Buchhaltung & Controlling

Wachstumschancen­­­­gesetz – was ändert sich bei der Lohnabrechnung?

Aktuell gibt es viel Wirbel um das Wachstumschancengesetz. Welche Auswirkung ergeben sich auf die Lohnabrechnung und kommt das Gesetz noch Anfang 2024? Wir halten Sie auf dem Laufenden!

Update zum Wachstumschancengesetz vom 22.02.2024:

In Bezug auf das abgespeckte Wachstumschancengesetz gab es eine wichtige Entwicklung:
Zwar kam es im Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag am 21.2.2024 zu keiner echten Einigung zwischen den Parteien. Allerdings wurde mit den Stimmen der Ampel-Mehrheit ein Verhandlungsergebnis angenommen. Gleichzeitig ist die Zustimmung des Bundesrats noch nicht gesichert, da die Mehrheit im Ausschuss ohne die Zustimmung der Union zustande kam.
Die nächste Entscheidung steht am 22.3.2024 im Bundesrat an, wo erneut über das umstrittene Gesetz abgestimmt wird.


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Endlich ist das Wachstumschancengesetz am 17.11.2023 im Bundestag verabschiedet worden. Leider lässt aber die Zustimmung des Bundesrates noch auf sich warten.

Wir zeigen Ihnen im folgenden, welche Vielzahl von Gesetzesänderungen durch das Wachstumschancengesetz Auswirkungen auf die Lohnabrechnung haben und ob das Gesetz noch Anfang 2024 kommt. Weitere Änderungen in der Buchhaltung finden Sie hier.

Folgende Anpassungen dürfen Sie bei der Lohnabrechnung erwarten:

Anhebung der Verpflegungsmehraufwendungen und der amtlichen Sachbezugswerte für Verpflegung

Die Pauschalen für Verpflegungsmehraufwendungen nach § 9 (4) S.3 EStG werden wie folgt angehoben für:

  • jeden Kalendertag, an dem der Arbeitnehmer 24 Stunden von seiner Wohnung und ersten Tätigkeitsstätte abwesend ist, von 28 Euro auf 30 Euro;
  • den An- oder Abreisetag, wenn der Arbeitnehmer an diesem, einem anschließenden oder vorhergehenden Tag außerhalb seiner Wohnung übernachtet, von jeweils 14 Euro auf 16 Euro;
  • jeden Kalendertag, an dem der Arbeitnehmer ohne Übernachtung außerhalb seiner Wohnung mehr als acht Stunden von seiner Wohnung und ersten Tätigkeitsstätte abwesend ist, von 14 Euro auf 16 Euro.

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Betriebsveranstaltungen

Der Steuerfreibetrag für Betriebsveranstaltungen nach § 19 (1) Nr. 1a EStG soll von 110 Euro auf 150 Euro erhöht werden.

Versorgungsfreibetrag

Beginnend mit dem Jahr 2023 soll der anzuwendende Prozentwert zur Bemessung des Versorgungsfreibetrages nach § 19 Abs. 2 Satz 3 EStG nicht mehr in jährlichen Schritten von 0,8 Prozentpunkten, sondern nur noch in jährlichen Schritten von 0,4 Prozentpunkten verringert werden. Der Höchstbetrag soll ab dem Jahr 2023 um jährlich 30 Euro und der Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag um jährlich 9 Euro sinken.

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Rentenbesteuerung

Ab dem Jahr 2023 soll der Anstieg des Besteuerungsanteils gemäß § 22 Nr. 1 Satz 3 EStG für jeden neuen Renteneintrittsjahrgang auf einen halben Prozentpunkt jährlich reduziert werden. Demnach soll für die Kohorte 2023 der maßgebliche Besteuerungsanteil anstatt 83 Prozent nur noch 82,5 Prozent betragen und nach seinem kontinuierlichen jährlichen Aufwuchs erstmals für die Kohorte 2058 100 Prozent erreichen.

