Digitale Transformation

E-Rechnung und ViDA: Was mittelständische Unternehmen jetzt wissen müssen

Die E-Rechnung entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Baustein moderner Geschäftsprozesse. Strukturierte Rechnungsdaten ermöglichen schnellere Zahlungen, automatisierte Abläufe und neue Geschäftsmodelle. Branchenexperte Marcus Laube erklärt, warum Unternehmen frühzeitig auf die E-Rechnung setzen sollten.

9 Minuten zu lesen

Inhaltsverzeichnis

Durch strukturierte und maschinenlesbare Rechnungsdaten werden Rechnungen zukünftig zur Grundlage automatisierter Geschäftsprozesse. Unternehmen profitieren mit dem E-Invoicing von schnelleren Zahlungsabläufen, höherer Datenqualität und besseren Auswertungsmöglichkeiten. Gleichzeitig schaffen sie die Basis für eine engere Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern und die Integration in internationale Standards.

Trotzdem herrscht in vielen Organisationen noch Unsicherheit rund um die Umsetzung, Technik und den Nutzen der E-Rechnung B2B. Für Branchenexperten wie Marcus Laube steht jedoch fest: „Es kommt keiner an der E- Rechnungspflicht vorbei und jeder muss sie umsetzen. Das heißt: eigentlich je früher, desto besser.“ 

Die E-Rechnung ist somit kein isoliertes Digitalprojekt, sondern ein zentraler Baustein für die zukünftige Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Behörden und Finanzsystemen sowie für datengetriebene Unternehmensprozesse.

Unser Interviewpartner

Marcus Laube ist Gründer und Geschäftsführer von Billentis, einem global tätigen Unternehmen für elektronische Rechnungsstellung, Tax Compliance und die Automatisierung von Geschäftsprozessen. Zudem ist er Generalsekretär der Global Exchange Network Association (GENA) und arbeitete in internationalen E-Invoicing-Gremien, unter anderem im Umfeld der Europäischen Kommission, an der Weiterentwicklung digitaler Rechnungsstandards.

Die gesetzlichen Fristen für die E‑Rechnung
Ab 01.01.2025
Empfangspflicht für E‑Rechnungen für alle Unternehmen
Ab 01.01.2027
Versandpflicht für E‑Rechnungen für Unternehmen mit einem Umsatz über 800.000 Euro
Ab 01.01.2028
Versandpflicht für E‑Rechnungen für alle Unternehmen

Weitere Details zu den gesetzlichen Regelungen finden Sie auf der offiziellen Informationsseite des Bundesfinanzministeriums zur E‑Rechnung.

Wie verändert die E-Rechnung die Beziehungen zu Geschäftspartnern?

Statt Rechnungen als statische Dokumente auszutauschen, werden beim E-Invoicing strukturierte Daten übermittelt, die automatisch verarbeitet und mit weiteren Geschäftsprozessen verknüpft werden können. Das schafft effizientere Abläufe, mehr Transparenz und eine engere digitale Vernetzung mit Kunden, Lieferanten und Partnern. 

Die konkreten Auswirkungen der B2B E-Rechnung zeigen sich insbesondere in drei Bereichen:

  • beschleunigte Zahlungsprozesse
  • mehr Transparenz und Vertrauen
  • Integration ganzer Lieferketten

Diese Punkte bilden die Grundlage für stabile, zukunftssichere Geschäftsbeziehungen. Wer also frühzeitig auf E-Invoicing setzt, stärkt nicht nur die eigene Effizienz, sondern auch die Qualität der Zusammenarbeit mit den Geschäftspartnern und verschafft sich dadurch einen klaren Vorteil im Markt.

Beschleunigte Zahlungsprozesse als Wettbewerbsvorteil

E-Invoicing ermöglicht deutlich schnellere Zahlungen und verbessert die Liquidität. Durch automatisierte Prüf- und Freigabeprozesse verkürzen sich die Durchlaufzeiten zwischen Rechnungseingang und Zahlung um einige Tage, was nicht nur den eigenen Cashflow stärkt, sondern auch das Verhältnis zu Lieferanten und Kunden verbessert.

