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Unternehmens­nachfolge als Weg in die berufliche Selbstständigkeit (Infografik)

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Nachfolger

Die Gründung der eigenen Firma ist ein Traum vieler Deutscher. Im vergangenen Jahr starteten über eine halbe Million Gründer ihr eigenes Unternehmen, um diesen Traum wahr zumachen. Grundsätzlich gibt es drei Wege in die berufliche Selbstständigkeit: einerseits die Neugründung, sicher die bekannteste Form der Existenzgründung. Daneben die Übernahme einer bestehenden Firma, auch als derivative Gründung bezeichnet. Außerdem gibt es die Tätige Beteiligung. Das ist eine Form, bei der man sich finanziell und mit der eigenen Arbeitskraft an einem Unternehmen beteiligt.

Firmenübernahmen gestiegen

Schaut man sich die Gründerzahlen für 2018 etwas genauer an, so machen Nebenerwerbsgründer mit 292.000 den größten Anteil aus. Daneben gibt es 255.000 Vollerwerbsgründer, die ohne Netz und doppelten Boden in die Selbstständigkeit starten. Etwa drei Viertel der Menschen gründen, um eine Geschäftsgelegenheit auszunutzen. Im KfW-Gründungsmonitor (KfW: Kreditanstalt für Wiederaufbau, über die viele Finanzierungsprogramme für Existenzgründer laufen) heißen sie „Chancengründer“. Das restliche Viertel machen die sogenannten „Notgründer“ aus, Menschen, die mangels besserer Erwerbsalternative gründen. Deren Zahlen haben sich übrigens in den letzten Jahren auf Grund der immer besseren Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland mehr als halbiert. Die aktuelle Erwerbslosenquote vom April 2019 lag bei 3,2 Prozent, das ist die zweitniedrigste in der Europäischen Union.

Neugründungen im Trend

Neugründungen, neudeutsch Start-ups, dominierten den Start in die berufliche Selbstständigkeit schon immer. 2018 bauten 8 von 10 Existenzgründern eigene unternehmerische Strukturen auf, so viele wie nie zuvor. Doch auch bei den Übernahmen bestehender Unternehmen ist im Vergleich zu 2017 ein Zuwachs um drei auf dreizehn Prozent zu beobachten. Bei den Vollerwerbsgründern hat sogar jeder Fünfte einen existierenden Betrieb übernommen. Das ist eine positive Nachricht für all jene Mittelständler, bei denen in den nächsten Jahren die Nachfolge ansteht. Der dritte Weg der Existenzgründung, die Tätige Beteiligung, verlor weiter an Bedeutung und erreichte nur noch einen Anteil von 8 Prozent.

Berufliche Selbstständigkeit: Startup oder Übernahme?

Im Folgenden schauen wir uns die Vor- und Nachteile von Neugründung und Firmenübernahme etwas genauer an. Dann reden wir noch einmal über eine weitere Untergruppe der Existenzgründer, die sogenannten Arbeitgebergründer. Die allermeisten Gründer starten nämlich als Ein-Personenunternehmen. Viele bleiben es, als Selbstständige ohne Arbeitnehmerverantwortung oder als Freiberufler. Nur 147.000 Existenzgründer beschäftigen Angestellte, 83.000 von ihnen gründeten im Jahr 2018 neu und 64.000 übernahmen ein bereits existierendes Unternehmen. Diese beiden Gruppen sollen im Folgenden im Fokus stehen.

Startup

Wer eine konkrete Idee zu einem Produkt oder einer Dienstleistung hat, wird neu gründen, keine Frage. Doch Neugründungen sind fast immer risikoreich, denn trotz bester Vorbereitung gibt es keinerlei Garantien für einen Erfolg des Gründungsvorhabens. Nach der Studie des Kreditversicherers Euler Hermes Insolvencies: The tip of the iceberg haben besonders „junge Firmen in der Regel eine wesentlich höhere Ausfallrate (…) als etablierte Unternehmen.“ Und nach den Angaben der KfW beenden rund 30 Prozent der Gründer ihre Existenzgründung wieder innerhalb der ersten drei Jahre.

Diese ersten Jahre sind aber auch besonders entbehrungsreich: Nicht nur der Unternehmerlohn liegt oft unter dem Durchschnitt eines vergleichbaren Angestelltengehaltes. Ebenso sind die Arbeitszeiten überdurchschnittlich hoch. Anfängerfehler können sehr teuer werden und immer wieder tauchen versteckte Finanzierungslücken auf. Nur wer damit gut umgehen kann und außerdem ausreichend Startkapital besitzt, um zahlungsfähig zu bleiben, hat eine Chance in die berufliche Selbstständigkeit und sich dauerhaft am Markt durchzusetzen.

Übernahme

Eine Möglichkeit, Risiken zu minimieren und Entbehrungen der klassischen Gründung zu verringern, kann stattdessen die Übernahme eines bestehenden Unternehmens sein. Eine aktuelle Evaluierung des Programms „ERP-Kapital für Gründung“ zeigt, „dass Betriebsübernahmen weit weniger von Ausfällen betroffen sind (16 Prozent) als Neugründungen (23 Prozent).“, so das Wirtschaftsministerium auf eine kleine Anfrage im Bundestag zum Thema „Unternehmensnachfolgen in Deutschland im Juli 2018.

