Beschreibung im Lexikon

Kleinunternehmer

Kleinunternehmer: Selbstständigkeit mit vereinfachten Regeln

Optieren Gewerbetreibende oder Freiberufler als Kleinunternehmer, so müssen sie auf ihren Rechnungen keine Umsatzsteuer ausweisen und profitieren von weiteren Vorteilen. Allerdings eignet sich die Kleinunternehmerregelung nicht für jedes Geschäft.

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Umsatzgrenzen nach § 19 UStG: die Voraussetzungen

Wer von den Erleichterungen des § 19 UStG profitieren möchte, darf die folgenden Umsatzgrenzen nicht überschreiten:

  • Voraussetzung 1: Umsatz im vorangegangenen Kalenderjahr nicht mehr als 17.500 Euro
  • Voraussetzung 2: Umsatz im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich nicht mehr als 50.000 Euro

Beide Bedingungen müssen erfüllt sein, damit Unternehmer als Kleinunternehmer auftreten dürfen.

Sonderfall: Im ersten Jahr der unternehmerischen Tätigkeit muss der Betrag von 17.500 Euro gegebenenfalls anteilig gekürzt werden, sofern während des laufenden Jahres gegründet wurde. Erfolgt die Gründung zum Beispiel zum 1. August, so beträgt die Umsatzgrenze für dieses Jahr 17.500 Euro / 12 Monate x 5 Monate = 7.291,67 Euro.

Überschreiten der Umsatzgrenzen: Pflicht zur Regelbesteuerung?

Werden die Umsatzgrenzen überschritten, kann dies die Regelbesteuerung zur Folge haben. Zu unterscheiden sind diese Fälle:

Umsatz 1. Jahr Umsatz 2. Jahr Folge
< 17.500 Euro < 17.500 Euro weiterhin Kleinunternehmer
< 17.500 Euro < 50.000 Euro Kleinunternehmer im 2. Jahr, Regelbesteuerung ab dem 3. Jahr
< 17.500 Euro > 50.000 Euro Regelbesteuerung ab dem 2. Jahr
> 17.500 Euro < 17.500 Euro Regelbesteuerung ab dem 1. Jahr

Die Umsatzgrenzen können jedes Jahr wieder aufs Neue betrachtet werden. Auch später ist der Wechsel zurück auf die Kleinunternehmerregelung möglich, wenn beide Voraussetzungen erfüllt sind.

Achtung: Das Finanzamt informiert den Betroffenen nicht über den erforderlichen Wechsel zur Regelbesteuerung. Der Kleinunternehmer muss die Grenzen selbst im Blick behalten und rechtzeitig damit beginnen, Umsatzsteuer auszuweisen. Wenn die Umsatzsteuerpflicht eintritt und weiterhin Rechnungen ohne ausgewiesene Umsatzsteuer ausgestellt werden, schuldet der Unternehmer sie dennoch. Während sich die Rechnungen bei umsatzsteuerpflichtigen Unternehmern nachträglich ändern lassen, ist dies bei privaten Endkunden nicht möglich.

Wie man Kleinunternehmer wird

Im Rahmen der Existenzgründung füllt jeder Unternehmer den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung aus. In diesem Formular lässt sich die Option zur Kleinunternehmerregelung wählen. Verzichtet er darauf, Kleinunternehmer zu sein, ist er an diese Entscheidung für fünf Jahre gebunden. Erst ab dem sechsten Jahr der unternehmerischen Tätigkeit ist der Wechsel dann möglich.

Für wen sich die Kleinunternehmerregelung lohnt

Die Kleinunternehmerregelung lohnt sich meistens nicht, wenn der Unternehmer im Vollerwerb tätig sein will: Der geringe Umsatz (!) von 17.500 Euro pro Jahr dürfte nicht ausreichend sein, um für seine Familie zu sorgen. Auch bei hohen Anfangsinvestitionen sollte sie keine Option sein, da dadurch der wertvolle Vorsteuerabzug verloren geht. Handelt es sich bei den Kunden um Geschäftsleute, die selbst zum Vorsteuerabzug berechtigt sind, bringt die Kleinunternehmerregelung keinerlei Vorteile.

Anders sieht es hingegen im Privatkunden-Geschäft aus: Der Kleinunternehmer hat hier gegenüber den Wettbewerbern einen Vorteil. Ohne Umsatzsteuerausweis kann er preisgünstiger anbieten. Die Kleinunternehmerregelung lohnt sich insbesondere, wenn mehrere dieser Faktoren zusammenkommen:

  • Dauerhafte Umsätze, mit denen die Voraussetzungen der Kleinunternehmerregelung erfüllt sind
  • Keine hohen Investitionen zu Beginn der Tätigkeit
  • Überwiegend Privatkunden

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