Unternehmen, die zuverlässig und pünktlich zahlen, werden als verlässliche Partner wahrgenommen. Zahlungszuverlässigkeit wird somit zunehmend zu einem strategischen Kriterium bei der Auswahl von Geschäftspartnern – besonders in globalen Lieferketten – sowie in der anschließenden Zusammenarbeit. Gleichzeitig erhöht sich dadurch die Planungssicherheit auf beiden Seiten.

 „Die größten Vorteile für kleine Unternehmen sind natürlich eine schnellere Bezahlung der Rechnung. Wir haben in Studien gesehen, dass eine elektronische Rechnung 5-7 Tage schneller bezahlt wird als eine Papier- oder PDF-Rechnung.“

marcus laube

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Mehr Transparenz und Vertrauen zwischen Geschäftspartnern

Strukturierte Rechnungsdaten machen die Inhalte einer Rechnung eindeutig nachvollziehbar – von der erbrachten Leistung über den Betrag bis hin zur zugrunde liegenden Bestellung. Das reduziert Interpretationsspielräume und minimiert den Abstimmungsaufwand, der bei herkömmlichen Papierrechnungen oder PDF-Dokumenten häufig noch anfällt.

Zudem erhöhen automatisierte Prüfprozesse die Datenqualität und verringern Fehlerquellen. Das schafft nicht nur Effizienz, sondern auch Vertrauen in die Zusammenarbeit. Je klarer und verlässlicher die Abläufe sind, desto professioneller und stabiler entwickeln sich langfristige Geschäftsbeziehungen.

Integration ganzer Lieferketten durch standardisierten Datenaustausch

Unternehmen profitieren von automatisierten Beschaffungs- und Logistikprozessen, die flexibler und skalierbarer sind, weil E-Invoicing durchgängige, digitale Workflows entlang der gesamten Lieferkette überhaupt erst ermöglicht. Rechnungen können direkt mit Bestellungen, Lieferscheinen und Zahlungsvorgängen verknüpft werden, ganz ohne Medienbrüche. Das steigert die Prozessqualität und reduziert manuelle Eingriffe. 

Gleichzeitig entsteht ein digitaler Datenfluss zwischen allen Beteiligten, der die Grundlage für stärker vernetzte Ökosysteme bildet und die Zusammenarbeit innerhalb komplexer Lieferketten nachhaltig verbessert.

Welche Rolle spielt Deutschland mit der E-Rechnung im internationalen Kontext?

Deutschland nimmt im europäischen Vergleich eine Vorreiterrolle ein. Mit der Einführung der E-Rechnungspflicht im B2B-Bereich ab dem 01.01.2025 setzt die Bundesrepublik als eines der ersten Länder verbindliche Vorgaben für alle Unternehmensgrößen um. Während viele europäische Staaten die E-Rechnung bislang nur im B2G-Bereich vorschreiben und erst ab 2026 nach und nach einführen, folgt Deutschland damit frühzeitig dem europäischen Ziel einer flächendeckenden Digitalisierung von Geschäftsprozessen.

Allerdings entwickeln viele Länder auf Basis der EU-Norm 16931 eigene nationale Systeme – etwa Polen mit KSeF, Italien mit FatturaPA oder Frankreich mit den Formaten UBL und CII. Dies führt unweigerlich zu einer Fragmentierung im Bereich der E-Rechnung, die es bei grenzüberschreitenden Geschäften zu beachten gilt. Eine Ausnahme bildet die deutsch-französische Zusammenarbeit rund um das hybride Format ZUGFeRD bzw. Factur-X.

Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel zur E-Rechnung in der Europäischen Union.

Wie hängt die E-Rechnung mit ViDA zusammen?

Die E-Rechnung bildet die technologische Grundlage für das geplante EU-weite Tax-Reporting-System im Rahmen von ViDA (VAT in the Digital Age). Ziel dieser Initiative ist es, die Mehrwertsteuerprozesse in der EU zu modernisieren und transparenter zu gestalten. Ein zentraler Bestandteil: Die Einführung digitaler Meldepflichten und elektronischer Rechnungsstellung bei grenzüberschreitenden B2B-Geschäften.

