Wir spielen gerade

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„Über einen Käfer, der ‚Marshal data too short‘ heißt“ oder auch „so wurde Sage One gemacht“

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Winnersh Office UK

Foto: Pixelio.de/Martina Brunner

Foto: Pixelio.de/Martina Brunner

Käfer, die Entwicklern den Schlaf rauben und Sprachbarrieren, die aus mehreren Problemen dann doch nur zwei machen: Ein halbes Jahr dauerte die Anpassung der englischen Buchhaltungssoftware Sage One an den deutschen Markt. Eng arbeiteten die Teams aus Deutschland und England zusammen. Das Ergebnis ist seit Ende März online erhältlich. Im Interview berichten jetzt Robert Schulz, Sage One Produktmanager, und Christopher Baxter, Leiter Online Services bei Sage, über die kleinen und großen Hürden bei diesem Projekt.

In einem Satz: Was ist Sage One?

Christopher Baxter: Sage One liefert Kleinstunternehmern und Selbstständigen ohne Buchhaltungskenntnisse die Möglichkeit, ihre Rechnungsstellung und Buchhaltung online abzuwickeln.

An wen richtet sich Sage One?

Christopher Baxter: Das Produkt ist ideal für all diejenigen, die allein oder in einem kleinen Team arbeiten. Sage One ist darauf ausgerichtet, intuitiv bedienbar und leicht verständlich zu sein. Es ist also auch für diejenigen geeignet, die sich bisher nicht mit dem Thema Buchhaltung auseinander gesetzt haben.

Sage One ist ursprünglich kein deutsches Produkt. Es wurde in England entwickelt und ist dort sehr erfolgreich. Vor welchen Herausforderungen standet Ihr bei der Anpassung an den deutschen Markt?

Christopher Baxter, Leiter des Bereichs Online-Services bei Sage

Christopher Baxter, Leiter des Bereichs Online-Services bei Sage

Christopher Baxter: Der deutsche Markt weist hinsichtlich der Gesetzgebungen im Handelsrecht und Steuerrecht naturgemäß Unterschiede gegenüber England auf. Darüber hinaus gibt es diverse buchhalterische Standardanforderungen wie z.B. die Umsatzsteuervoranmeldung via ELSTER oder Datev Import/Export, die zu nicht unerheblichen Anpassungen geführt haben. Dennoch sprechen wir hier von einem internationalen Produkt, bei dem wir aufpassen müssen, dass nicht jedes Land den Code komplett überarbeitet. Bei uns herrscht die 80/20-Regel vor, wonach 80 Prozent des Codes gemeinschaftlich von allen genutzt werden und 20 Prozent lokale Anpassungen benötigen.

Robert Schulz: Somit hätte es für den deutschen Markt auch nur wenig Erfolg versprochen, wenn wir das Produkt aus England genommen und einfach übersetzt hätten. Das Projekt begann damit, eine einheitliche Plattform zu schaffen, auf der alle Länder aufsetzen. Gleichzeitig sollte es an die unterschiedlichen lokalen Anforderungen angepasst werden können. Die größte Herausforderung dabei war die Kommunikation und das Analysieren und Bewerten von Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

Arbeiten Engländer anders als Deutsche? Wie lief die kulturelle Zusammenarbeit? An welchen Punkten musstet Ihr Euch hier einspielen?

Christopher Baxter: Na ja, es gibt schon kulturelle Unterschiede, die auch bekannt sind und denen man sich bewusst sein muss. Der Deutsche neigt eher zu direkten und konfrontativen Verhaltensweisen, die in England nicht unbedingt auf Gegenliebe stoßen und gerade in zeitkritischen Situationen z.B. einem neuen Release zu Irritationen führen können. Natürlich gibt es hier und da auch sprachliche Barrieren, so ist ein „slight problem“ meistens in den Augen der Engländer eher ein großes Problem und „couple“ heißt nicht zwangsläufig „einige“ sondern auch genau „zwei“, um nur zwei Beispiele zu nennen. Allerdings sind wir ein international operierendes Unternehmen, was sich auch in der Qualifikation unserer Mitarbeiter widerspiegelt, so dass wir diesen Herausforderungen sehr gut gewachsen sind.