Ein neu gegründetes Unternehmen muss auf dem Markt etabliert werden, sicherlich eine der größten Herausforderungen in Märkten, die heute bereits vielfach gesättigt sind. Der Gründer muss neue qualifizierte Mitarbeiter finden, keine geringere Herausforderung in Zeiten von Fachkräftemangel und demographischen Wandel. Lieferanten und Partner müssen gesucht, Kunden gefunden, Vertrauen aufgebaut werden. Schwierigkeiten beim Umgang mit Behörden beim Erhalt von Genehmigungen gilt es zu überwinden. All das erschwert einen erfolgreichen Start in die berufliche Selbstständigkeit.

Vorteile einer Betriebsübernahme

Hier werden die Vorteile bei der Übernahme eines existierenden Unternehmens sehr deutlich:

  • Unternehmen ist am Markt etabliert, das erleichtert den Weg in die berufliche Selbstständigkeit
  • zu Lieferanten und Partnern gibt es langjährige vertrauensvolle Beziehungen,
  • Kunden und oft auch Stammkunden sind vorhanden,
  • die Mitarbeiter bilden ein eingespieltes Team
  • alle behördlichen Genehmigungen sind erteilt.
  • der Übernehmer kann auf den Erfahrungen des Vorgängers aufbauen
  • durch eine gemeinsame Übergabezeit kann Know-how des Vorgängers genutzt werden

Der Start-up-Gründer hat zur Finanzierung seines Vorhabens nur seinen professionell ausgearbeiteten Businessplan, um eine Bank von seinem Gründungskonzept zu überzeugen.  Dagegen kann der Übernehmer einer bestehenden Firma mit genauen Unternehmenszahlen arbeiten.  Vorliegende Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen geben Auskunft über die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens. Das ist zugleich eine verlässliche Basis für die weitere Planung. Damit ist es für ihn insgesamt leichter, ein Kreditinstitut mit dem eigenen Finanzierungskonzept zu überzeugen.

Ein weiterer Vorteil bei einer Übernahme ist sicher, dass von Anfang an Umsätze erzielt werden, der neue Eigentümer also sofort mit einem angemessenen Einkommen rechnen kann und nicht als Neugründer möglichst jeden verdienten Euro in die Firma stecken muss.

Vorteile Übernahme

Kritische Punkte bei der Übernahme einer Firma

Natürlich gibt es nicht nur Vorteile bei einer Übernahme, sondern auch Felder, die besonders beachtet werden müssen, damit sie nicht zu Problemfeldern werden. Eines davon ist speziell bei mittelständischen Unternehmen die starke Prägung des Betriebs durch den bisherigen Eigentümer. Die Beziehungen zu Lieferanten, Partnern und Mitarbeitern sind oft sehr persönlich und auf die Person des bisherigen Unternehmers fixiert. Hier muss der „Neue“ erst einmal Beziehungen und Vertrauen aufbauen. Das braucht Zeit. Besonders bei Übernahmen, bei denen der Übergeber noch einige Zeit mitarbeitet oder als Berater fungiert, sind klare Kompetenzabsprachen sehr wichtig, damit der Übernehmer die Chance bekommt, sich als neuer Eigentümer zu positionieren.

Vorhandene Infrastrukturen: Fluch und Segen

Im Gegensatz zum Start-up-Gründer kauft der Übernehmer ein vollständiges Unternehmen mit festen Strukturen und Abläufen, an denen Veränderungen mit Fingerspitzengefühl und Bedacht vorgenommen werden sollten. Hier ist der Neugründer sehr viel unabhängiger und kann alles nach seinen ganz persönlichen Vorstellungen umsetzen. Dazu kann er seine Mitarbeiter selbst suchen und einstellen, während der Übernehmer alle Mitarbeiter weiterbeschäftigen muss, unabhängig davon, ob diese Leistungsträger sind oder nicht. Doch die Gesetze schützen in diesem Fall die Beschäftigten.

Während der Neugründer alle Investitionen auf dem neuesten Stand tätigen kann, findet ein Übernehmer manchmal eine veraltete Produkt- und Leistungspalette oder unzureichende Investitionen in Modernisierungsmaßnahmen vor, die weiteren Kapitalbedarf neben der eigentlichen Kaufsumme erfordern. Der Kapitalbedarf insgesamt ist im Vergleich zu denen von Start-ups in der Regel außerdem höher, ein weiterer kritischer Punkt.

Fazit

Trotz dieser kritischen Punkte ist die Übernahme einer bestehenden Firma oft eine bedenkenswerte Alternative zur Neugründung, denn Marktpositionierung, eine eingespielte Mannschaft und vorhandene Lieferanten und Kunden sind eine vergleichsweise komfortable Situation für den Start in die berufliche Selbstständigkeit. Kommt das entsprechende Know-how beim Gründer, eine ausreichende Kapitaldecke und eine gute Chemie zwischen Übergeber und Übernehmer hinzu, stehen einer erfolgreichen Übernahme und der zukünftigen Weiterentwicklung des Unternehmens wenig entgegen.

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