„Im Zuge der europäischen Verordnung ViDA (VAT in the Digital Age) wird auch ein sogenanntes Tax-Reporting-System kommen. Das heißt, ich muss auch diese Daten oder einen Teil der Daten der E-Rechnung an die Finanzverwaltung kommunizieren.“

Marcus laube

Mit ViDA sollen künftig ausgewählte Rechnungsdaten automatisiert an die Finanzbehörden übermittelt werden, um der Steuerhinterziehung effektiv zu begegnen und Steuerausfälle zu verhindern. Die strukturierte E-Rechnung ist dafür der erste notwendige Schritt – sie stellt sicher, dass relevante Informationen maschinenlesbar, standardisiert und rechtssicher bereitstehen.

Langfristig ist geplant, dass die ViDA-Vorgaben in allen EU-Staaten schrittweise umgesetzt werden, zusammen mit weiteren Maßnahmen wie der Mehrwertsteuerregistrierung (VAT Registration) und der Integration der Plattformwirtschaft (Platform Economy).
Mehr zu diesem Thema lesen Sie in unserem Artikel zur EU-Mehrwertsteuerrichtlinie ViDA.

Welche Rolle spielen Organisationen wie GENA bei E-Invoicing?

Neben regulatorischen Initiativen spielen auch Organisationen wie GENA (Global Exchange Network Association) eine zentrale Rolle bei der internationalen Standardisierung und Weiterentwicklung der elektronischen Rechnungsstellung. Als globaler Branchenverband bringt GENA Unternehmen, Service Provider, Institutionen und Gesetzgeber zusammen, mit dem Ziel, E-Invoicing weltweit interoperabel, effizient und zukunftsfähig zu gestalten.

Die Arbeit von GENA stützt sich auf drei Kernbereiche:

  • Einfluss: GENA vertritt die Interessen der Branche gegenüber Regierungen und Institutionen und bringt sich aktiv in die öffentliche Agenda zu Steuereffizienz, Umwelteffizienz und sozialer Verantwortung ein.
  • Information: Die Organisation fungiert als Wissensplattform für E-Invoicing mithilfe von Studien, Whitepaper, News und Bildungsangebote.
  • Interaktion: GENA fördert Interoperabilität, Austausch und Zusammenarbeit durch gemeinsame Standards und regelmäßige Treffen der Mitglieder.

Damit schafft GENA wichtige Grundlagen für die internationale Zusammenarbeit im Bereich E-Rechnung, insbesondere mit Blick auf ViDA, Compliance und digitale Transformation.

Welche neuen Geschäftsmodelle und Datenanalysen werden durch die E-Rechnung möglich?

Durch die Einführung strukturierter Rechnungsdaten wird die E-Rechnung für B2B zum Treiber für neue digitale Geschäftsmodelle, automatisierte Auswertungen und intelligente Finanzprozesse. Unternehmen gewinnen dadurch nicht nur Effizienz, sondern auch neue strategische Möglichkeiten in den Bereichen Datenanalyse, Finanzierung und Sicherheit.

Beispiele für neue Potenziale durch E-Invoicing:

  • KI-gestützte Analysen und Prognosen: Strukturierte Rechnungsdaten bilden die Grundlage für den Einsatz von KI – etwa zur automatisierten Analyse von Zahlungsströmen, zur Mustererkennung bei den Ausgaben oder zur Vorhersage von Liquiditätsengpässen. Gleichzeitig werden nachgelagerte Prozesse beschleunigt.
  • Neue Finanzierungsmodelle: E-Rechnungen ermöglichen künftig neue Wege der Liquiditätssteuerung. Marcus Laube ist sich im Interview sicher, dass es in Zukunft sicher auch die Möglichkeit geben wird, E-Rechnungen auch noch zu finanzieren und damit zusätzliche Liquidität zu generieren.

