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Podcast #26| Wie die richtige Marketingstrategie für neuen Wind bei einem Küchenklassiker sorgte

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Unternehmensnachfolge

Podcast #26| Wie die richtige Marketingstrategie für neuen Wind bei einem Küchenklassiker sorgte

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Im aktuellen Podcast spreche ich mit dem Geschäftsführer des Traditionsunternehmens Römertopf, Frank Gentejohann. Im Juli 2017 hat der 57-Jährige die Unternehmensnachfolge in der Westerwälder Firma angetreten, nachdem er zuvor eine Zeit lang arbeitslos gewesen war. Seinen letzten Arbeitgeber, die Firma Silit, hatte ein amerikanischer Konzern aufgekauft. Frank Gentejohann war dort erfolgreich als Marketing- und Vertriebsleiter tätig – überhaupt liegt im Bereich Marketing seine absolute Stärke. Mit seiner Erfahrung in der Produkt-Vermarktung gelang es Gentejohann auch die „alte Tante Römertopf wieder jung und frisch“ zu machen.

Im aktuellen Podcast Nr. 26 geht es in meinem Gespräch mit Frank Gentejohann um die Themen:

  • Wie er gleich beim ersten Blind Date die richtige (Firma) fand
  • Wie die Finanzierung durch einen unkonventionellen Lösungsansatz funktionierte
  • Auf welche Weise er die Mitarbeiter motivierte, sich am Innovationsprozess zu beteiligen
  • Welche Fehler im Rückblick hätten vermieden werden können

Für meinen Gast begann der Einstieg in die Unternehmensnachfolge mit einer Annonce in einer Tageszeitung. Frank Gentejohann wurde beim Frühstück von seiner Frau auf die Anzeige aufmerksam gemacht. Es war darin lediglich angegeben, dass ein regionales Unternehmen aus der Sparte Haushaltswaren zum Verkauf stehe.

Beruflich suchte der Marketer nach neuen Herausforderungen – und fand die Sache so spannend, dass er sofort seine Bewerbungsunterlagen losschickte. Daraufhin erhielt er ein Dossier, das den Firmennamen enthüllte: „Ich bin bald hintenübergefallen, denn die Firma Römertopf ist 800 Meter von meinem Zuhause entfernt.“ Damit nicht genug – beim ersten Treffen mit dem damaligen Inhaber Otto Gatzke „stimmte die Chemie sofort“.

Die Finanzierung war ein monatelanger aufreibender Prozess

Ein Problem war die Finanzierung, da Frank Gentejohann nicht genügend Sicherheiten vorzuweisen hatte. Seinen Businessplan legte er verschiedenen Finanzinstituten vor, es ging dabei auch um ein Existenzgründungsdarlehen der KFW bzw. der Bürgschaftsbank Rheinland-Pfalz. Bei einem Treffen überschritt die gewünschte Summe die Darlehens-Höchstgrenze um einen Euro – und so setzte sich die aufreibende Suche nach Geldgebern über Monate fort. „Mir war aber von Anfang an klar: Das wird klappen, das kriege ich hin,“ sagt er.

Als Lösung kristallisierte sich schließlich heraus: Ein Freund steuerte 10 % bei und Alt-Eigentümer Otto Gatzke half mit einem privaten Darlehen aus. Denn er hatte sich für Frank Gentejohann als neuen Geschäftsführer sehr schnell entschieden, obgleich es viele andere Bewerber gab.

Bis zur Übernahme arbeitete er sich rasch in die Bereiche Produktion und Controlling ein

Ein weiterer positiver Aspekt: Der Einstieg in die Unternehmensnachfolge im Februar 2017 gestaltete sich problemlos und geschmeidig. Allerdings war die Firmen-Belegschaft anfangs über den Wechsel nicht informiert: „Ich wurde allen erst einmal als Unterstützung der Geschäftsleitung vorgestellt,“ so Frank Gentejohann. In den wenigen Monaten bis zur Übernahme habe er durch die Zusammenarbeit von der Erfahrung seines Vorgängers sehr profitiert – vor allem in den Bereichen Produktion und Controlling. Umgekehrt konnte er seine Kernkompetenz Marketing einbringen.

Ein Küchenklassiker mit großem Potenzial

Römertopf Keramik GmbH & Co. KG ist eine alteingesessene Traditionsmarke, die seit der Gründung in den 1960er-Jahren über 50 Millionen Ton-Bräter in die ganze Welt verkauft hat. Frank Gentejohann gibt zu: „Da war natürlich ein bisschen Staub drauf. Otto Gatzke hat keinen Marketing-Hintergrund und konnte deshalb die Marke nicht erneuern.“ Als frischgebackener Geschäftsführer erkannte er schnell, welch großes Potenzial die Marke innehat. Er setzte mit Veränderungen bei den Verpackungen an, der Auftritt im Netz wurde pfiffiger gestaltet inklusive eines Webshops, den es bislang nicht gab.

Zudem wurden die Mitarbeiter angeregt, selbst den Innovationsprozess mitzugestalten: „Meine Vorgabe war: Für jede Idee, die umgesetzt wird, kriegt ihr eine Prämie.“ Bald traute sich der erste mit einem Vorschlag vor, was folgte, war eine regelrechte „Innovationsflut“, wie Gentejohann es nennt.

Nach und nach wurde das Markenbild verändert:  Ziel war, gleichzeitig die klassischen Käufer und junge Neukunden anzusprechen.

Thema Nachhaltigkeit: Die Rohstoffe kommen alle aus der Region

Was würde er heute anders machen, wenn er die Chance hätte, noch einmal neu zu beginnen? Frank Gentejohann gesteht, einige Dinge zu lange hinausgezögert zu haben. Eine Mitarbeiterbefragung hätte zu einem früheren Zeitpunkt stattfinden müssen, um zu erkennen, was an manchen Stellen in der Firma falsch lief.

In den fünf Jahren, während der er Römertopf nun leitet, verzeichnete die Firma zweistellige Wachstumsraten. 

Sicher, Corona war zunächst fatal – in der ersten Zeit erkundigten sich die Banken, wie das Unternehmen seine Raten weiterzahlen wolle. Gentejohanns Argumentation war: Wenn die Restaurants geschlossen haben, müssen die Leute selbst kochen. Er behielt recht: Die Lager wurden leer gekauft.

Trotz der derzeitigen Energiekrise schaut er optimistisch in die Zukunft. Das Thema Nachhaltigkeit wird großgeschrieben: „Wir beziehen alle Materialien aus der Region und produzieren in Deutschland!“ Er ist sicher, dass die Kunden solche Aspekte auch künftig zu schätzen wissen.