Beschreibung im Lexikon

Solidaritätszuschlag

Solidaritätszuschlag: Die Zwangsabgabe richtig berechnen

Beim Solidaritätszuschlag handelt es sich um eine Zusatzabgabe, die jedem Arbeitnehmer im Rahmen der Entgeltabrechnung abgezogen wird. Auch auf andere Einkunftsarten wie Erträge aus Kapitalvermögen oder auf gewerblichen Gewinn wird der Zuschlag erhoben.

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Entwicklung des Solidaritätszuschlags

Der Solidaritätszuschlag wurde im Jahr 1991 eingeführt. Obwohl viele Menschen ihn ausschließlich mit der deutschen Wiedervereinigung und dem Aufbau der neuen Bundesländer in Verbindung bringen, wurde er aus anderen Gründen eingeführt. Konkret verfolgte die Regierung Kohl mit dem „Soli“ die Deckung der Kosten, die Deutschland nach dem Ende des Zweiten Golfkrieges übernommen hatte. Schließlich wurde er auch für die finanzielle Unterstützung anderer Staaten in Europa sowie tatsächlich für den Aufbau Ost genutzt.

Ursprünglich war die Zusatzabgabe auf ein Jahr befristet. Da die Kosten nach der Wiedervereinigung Deutschlands doch deutlich höher ausfielen als angenommen, wurde der Solidaritätszuschlag 1995 wiedereingeführt. Er betrug im ersten Jahr und von 1995 bis 1997 7,5 Prozent. Seit 1998 ist er auf 5,5 Prozent festgesetzt.

Pflicht zur Abgabe des Zuschlags

Auch wenn der Solidaritätszuschlag heute heftig umstritten ist, gilt weiterhin für jeden Deutschen, der durch seine Arbeit ein Einkommen erzielt, die Pflicht zur Abgabe. Eine Ausnahme gilt für Geringverdiener. Beträgt die Einkommensteuer pro Jahr höchstens 972 Euro (1.944 Euro bei Ehepaaren), so sind sie von der Zwangsabgabe befreit.

Berechnung des Solidaritätszuschlags

Der Solidaritätszuschlag beträgt 5,5 Prozent der zu zahlenden Einkommensteuer. Verdient ein lediger Arbeitnehmer beispielsweise einen Bruttomonatslohn in Höhe von 2.400 Euro, so zahlt er darauf 282,25 Euro Lohnsteuer. Davon 5,5 Prozent ergeben die zusätzliche Abgabe: 282,25 Euro x 5,5 Prozent = 15,52 Euro. Abgeführt wird der Betrag gemeinsam mit der Lohnsteuer an das Finanzamt.

Etwas komplizierter wird die Berechnung, wenn der Arbeitnehmer Kinderfreibeträge nutzen kann. Sie wirken sich insofern auf die Rechnung aus, als der Soli dann nicht auf Basis der tatsächlich abgerechneten Lohnsteuer berechnet wird, sondern anhand einer fiktiven Steuer.

Hinweis: Geringverdiener, die nur knapp über dem Freibetrag von 972 Euro liegen, zahlen zunächst einen ermäßigten Solidaritätszuschlag. Bis zu einer Lohnsteuerbelastung von 1.340 Euro steigt er schrittweise an, bis er schließlich 5,5 Prozent erreicht.

Die Zukunft des Solidaritätszuschlags

Der Soli gerät immer wieder in die Kritik. Gegenstand der politischen und wirtschaftlichen Diskussionen ist die Annahme, dass der Aufbau Ost nicht mehr durch Arbeitnehmergelder finanziert werden und der Solidaritätszuschlag nicht zur Dauerabgabe werden solle. Zudem steht die Frage im Raum, ob der Soli verfassungswidrig sein könnten. Entsprechende Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht hat es bereits gegeben und werden weiterverfolgt.

Immer wieder wird diskutiert, den Solidaritätszuschlag ab dem Jahr 2020 schrittweise abzuschaffen. Die monatliche Belastung würde dann bis zum Jahr 2030 jedes Jahr um 9,09 Prozent sinken (elf Raten). Ob diese Entwicklung tatsächlich eintreten wird, ist ein Politikum.

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