Höhere Sicherheit und Betrugsprävention: Durch automatisierte Datenvergleiche – etwa mit im System hinterlegten Bankverbindungen, Absenderinformationen oder typischen Rechnungsbeträgen – lassen sich Auffälligkeiten schneller erkennen. Das reduziert das Risiko gefälschter Rechnungen deutlich.

„Also da gibt es ganz viele Möglichkeiten, um solche Fake-Rechnungen dann auch zu vermeiden und [ich] würde in Summe sagen, dass die Sicherheit bei elektronischen Rechnungen deutlich höher ist als bei Papier- oder PDF-Rechnungen.“

Marcus laube

Fazit: Die E-Rechnung als strategischer Vorteil für den Mittelstand

Die E-Rechnung ist mehr als eine gesetzliche Pflicht. Mit der E-Rechnungspflicht ab 2025 beginnt für den Mittelstand der Übergang zu einem datengetriebenen Rechnungswesen. Ob XRechnung für den öffentlichen Sektor oder ZUGFeRD für die hybride Nutzung – beide Formate der E-Rechnung machen Geschäftsbeziehungen effizienter, ermöglichen neue Finanzierungsmodelle und schaffen die Grundlage für automatisierte Prozesse.

Mittelständische Unternehmen, die frühzeitig auf die E-Rechnung setzen, sichern sich Wettbewerbsvorteile. Die elektronische Rechnungsstellung verbessert die Liquidität, erhöht die Transparenz und bereitet den Mittelstand optimal auf die kommenden ViDA-Anforderungen vor. Mit ViDA wird das Tax-Reporting zur Realität – wer bereits mit XRechnung oder ZUGFeRD arbeitet, ist für diese Entwicklung bestens gerüstet.

Die E-Rechnung im B2B-Bereich ist ein zentraler Baustein der digitalen Wirtschaft – national wie international. Wer jetzt mit der E-Rechnung startet, positioniert mittelständische Unternehmen als digital anschlussfähig im europäischen Markt und profitiert von den strategischen Vorteilen der elektronischen Rechnungsstellung.

Ich kann gerade kleinen Unternehmen und mittelständischen nur raten, schon jetzt zu starten mit der Umsetzung, weil es einfach die Zeit gibt, sich mit den Prozessen auseinanderzusetzen.“

Marcus laube

Frühzeitiges Handeln schafft nicht nur Effizienz, sondern auch Vertrauen bei Kunden, Partnern und Behörden, und positioniert Unternehmen als digital anschlussfähig im europäischen Markt.

Möchten Sie die Einschätzungen von Marcus Laube direkt aus erster Hand hören? Sehen Sie sich das vollständige Interview an und erfahren Sie, welche strategischen Chancen E-Invoicing für Unternehmen eröffnet.

Häufig gestellte Fragen zur E-Rechnung

Wer ist zur E-Rechnung verpflichtet? Ab 2027 müssen Unternehmen mit einem Jahresumsatz über 800.000 Euro E-Rechnungen erstellen. Ab 2028 gilt die E-Rechnungspflicht für alle Unternehmen im B2B-Bereich.

Was ist der Unterschied zwischen E-Rechnung und PDF-Rechnung? Eine PDF-Rechnung ist ein visuelles Dokument ohne strukturierte Daten. Die E-Rechnung enthält maschinenlesbare Rechnungsdaten im Format XRechnung oder ZUGFeRD, die automatisch verarbeitet werden können.

Gilt die E-Rechnungspflicht auch für Kleinunternehmer? Ja, auch Kleinunternehmer müssen ab 2025 E-Rechnungen empfangen können und ab 2028 E-Rechnungen versenden, wenn sie im B2B-Bereich tätig sind.

Wie hängen E-Rechnung und ViDA zusammen? Die E-Rechnung bildet die technische Grundlage für ViDA (VAT in the Digital Age). Mit ViDA werden Rechnungsdaten aus der E-Rechnung künftig automatisiert an Finanzbehörden übermittelt.

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