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Change Management als Schlüssel zur erfolgreichen Nachfolge

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Unternehmensnachfolge_Change Management_Irene Kilubi

Unternehmensnachfolge, aber wie?

Sie stehen am Anfang Ihrer Karriere und fragen sich, wie es weitergehen soll? Sie haben die Möglichkeit, den Familienbetrieb zu übernehmen, fühlen sich der Herausforderung aber noch nicht gewachsen? Sie sind nicht in einer Unternehmerfamilie aufgewachsen und möchten trotzdem ein Unternehmen übernehmen? Hier erhalten Sie Tipps, wie Sie sich gezielt auf eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge vorbereiten.

Egal ob es sich um interne oder externe Nachfolge handelt, die frühzeitige Kommunikation mit der Belegschaft ist der erste Schritt für eine erfolgreiche Übergabe. Auf die besonderen Gegebenheiten bei interner bzw. externer Unternehmensübergabe wird im weiteren Verlauf genauer eingegangen.

Interne Unternehmensnachfolge

Die typische Familiennachfolge besteht darin, dass das Familienoberhaupt die Leitung an seinen Sohn, seine Tochter oder auch andere Familienangehörige übergibt. Hierbei besteht die zusätzliche Problematik, dass es dem bisherigen Inhaber schwer fällt, die Macht aus seinen Händen an den Nachfolger zu übergeben. Der oder die neue Inhaber/in steht vor der besonderen Herausforderung, seine Fähigkeiten gegenüber den Mitarbeitern erstmal zu beweisen. Diese Erfahrung hat auch Thomas Lindner gemacht, der seit 2000 die Geschicke der Strumpfwerk Lindner GmbH leitet. „Einer der wichtigsten Faktoren im Zuge unseres Nachfolgeprozesses war die Erarbeitung der Anerkennung unserer Mitarbeiter. Gerade gegenüber gestandenen Mitarbeitern muss man als Junior seine Fähigkeiten erst unter Beweis stellen und zeigen, dass man zur Führung des Unternehmens in der Lage ist. Und das nicht nur, weil man aus der Familie kommt.“
Ein bürokratisches und finanzielles Problem während der Übernahme war die anfallende Schenkungssteuer. Hierdurch entstehen erheblich Aufwendungen. Aufgrund der langfristigen Planung konnten allerdings die Freibeträge optimal ausgenutzt werden, sodass Familie Lindner auch diese Herausforderung erfolgreich gemeistert hat. Insgesamt war die mehrjährige Zusammenarbeit von Vater und Sohn mit einer schrittweisen Übernahme der Kompetenzen ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die erfolgreiche Übergabe der Lindner GmbH.

Externe Unternehmensnachfolge

Leider ist es nicht immer möglich, dass die Kinder das Unternehmen übernehmen können oder wollen. Dies ist ungefähr noch bei der Hälfte aller Übernahmen der Fall. Als Alternative zur Übernahme von Familienangehörigen können Mitarbeiter oder auch externe Manager das Unternehmen übernehmen. Für einen externen Unternehmensnachfolger ist es sehr wichtig, alle internen Informationen zu erhalten.
Im Fall von Danny Hähner kannte er das Unternehmen allerdings bereits bestens. Er absolvierte seine Ausbildung zum Steuerfachangestellten in der Steuerberatungskanzlei von Günther Schneider. Nach Abschluss seiner Ausbildung trafen beide eine Vereinbarung, dass die Weiterbildung von Danny Hähner zum Steuerberater finanziert würde. Trotz finanzieller und rechtlicher Hürden, wie beispielsweise die Übernahme von Mandantenverträgen, konnten beide stets ein vertrauenswürdiges Verhältnis zueinander aufrecht erhalten. Wichtig war beiden in der Kommunikation gegenüber Mitarbeiter und Mandanten immer, dass sie gemeinsam auftraten und ihre Meinungsverschiedenheiten nicht nach außen drangen. Aufgrund der guten Zusammenarbeit und des behutsamen Übergangs wurden keine Mandanten verloren. Danny Hähner blickt positiv in die Zukunft: „Nun komme ich dazu, meine Kanzlei auf der Basis eines stabilen Mandantenstammes durch eine Intensivierung der betriebswirtschaftlichen Beratung sowie durch die Zusammenarbeit mit anderen Kanzleien weiterzuentwickeln“.

Change Management bei der Unternehmensübergabe

Im Change Management ist eine konsistente Kommunikation von zentraler Bedeutung. Sobald sich beide Parteien über die Unternehmensübergabe einig sind, sollte von Anfang an konsistent mit der Belegschaft kommuniziert werden. Veränderungsprozesse rufen bei Mitarbeitern häufig Unsicherheit hervor, was durch eine umfassende Kommunikation so gut wie möglich vermieden werden kann. Für die Kommunikation im Change Management gilt daher stets die Wahrheit zu sagen und nichts zu versprechen, was in Zukunft nicht gehalten werden kann. Wie in den bisherigen Beispielen gezeigt, hat sich in der Praxis ein gemeinsames Auftreten von scheidender und zukünftiger Unternehmensleitung als erfolgreich erwiesen. Demnach sollte der zukünftige Inhaber geplante Veränderungen mit dem Vorgänger besprechen und diese in Einvernehmen und gemeinsam gegenüber der Belegschaft kommunizieren.

