Datenbasiert entscheiden

ChatGPT in HR: Wie kann ein rechtssicherer Einsatz gelingen?

Künstliche Intelligenz (KI) macht nicht nur rasante Fortschritte, sondern verspricht für Unternehmen Wettbewerbsvorteile – etwa in Zeiten des Fachkräftemangels. Doch es gibt rechtliche und ethische Hürden auf dem Weg zu diesen Vorteilen.

Personen im Büro

Mit ChatGPT startete Ende 2022 die Ära der generativen KI. Generative KI bezeichnet Systeme, die eigenständig Inhalte wie Texte, Bilder oder Musik erzeugen. ChatGPT von OpenAI ist ein Sprachmodell, das einfach wie ein Chatbot zu bedienen ist und auf Anfragen in natürlicher Sprache reagieren kann. Es greift auf große Datenmengen zu, um menschenähnliche Texte zu generieren.

Die Vorteile von ChatGPT beim Einsatz im Personalwesen untersucht die Studie „ChatGPT, Chatbots und mehr – wie wird künstliche Intelligenz in den HR-Abteilungen von Unternehmen genutzt?“ vom ifo Institut. Derzeit nutzen etwa 5 Prozent der befragten Unternehmen KI im HR-Bereich, und weitere 25 Prozent planen den Einsatz. ChatGPT und ähnliche Anwendungen können beispielsweise für die Erstellung und Optimierung von Stellenanzeigen sowie das Management von Bewerbungen eingesetzt werden.

KI: Große Hoffnungen und große Bedenken

Neben diesen Gewinnen für die HR-Abteilungen gibt es aber auch Hürden: Ein erheblicher Anteil der Befragten (48 Prozent) äußerte Bedenken hinsichtlich rechtlicher Aspekte beim Einsatz von KI. 86 Prozent der Teilnehmenden sind skeptisch gegenüber dem Einsatz von KI, hauptsächlich aufgrund von fehlendem Know-how, rechtlichen Bedenken und fehlendem Vertrauen in die KI.

Gleichzeitig gibt es große Hoffnungen in die neue Technologie: Obwohl KI derzeit nur teilweise in HR-Bereichen eingesetzt wird, wird sie zukünftig eine wichtigere Rolle spielen, insbesondere im Kontext des Arbeitskräftemangels. KI-Integration in das Recruiting kann für Unternehmen den entscheidenden Vorteil im Kampf um die besten Talente ausmachen.

Der „Superassistent“ für HR-Teams?

ChatGPT kann in der Personalabteilung bei der Erstellung von Stellenbeschreibungen, der Durchführung von Erstinterviews und der Schulung von Mitarbeitern helfen. Für Personalabteilungen bedeutet der Einsatz von KI eine enorme Effizienzsteigerung. Routinetätigkeiten können automatisiert oder vereinfacht werden, was HR-Teams Zeit für strategische Aufgaben lässt. HR-Abteilungen können so Zeit gewinnen und ihre menschlichen Qualitäten dort einsetzen, wo sie gebraucht werden. So könnte ChatGPT mitwirken, Bewerbungsprozesse zu beschleunigen und so für den entscheidenden Vorsprung im Rennen um die Bewerber sorgen.

Die Grenzen und Nachteile von ChatGPT

Trotz seiner Fähigkeiten fehlt es der KI-Lösung an bestimmten Qualitäten, etwa menschlicher Intuition und Verständnis für komplexe soziale Dynamiken – genau das ist besonders in sensiblen Bereichen wie Mitarbeitergesprächen gefragt. Zudem bestehen rechtliche Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Urheberrecht. In der Personalabteilung kommen naturgemäß oft personenbezogene Daten zum Einsatz. Grundsätzlich führt die Arbeit mit ChatGPT im Personalbereich oft zu einer Datenweitergabe, die einen Datenschutzverstoß bedeuten kann. Diese kann dem Arbeitgeber zugerechnet werden, wie auch die Übertragung der Daten an Server in den USA – der Betreiber OpenAI ist schließlich ein US-Unternehmen. Somit wird der Einsatz von ChatGPT schwierig – außer es gelangen nur anonyme Fragen und Daten in das Eingabefeld und damit die Trainingsdaten des Chatbots.

Ein weiteres Problem kann sich ergeben, wenn automatisierte Entscheidungen per KI erfolgen, etwa im Auswahlverfahren bei Bewerbern, Abmahnungen oder der Erstellung von Zeugnissen. Es sollte immer eine menschliche Entscheidungskompetenz einbezogen werden, um diesen Verstoß zu vermeiden. Wenn Menschen mitentscheiden, kann auch verhindert werden, dass diskriminierende Entscheidungen gefällt werden. Somit rückt das Thema Ethik auch immer in den Fokus, wenn es um KI-Lösungen im HR-Bereich geht.  

Spezielle KI-Unternehmenslösungen sind gefragt

OpenAI bietet eine API (Application Programming Interface) für Unternehmen an, die es ermöglicht, ChatGPT in bestehende Systeme zu integrieren. Diese Einbindung per Programmierschnittstelle eröffnet Möglichkeiten, die KI-Leistung individuell an die Bedürfnisse des Unternehmens anzupassen und zu kontrollieren, auf welche Server die Kundendaten gelangen. Wie das in der Praxis aussehen kann, beschreibt die am Anfang zitierte Ifo-Studie: Zwei Unternehmen haben ihr eigenes Chatbot-System entwickelt: Der Konzern dm hat kürzlich die Testphase der unternehmenseigenen Version des KI-Sprachmodells GPT–3.5 fertiggestellt und ermöglicht es den Mitarbeitern, den gleichen Funktionsumfang des Originals in einem sicheren Umfeld einer eigenen Cloud zu nutzen. Risiken in Bezug auf Datenschutzkonflikte und fehlende vertragliche Rahmenbedingungen werden minimiert. Des weitern wird sichergestellt, dass Geschäftsgeheimnisse geschützt bleiben. An einer ähnlichen Lösung arbeitet aktuell laut der Studie die Firma Bosch.

Kürzlich hat OpenAI auf seiner Entwicklerkonferenz DevDay die Möglichkeit vorgestellt, ohne Programmierkenntnisse eigene Versionen von ChatGPT zu entwickeln und zu veröffentlichen. Die sogenannten GPTs lassen sich auf Spezialbereiche einstellen und mit eigenen Daten aus PDFs und Textdokumenten füttern. Aktuell ist das Veröffentlichen nur auf den hauseigenen Servern des Herstellers in den USA möglich. Es wäre aber vorstellbar, dass auch hier eine Lösung für Unternehmen in eigener Cloud-Umgebung folgt. Schließlich betonte der inzwischen abgesetzte CEO Sam Altman bei der Vorstellung, dass die neuen GPTs mit Fokus „Datenschutz und Privatsphäre“ entwickelt wurden. So könnten auch KMUs ohne große Entwicklerressourcen die Vorteile eigener Chatbots nutzen.

Fazit: Präzision und Bedeutung von Datenschutz wächst

Die KI-Technologie im Personalwesen entwickelt sich in rasendem Tempo weiter. Es ist zu erwarten, dass KI-Modelle in der Zukunft noch genauer und effizienter in der Analyse und im Umgang mit personalbezogenen Daten werden. Da KI zunehmend in sensiblen Bereichen eingesetzt wird, wächst die Bedeutung von Datenschutz und ethischen Standards. Unternehmen müssen so nicht nur in Technologien investieren, sondern auch in die Schaffung von Richtlinien und Sensibilisierung durch Schulung für ethische Themen.

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