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Podcast #9 | Unternehmensnachfolge im Familienbetrieb – Jungwinzerin Carolin Weiler setzt sich durch

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Eine Unternehmensnachfolge mit Hindernissen  

Beim Generationswechsel in Familienunternehmen kann es auch mal hoch her gehen. In dieser Podcast-Folge unseres #SageNachfolgePlaners haben wir Carolin Weiler vom Weingut Weiler (Link: https://www.weingut-weiler.de/aus Lorch im Rheingau zu Gast.  Alle Widerstände konnten sie nicht aufhalten, die Nachfolge im elterlichen Betrieb anzutreten. Im Podcast gibt sie uns Einblicke in ihre ganz persönliche Nachfolgegeschichte und spricht über 

  • eine Familiennachfolge mit Hindernissen  
  • wie es ist, als Frau in eine traditionelle Männerwelt einzusteigen 
  • ihre Tipps, wie man mit Generationenkonflikten umgeht 
  • Personal Branding als Erfolgsfaktor für Unternehmensnachfolger 
  • was sie unter Networking versteht 
  • und natürlich über ihr Kernprodukt: Wein und ihren ganz persönlichen Weinstil 

Konfliktpotential bei der Familiennachfolge: „Frauen können das nicht 

Carolin Weiler ist Jungwinzerin im elterlichen Weingut in Lorch am RheinBereits nach dem Real-Schulabschluss interessierte sie sich für Weinbau. Damals hieß es: Nein, einer deiner Brüder wird den Betrieb übernehmenMach du doch was Soziales, du kannst doch gut mit Menschen.“ Sie ließ sich damals zu einer Ausbildung als Erzieherin überreden. Trotzdem schwebte immer noch „du wolltest doch immer schon was mit Wein machen“ in ihrem Kopf. Nach abgeschlossener Ausbildung erklärte sie ihrem Vater, dass sie nach wie vor in das elterliche Weingut einsteigen wollte. „Du spinnst, wie kannst du das nur machen“ war die Reaktion. Ein zentraler Punkt ihres Vaters: die Arbeit im Weinberg ist Männersache, ein viel zu anstrengender Beruf für Frauen 

Frauen als Nachfolgerin sind immer noch keine Selbstverständlichkeit 

Leider ist diese Vorstellung in vielen Familienunternehmen auch heute ein Thema. Bei Nachfolgen innerhalb der Familie sind Töchter immer noch deutlich in der Minderheit. Schätzungen gehen davon aus, dass Frauen bei nur jeder zehnten familieninternen Betriebsübergabe die Nachfolge antreten. Etwas besser sieht es aus, wenn die Firma an einen Nachfolger von außen verkauft wirdhier liegt der Anteil der Frauen mit 20% immerhin doppelt so hoch. Anhand dieser Zahlen kann man sich leicht vorstellen, dass die zu überwindenden Widerstände für Frauen hoch sind. Carolin Weiler hat es selbst erlebt. Sie erfuhr zunächst durchweg negative Reaktionen: die Familie und insbesondere der Vater fand es befremdlich, dass eine Frau den Betrieb übernehmen wollteSie entschloss sich trotzdem, das Abitur nachzuholen und Weinbau an der renommierten Hochschule im hessischen Geisenheim zu studieren 

Erfolgreiche Winzerinnen geben Kraft und Motivation für den eigenen Weg als Nachfolgerin 

„Es ist wirklich nicht einfach, wenn man so viel Gegenwind bekommt. Man fragt sich, bin ich nichts wert, bin ich anders als ein Mann, kann ich weniger Arbeiten als ein Mann. Natürlich kann ich körperlich weniger arbeiten als ein Mann. Aber wer gibt einem das Recht zu sagendass Frauen das nicht schaffen, was Männer eben auch können.“ erklärt uns Carolin Weiler.  

Ihre Kraft und Motivation holt sie sich deswegen von anderen Winzer-Kolleginnen, die bereits ihren Weg gegangen und in der Wein-Szene extrem erfolgreich sindAber auch Erfahrungen von männlichen Winzer-Kollegen helfen ihrBesonders beindruckt hat sie die Geschichte von Leo Hillinger. Der österreichische TopWinzer beschreibt in seinem Buch den schweren Start in den Familienbetrieb. Auch ihm traute der Vater damals nichts zu. Mühsam musste er sich im elterlichen Betrieb durchsetzen und um Anerkennung kämpfenIhre Erkenntnis daraus: es geht nicht immer nur um das Geschlecht, sondern Nachfolger haben es generell schwer. „Es ist nicht ohne, in den elterlichen Betrieb einzusteigen und man muss sich seinen Platz erkämpfen.“ 

Wie kann man Generationenkonflikte in Familienunternehmen angehen? 

Was tun, wenn einen die eigenen Eltern nicht für voll nehmen?  Auch Carolin Weiler musste ihren eigenen Weg finden. Aus ihrer persönlichen Erfahrung rät sie 

  • sich als gleichwertiger Geschäftspartner zu sehen 
  • nicht zu viele Emotionen zulassen 
  • versuchen sachlich zu kommunizieren und Verständnis für die junge Generation zu wecken 
  • alltägliche familiäre Konflikte nicht mit in den Betrieb nehmen 
  • nicht alles aus Prinzip anders und neu machen 
  • nicht alles, was die Eltern sagen, persönlich nehmen 

Wenn es trotzdem kracht, am besten etwas Distanz schaffen und für Rückzugsgebiete sorgen. Sie empfiehltdurchschnaufen und nicht nur miteinander zu arbeiten, sondern miteinander zu reden. Klar ist auch: die Nachfolge ist für beide Seiten ein Lernprozess. 

 

Zu diesen Themen und wie Carolin Weiler im Familienweingut ihre eigene Wein-Handschrift entwickelt, wie sie von der FAZ zur Winzerin des Jahres gekürt wurde und wie sie zum Kino-Filmprojekt „wein weiblich“ des bekannten Weinkritikers Stuart Pigott kamhören Sie unserer Podcast-Folge zur Unternehmensnachfolge im Weinberg.  

Finden Sie diese Nachfolger-Geschichte spannend? Dann könnten Sie diese Tipps und Erfahrungen interessieren: 

Tipps aus der Praxis: Unternehmensnachfolge ist auch weiblich! https://www.sage.com/de-de/blog/tipps-aus-der-praxis-unternehmensnachfolge-ist-auch-weiblich-fy20/ 

PodcastFolge 6: „Redet viel und über alles“: Wie die familieninterne Nachfolge gelingt. https://www.sage.com/de-de/blog/sagenachfolgeplaner-podcast-folge-6-redet-viel-und-ueber-alles-wie-die-familieninterne-nachfolge-bei-hermannsen-concept-gelingt/ 

Fünf Personal Branding Ideen für Unternehmensnachfolger https://www.sage.com/de-de/blog/fuenf-personal-branding-ideen-fuer-unternehmensnachfolger/