Unternehmensnachfolge

Bundesländer im Vergleich – wo wird wie nachgefolgt?

Die Landschaft der Unternehmensnachfolge kann je nach Bundesland sehr unterschiedlich aussehen. Das hat verschiedene Ursachen, und diverse Faktoren greifen ineinander.

Unternehmensübernahmen unterscheiden sich je nach Bundesland, beziehungsweise zwischen den alten und neuen Bundesländern, teilweise stark – insbesondere bei bestimmten Faktoren. Das liegt unter anderem an Unternehmensgröße und Struktur. Allerdings stehen für manche Regionen und hinsichtlich einiger Faktoren nicht genügend Daten zur Verfügung, sodass Statistiken teilweise verzerrt werden. Dennoch lassen sich bestimmte geografische Trends von Nachfolge eindeutig beobachten. Vor allem für potenzielle Übernehmer, beziehungsweise Unternehmer, die auf der Suche nach einem zum Verkauf stehenden Unternehmen sind, ist es daher sinnvoll, sich einen bundesweiten Überblick zu verschaffen.

Anteil der Übernehmerinnen nach Bundesland

Laut Nachfolgemonitor 2022 ist der Anteil der übernehmenden Frauen in den Stadtstaaten sowie einigen neuen Bundesländern am höchsten. So besetzen Hamburg (40 Prozent), Bremen (40 Prozent) und Berlin (38 Prozent) die ersten drei Plätze, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (32 Prozent) und Sachsen-Anhalt (30 Prozent).

Frauenanteil nach Bundesländern, Nachfolgemonitor 2022
Quelle: Nachfolgemonitor 2022

Daraus lässt sich ableiten, dass Frauen eher in urbanen Räumen übernehmen, wozu auch die Tatsache passt, dass Bundesländer mit vielen ländlichen Regionen wie Niedersachsen und Bayern die Schlusslichter bilden. Gründe für die Bevorzugung urbaner Räume könnten unter anderem in sozialen Strukturen sowie der Branchenzusammensetzung liegen.

Verschiebung von Team- und Solo-Übernahmen

Die Zahl der Team-Übernahmen in den verschiedenen Bundesländern hat sich im Vergleich zum Vorjahr teils ebenfalls deutlich verschoben. Während im Jahr 2020 in Bayern mit 32 Prozent die meisten Team-Übernahmen stattgefunden haben und in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg mit jeweils 10 Prozent die wenigsten, verhält es sich 2021 umgekehrt. In Bayern ist die Prozentzahl auf 24 zurückgegangen, hat dafür aber in den beiden neuen Bundesländern mit nun jeweils 41 Prozent stark zugenommen. Im Saarland ist der Anteil von 27 Prozent auf 6 Prozent abgefallen. „Eine Ursache für diese Entwicklungen ist derzeit schwer auszumachen“, sagt Leander Hollweg, Leiter PR, Marketing und Volkswirtschaft bei der Intagus GmbH. „Hierzu stünde noch eine Untersuchung der von zur Übernahme stehenden Unternehmensarten aus.“

Anteil der Team Übernahmen, Nachfolgemonitor 2022
Quelle: Nachfolgemonitor 2022

Allerdings ist Brandenburg auch in Bezug auf die Anzahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze mit 40 Prozent Spitzenreiter, was sich durch die Nähe zur Hauptstadt und dem damit verbundenen Wachstumspotenzial erklären könnte.

Familienstand korreliert teils mit Standort

Auch der Familienstand der Übernehmenden sieht je nach Bundesland relativ unterschiedlich aus. So ist sind laut Nachfolgemonitor 2021 die meisten verheirateten oder in einer Partnerschaft lebenden Unternehmer mit 86 Prozent in Thüringen ansässig.

„Das kann zum einen dadurch erklärbar sein, dass männliche Übernehmer häufiger verheiratet sind als weibliche“, sagt Leander Hollweg und sagt weiter: „In Thüringen gibt es viele Bauunternehmen, die nach wie vor eher eine Männerdomäne sind, daher sind die Übernehmenden eher verheiratet. Ein solches Unternehmen zu leiten geht nicht ohne eine stabile familiäre Struktur.“ Es kommt demnach auch in Bezug auf den Familienstand auf die Struktur und Art des Unternehmens an.

Neu geschaffene Arbeitsplätze im Ost-West-Vergleich

Betrachtet man die Anzahl neu geschaffener Arbeitsplätze durch eine Unternehmensnachfolge, liegen die ostdeutschen Bundesländer weit vor den westlichen. Hier sticht vor allem Brandenburg mit 40 Prozent heraus, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern mit 16 Prozent. Das ist immer noch deutlich mehr als die meisten westlichen Bundesländer. So sind es beispielsweise in Niedersachsen nur 8 Prozent und in Nordrhein-Westfalen 7 Prozent.

„Das ist mit Hinblick auf Ostdeutschland ein positiver Unterschied“, sagt Leander Hollweg. „Im Westen wird die Anzahl der Arbeitsplätze eher erhalten und nicht erhöht. Der Unterschied zwischen Ost und West liegt in unterschiedlichen Motiven begründet. Im Osten soll aus den Unternehmen noch etwas gemacht und Arbeitsplätze geschaffen werden, während im Westen das Interesse eher an den Fachkräften oder dem mit dem Unternehmen verbundenen Markt gekoppelt ist als an das Unternehmen selbst.“ Weitere Unterschiede zwischen den alten und neuen Bundesländern finden sich in unserem Ost-West-Artikel.

Übernahmen finden meist lokal statt

Bezüglich etwaiger Distanzen zwischen Übernehmendem und Unternehmen wird im Nachfolgemonitor 2021 deutlich, dass Übernahmen meist ein lokales Geschäft sind. 68 Prozent der Übernehmer kamen in den letzten Jahren aus demselben Landkreis, in dem auch das Unternehmen ansässig war. Nur 9 Prozent kamen aus einem ganz anderen Bundesland. Hierbei überwiegen außerdem Nachfolgen im städtischen Raum.

Altersverteilung der Übergebenden nach Bundesland

In allen Bundesländern findet sich ein erhöhtes Risiko einer ungeklärten Übernahme, da das Alter der Unternehmer immer weiter steigt. In den alten Bundesländern ist der Anteil von Unternehmern und Unternehmerinnen von über 60 Jahren deutlich angestiegen und auch in den neuen Bundesländern haben sich in der Vergangenheit prognostizierte Steigerungen bereits bewahrheitet. Vor allem hier werden aber weitere Steigerungen der Anzahl der Unternehmer und Unternehmerinnen über 65 Jahre bis zum Jahr 2026 erwartet. So rechnet man etwa für Brandenburg mit einer Steigerung von 106 Prozent und in Sachsen-Anhalt beziehungsweise Thüringen mit je 104 Prozent. Insgesamt sind die Übergebenden in Hessen mit einem Schnitt von 60,4 Jahren die Jüngsten, in Berlin finden sich hingegen mit einem Schnitt von 67,3 Jahren die ältesten Übergebenden.

Anteile aller Unternehmenden im Alter von mindestens 60 und 65 Jahren nach Bundesland
Nachfolgemonitor 2021

Fazit

Je nach eigener Situation und Anforderungen an ein Unternehmen kann es für potenzielle Übernehmer sinnvoll sein, die Region oder das Bundesland zu wechseln. So gibt es beispielsweise im Osten der Republik im Verhältnis zum Westen eine höhere Anzahl kleinerer Betriebe. Auch spielt natürlich die Branche eine Rolle, die mitunter ebenfalls vom Bundesland abhängig ist.

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