler Verpackungssysteme heute Verpackungen wie Faltschachteln, Displays, 3-D-Mailings, Buchschuber, Trageverpackungen und Adventskalender.

2008/09, als der Inhaber Kai Beutler noch keine 50 Jahre alt war, riefen er und seine Frau Vera ein sogenanntes Family Office ins Leben. Mehrmals im Jahr luden sie in den kommenden Jahren die beiden Söhne Tim und Niclas ein, sich über den Familienbetrieb und dessen Strategien, über Investitionen und neue Produktfelder auszutauschen und weitreichendere Entscheidungen ab sofort gemeinsam zu treffen.

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In den ersten Jahren war noch ein Moderator dabei, denn Eltern und Söhne mussten in ihre neuen Rollen erst hineinwachsen und lernen, als gleichberechtigte Mitglieder des Family Offices zu agieren. Beide Söhne studierten noch, Tim Sportmanagement, Niclas BWL und Psychologie und im Master technische Logistik. Beide hatten damals ganz andere Lebenspläne und doch war es im Rückblick richtig, sie nicht nur mit jeweils zehn Prozent als vorgezogenes Erbe am Familienunternehmen zu beteiligen, sondern sie auch in die unternehmerischen Entscheidungen einzubeziehen.

Kai Beutler gibt heute gern zu, dass die zehn Prozent Unternehmensbeteiligung die Söhne motivieren sollten, trotz eigener Lebenspläne den Familienbetrieb im Auge zu behalten. Noch entscheidender aber war im Nachhinein, die Interessen und vor allem die Talente der Söhne auszuloten.

Eigene Erfahrungen machen und dann doch ins Familienunternehmen

Er und seine Frau ließen beiden Söhne alle Freiräume, ihre individuellen Lebensvorstellungen umzusetzen und eigene Erfahrungen zu machen. Bei Tim bedeutete dies der Profitennissport, wobei ihn die Eltern auch finanziell unterstützten, bei Niclas die Tätigkeit als Manager in Großunternehmen.

Tim erkannte innerhalb eines knappen Jahres, dass der Profisport ihm keine langfristige berufliche Perspektive bieten würde und trat deshalb im Jahr 2013 in die elterliche Firma ein. Heute führt der Zweiunddreißigjährige das Unternehmen in fünfter Generation als Geschäftsführer, noch gemeinsam mit dem Vater.

Niclas machte dagegen seine Erfahrungen in Unternehmen mit hundert-, ja tausendfach mehr Mitarbeitern als den 30 Beutler-Angestellten. Er lernte, dass Konzerne zwar vielfältige und spannende Tätigkeitsfelder bieten, jedoch im Vergleich zum elterlichen Familienbetrieb eben auch häufig lange Entscheidungswege und manchmal recht beschränkte Möglichkeiten für den Einzelnen haben. So entschied er sich schließlich nach einigen Jahren doch für eine Mitarbeit an der Marke Beutler.

Es sollte allerdings nicht die Verpackungsproduktion, sondern etwas Eigenes sein. Das fanden Vater und Sohn auf einer Messe mit Faserformprodukten und seit April 2019 ist Niclas Geschäftsführer der Viaduct GmbH, einer Firma, die der Vater 1986 nach seinem Studium gründete. In dieser wurden bis dahin unter der Geschäftsführung von Vera Beutler-Gauglitz Werbemittel auf Papierbasis und nachhaltige Geschenkartikel hergestellt. 2019 kamen nachhaltige und recycelbare Faserformprodukte, Granulat und Papierspritzguss-Produkte dazu.

Vom Family Office zur Familienholding

Nachdem beide Söhne ihren Platz im Familienunternehmen gefunden hatten, ging Kai Beutler im vergangenen Jahr den nächsten Nachfolge-Schritt und gründete die Beutler-Holding GmbH, die Beteiligungen an den beiden Firmen der Familie und derzeit drei weiteren Unternehmen hält, an der die Familie mehrheitlich bzw. zu 50 Prozent beteiligt ist.

Die Holding GmbH führt er als Geschäftsführer und hält 25 Prozent der Anteile. Die restlichen 75 Prozent verteilen sich zu gleichen Teilen auf seine Frau und die beiden Söhne.

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Die Aufgabe einer Holding ist die Verwaltung, Finanzierung und Führung im Rahmen der entsprechenden Beteiligung. Die Tochtergesellschaften sind dabei rechtlich unabhängig. Hier will Kai Beutler auch nach seinem Rückzug aus dem operativen Geschäft weitermachen, seinen „Jungs den Rücken freihalten“ und ihnen als „Sparringpartner“ weiterhin zur Verfügung stehen. Versicherungen, Banken, Steuern… all die Dinge, die nicht zum unmittelbaren Tagesgeschäft gehören, wird die Holding, also er, dann erledigen.

Mit der Holding hat Kai Beutler nicht nur den beiden Söhnen ihre Verantwortungsbereiche festgeschrieben, bei denen sie sich im Tagesgeschäft nicht ins Gehege kommen, sondern auch sich selbst eine Aufgabe für den Ruhestand geschaffen. Denn er ist „Unternehmer und Unternehmer wollen immer etwas tun“.

Für diesen gelungenen Generationswechsel hat er, gemeinsam mit seiner Frau, viel Zeit und Energie aufgewendet und den Söhnen die Zeit gelassen, die sie brauchten. Im Gegensatz zum eigenen Vater, der ihm im letzten Jahr seines Studiums quasi die Pistole auf die Brust gesetzt und eine klare Zusage zum Eintritt in die Firma abgefordert hatte. Dem folgte ein recht schneller Übergang, nicht besonders stark begleitet – Erfahrungen, die Kai Beutler seinen Söhnen ersparen wollte.

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