Altersentlastungsbetrag

Der verlangsamte Anstieg des Besteuerungsanteils soll im Bereich des Altersentlastungsbetrags § 24a Satz 5 EStG nachvollzogen werden. Mit der Anpassung soll ab dem Jahr 2023 der anzuwendende Prozentsatz nicht mehr in jährlichen Schritten von 0,8 Prozentpunkten, sondern von 0,4 Prozentpunkten verringert werden. Der Höchstbetrag soll beginnend mit dem Jahr 2023 um jährlich 19 Euro anstatt bisher 38 Euro sinken.

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Beiträge für eine Gruppenunfallversicherung

Arbeitgeber können die Beiträge für eine Gruppenunfallversicherung gemäß § 40b Abs. 3 EStG  mit einem Pauschsteuersatz von 20 Prozent erheben, wenn der steuerliche Durchschnittsbetrag ohne Versicherungssteuer 100 Euro im Kalenderjahr nicht übersteigt. Dieser Grenzbetrag soll mit Beginn zum Lohnsteuerabzug 2024 aufgehoben werden. Damit können Beiträge zu einer Gruppenunfallversicherung pauschal versteuert werden, unabhängig davon, wie hoch der Beitrag tatsächlich ist.

Fünftelregelung

Im Rahmen des Bürokratieabbaus soll die Berechnung der Fünftelregelung in der Lohnsteuer laut § 39 (3) S.9 u. 10 EStG aufgrund der Komplexität aufgehoben werden. Diese Tarifermäßigung des § 34 EStG kann aber – wie bisher – im Rahmen der Veranlagung zur Einkommensteuer geltend gemacht werden. Selten waren in der Vergangenheit die Berechnungen in der Lohnsteuer genauso exakt wie die Tatsächliche in der Veranlagung. Die Änderung ist erstmals für den Lohnsteuerabzug 2024 anzuwenden.

Was sagt der Bundesrat zum Wachstumschancengesetz? Gibt es weitere Verzögerungen?

Der Bundesrat hat in seiner Stellungnahme zu einigen Punkten Empfehlungen abgegeben. Diese wurden im verabschiedeten Gesetz nur teilweise berücksichtigt. Aus diesem Grund hat der Bundesrat den Vermittlungsausschuss angerufen. Der Vermittlungsausschuss wird jedoch aller Voraussicht nach erst nach 2023 tagen. Damit wird das Gesetz erst in und nicht Anfang 2024 in Kraft treten, auch wenn viele Änderung mit Beginn 01.01.2024 datiert sind.

Was bedeutet das Wachstumschancengesetz im Ergebnis für mich als Unternehmer?

Sollten das Wachstumschancengesetz tatsächlich beschlossen werden und 2024 in Kraft treten, so werden die Änderungen für die Rentenbesteuerung, den Altersentlastungsbetrag, den Versorgungsfreibetrag und die Fünftelregelung zu einem neuen Programmablaufplan für die Lohnsteuerberechnung führen. Voraussichtlich haben die Arbeitgeber dann den Lohnsteuerabzug rückwirkend ab Januar 2024 zu korrigieren. Eine Entlastung durch den Wegfall der Fünftelregelung ist jedoch ein leeres Versprechen. Die Lohnsteuerberechnung führt zwar keine ermäßigte Besteuerung mehr durch, die Verlagerung in die Einkommensteuerberechnung macht es jedoch notwendig, die nach der Fünftelregelung zu besteuernden Zahlungen in der Lohnsteuerbescheinigung gesondert auszuweisen. Damit müssen Arbeitgeber weiterhin die komplexe Beurteilung von Bezügen für mehrere Kalenderjahre durchführen
Durchweg positiv für Arbeitnehmer und Arbeitgeber wäre jedoch die Anhebung des Freibetrags für Betriebsveranstaltungen auf 150 Euro. Das Ergebnis des Vermittlungsausschusses bleibt jedoch abzuwarten.

Lesen Sie auch alle wichtigen Infos zum Wachstumschancengesetz in der Buchhaltung:

Wachstums­chancen­­­­gesetz – was ändert sich in der Buchhaltung für Unternehmer?

Überblick Lohnabrechnung zum Jahreswechsel

Alle wichtigen gesetzlichen Änderungen und weitere top-aktuelle Artikel zum Jahreswechsel finden Sie auf unserer Überblicksseite Jahreswechsel Lohnbuchhaltung 2023/2024.

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