Herausforderungen für die Nachfolge

Wie im Beispiel von Thomas Lindner beschrieben, muss man sich die Anerkennung und Wertschätzung der Mitarbeiter als Nachfolger erst einmal verdienen. Dies kann einerseits durch Kompetenz und Fachwissen erreicht werden. Andererseits sind die sozialen Kompetenzen in Bezug auf die Mitarbeiterführung von zentraler Bedeutung. Dies zeigt sich beispielsweise auch in dem Wandel der Führungskultur von der autoritären zur transformationalen Führung, die heutzutage immer mehr verbreitet ist. Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel und Unternehmen sind gezwungen auf die veränderten Rahmenbedingungen einzugehen. Die Digitalisierung trägt beispielsweise zu neuen Möglichkeiten der Flexibilisierung in Bezug auf Arbeitszeit und Arbeitsort bei. Der Generationenwandel der Babyboomer als hart arbeitende Bevölkerung hin zur Generation Y, bei der Selbstverwirklichung und die Work-Life-Balance im Vordergrund steht, führt zu neuen Anforderungen für die Unternehmen. Für die neue Unternehmensführung gilt es also den Wandel von der zuvor meist patriarchalisch geprägten Führung zu einem mitarbeiterorientierten Unternehmen zu begleiten.
Neben den Mitarbeitern gibt es noch weitere Stakeholder wie Kunden und Lieferanten, dessen Vertrauen es zu gewinnen gilt. Auch hier gilt für den Nachfolger der Grundsatz einer konsistenten Kommunikation. In Bezug auf die Lieferanten sollten klare Vereinbarungen für die weitere Zusammenarbeit getroffen werden, damit auch hier möglichen Unsicherheiten oder Konflikten vorgebeugt werden kann.

Die Zukunft der Unternehmensnachfolge

Laut dem Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM Bonn) ist keine Nachfolgelücke für Unternehmen abzusehen, aber regionale oder branchenspezifische Engpässe sind zu befürchten. Generell zeigen Studien eher ein Trend dahingehend, dass immer mehr Unternehmer zukünftig Verantwortung in ihren Familienunternehmen übernehmen wollen. Im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen wurden über 500 Kinder von Unternehmern befragt. Dabei gaben mehr als 70 Prozent an, dass sie spätestens mit 40 die Verantwortung im Familienunternehmen tragen möchten. Außerdem wird die Art der Übergabe flexibler. Früher war der Inhaber eines Unternehmens häufig der Patriarch und führte das Unternehmen eher autoritär. Heutzutage steht dagegen der Gedanke des Teamplayers viel mehr im Vordergrund. Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, schätzt die Entwicklung folgendermaßen ein: „Das althergebrachte Modell, wonach ein Familienmitglied die alleinige Verantwortung in der Geschäftsführung übernimmt, verliert an Bedeutung.“

Abschließend lässt sich sagen, dass für die erfolgreiche Nachfolge in einem Unternehmen viele verschiedene Aspekte zu berücksichtigen sind. Von finanziellen Schwierigkeiten in Bezug auf Steuern bis hin zu emotionalen Problemen des scheidenden Unternehmers gibt es zahlreiche Hürden, die es zu meistern gilt. Wenn Sie aber genügend Zeit einplanen und sich mit dem bisherigen Eigentümer einig sind – sei es ihr Vater, ihr vorheriger Chef oder doch jemand Unbekanntes – und dies entsprechend gegenüber ihren Stakeholdern kommunizieren, steht einer erfolgreichen Übernahme und Weiterführung nichts im Wege.

Tipp: Wenn Sie das Thema Unternehmensnachfolge interessiert, streichen Sie sich den 23.06. im Kalender an. Im Online-Experten-Talk „Fit für die Zukunft – So werden Sie zum Unternehmensnachfolger 4.0“ spreche ich zusammen mit inspirierenden Unternehmern und Unternehmerinnen darüber, was Unternehmensnachfolge im digitalen Zeitalter bedeutet. Digitalisierung und ihre Folgen stellen derzeit wohl eine der größten Herausforderungen für mittelständische Unternehmen dar –  um auch künftig wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben, gilt es jetzt, diese Herausforderungen anzunehmen und auf Fragen zu Innovation, Digitalisierung, New Work, aber auch Themen wie Nachhaltigkeit und Sinnhaftigkeit („Purpose“) des eigenen Unternehmens eine individuelle Antwort zu finden.

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