Made in Germany ist wieder in – dank Digitalisierung

Vor · 2 Minuten zu lesen

von Alfred Rinaldi

Die Vorteile der Digitalisierung liegen auf der Hand – wer würde schon gerne seine Plattensammlung auf dem Rücken schleppen, wenn er sie per Handy streamen kann? Auch bei der Buchhaltung bewirken digitale, cloud-basierte Anwendungen wie Sage Live einen spürbaren Anstieg der Effizienz, Transparenz und Produktivität. Sind diese Vorteile letzten Endes Jobkiller, wie oft geargwöhnt wird? Keineswegs, so der Verein deutscher Ingenieure (VDI). Laut einer von dem Verein in Auftrag gegebenen Studie der Hochschule Karlsruhe und des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI sind es gerade digitalisierte Unternehmen, die ihre Produktion aus dem Ausland nach Deutschland zurück verlagern. Hierbei stammten im erfassten Zeitraum – dem Jahr 2015 – 32% der Rückverlagerungen aus der alten „Kern-EU“ (EU15) und stolze 16% aus Nordamerika. Auch von Unternehmensseite, die längst Vorreiter der Digitalisierung sind, wird die Angst vor menschenleeren Firmen und Fabriken genommen. Die Arbeit der Menschen wird sich einmal mehr wandeln. Mitarbeiter kommen zunehmend Steuerungsfunktionen der komplexen, vernetzten Systeme zu.

Was in der Studie besonders ins Auge fällt ist, dass die in der Digitalisierung fortgeschrittene Betriebe verlagern zehnmal häufiger die Produktion nach Deutschland zurück als Betriebe, die in der Produktion keine Digitalisierungstechnologien nutzen. Es ist also gerade die Digitalisierung, die in Deutschland neue Arbeitsplätze schafft.

Made in Germany wird wieder in Dank Digitalisierung. Woran liegt das? Der Autor der Studie, Prof. Dr. Steffen Kinkel, sieht hierfür zwei Erklärungen: „Erstens bietet der Einsatz von Digitalisierungstechnologien eine erhöhte Flexibilität und Fähigkeit für eine individualisierte, kundenorientierte Produktion, die heutzutage immer wichtiger wird und für die Belieferung auch eine räumliche Nähe zum Kunden erfordert. Zweitens führt ihr Einsatz zu einer erhöhten Automatisierung und Produktivität des deutschen Produktionsstandorts, so dass der Lohnkostenanteil niedriger wird.“

Nicht nur das: In der Digitalisierung fortgeschrittene Unternehmen weisen eine um 27 Prozent höhere Arbeitsproduktivität auf als Nichtnutzer. „Wenn alle Industrieunternehmen in Deutschland mindestens zwei oder drei Digitalisierungstechnologien einsetzen, würden wir Produktivitätssteigerungen in Höhe von etwa acht Milliarden Euro erzielen“, erklärt VDI-Direktor Ralph Appel.

Dass die Digitalisierung auf breiter Fläche kommt, ist unausweichlich. Fragt sich nur, ob man ganz vorne mitmischt und so den first-mover-advantage nutzt oder dem Trend hinterherrennt. Wie heißt es so schön? Den letzten beißen die Hunde.

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