Produktmanager Robert Schulz

Produktmanager Robert Schulz

Robert Schulz: Auch die Arbeitsweise ist sehr unterschiedlich. So sind beispielsweise Code-Standards, Arbeitsorganisation und Kommunikation nicht einheitlich. Das muss sich mit der Zeit einspielen, um effizient arbeiten zu können. Wenn man das Team kennt und eine Weile zusammengearbeitet hat, ist das allerdings kein Problem mehr.

Wie lang hat die Anpassung insgesamt gedauert?

Robert Schulz: Insgesamt waren es zirka sechs Monate.

Ganz konkret aus dem Programmieralltag: Was hat dabei am meisten Zeit gekostet?

Robert Schulz: Bei neuen Plattformen gibt es natürlich eine lange Reifephase. In dieser Zeit muss man sich mit einigen Bugs rumschlagen. Auch das iterative Vorgehen im Projekt ist sehr zeitintensiv, bringt dem Nutzer aber hoffentlich die gewünschte User Experience.

Die Startseite der neuen Online-Lösung Sage One.

Die Startseite der neuen Online-Lösung Sage One.

In der Entwicklung redet man häufig von „Bugs“. Was ist das eigentlich?

Robert Schulz: Aus dem Englischen übersetzt heißt „Bug“ Käfer. Und tatsächlich geht dieser Ausdruck auf ein echtes Insekt zurück. Es handelt sich ursprünglich um einen Käfer, der Kontakte kurzgeschlossen hatte und aus einem Rechner herauskroch. In der IT versteht man heute allerdings alle Arten von Programmierfehlern. Eine Software besteht schließlich aus langen Codes, die von Menschenhand geschrieben werden. Da kann es leider zu diesen Fehlern – oder auch Bugs – kommen.

Welcher Bug hat bei Sage One die meisten Nerven geraubt?

Robert Schulz: „Marshal data too short“ war eine Fehlermeldung, die uns schlaflose Nächte bereitet hat. Trat dieser Fehler auf, konnte der Nutzer die Applikation ohne Leerung des Browsercache nicht mehr benutzen. Im Endeffekt lag es dann an zu restriktiven Sicherheitseinstellungen.

Jetzt ist das Produkt seit vier Wochen auf dem Markt. Worauf ist man als Produktmanager besonders stolz?

Robert Schulz: Auf die gute Zusammenarbeit mit dem Entwicklungsteam! Entwicklung und Produktmanagement haben über lange Zeit sehr gut zusammen gearbeitet. Ich bin froh, ein so unglaublich fähiges Team zu haben. Nun geht es aber darum, das Produkt am Markt zu etablieren und auf die zukünftigen Kundenwünsche einzugehen.

Noch mehr Input zur Einführung von Sage One gibt es auch bei Slideshare:
http://bit.ly/1153DU3

Das Interview führte Jennifer Dreher

Christopher Baxter, Leiter des Bereichs Online-Services bei Sage

Christopher Baxter, Leiter des Bereichs Online-Services bei Sage

Bevor Christopher Baxter zu Sage kam, absolvierte er 1999 sein Studium an der Universität Duisburg/Essen. Danach arbeitete er in diversen Positionen in Marketing und Vertrieb u. a. für Bertelsmann sowie United Internet und machte an der EADA Barcelona seinen Master of Business Administration (MBA). Bei Sage setzte der Diplom-Kaufmann 2007 seine Karriere fort. Nur drei Jahre später (2010) stieg Christopher Baxter dort zum Leiter Strategie und Business Development auf. Seit 2012 ist er Leiter des Bereichs Online Services. Damit hat er nicht nur die Verantwortung für die neue Online-Lösung Sage One, sondern auch für das 2009 erfolgreich gelaunchte Produkt einfachLohn.

Produktmanager Robert Schulz

Produkt-manager Robert Schulz

Der Produktmanager Robert Schulz ist seit 2011 für die Sage HR Solutions AG (Sage HR) tätig und hat maßgeblich die Anpassung der neuen Online-Lösung Sage One an den deutschen Markt gesteuert. Sage HR ist eine hundertprozentige Tochter der Sage Software GmbH und hat ihren Sitz in Leipzig. Der gelernte Versicherungskaufmann absolvierte 2009 sein Studium an der Fachhochschule Jena als Wirtschaftsingenieur (FH). Bevor Robert Schulz zu Sage kam, war er zwei Jahre lang Produktmanager bei sprd.net AG (Spreadshirt).