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Wie gelingt die Nachfolge? Insights #5

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Unternehmensnachfolgen können an einer Vielzahl von Gründen scheitern. Die gute Nachricht ist: Die häufigsten Probleme lassen sich frühzeitig (er-)kennen und konkret angehen. Gerade für Jung-Nachfolger lohnt es sich, einen Blick über den eigenen Tellerrand zu werfen und die Erkenntnisse erfahrener Nachfolge-Unternehmer für sich zu nutzen.

Mit einem Family Office die Nachfolge vorbereiten

2008/09, als der Inhaber des Familienunternehmens Beutler Verpackungen, Kai Beutler, noch keine 50 Jahre alt war, riefen er und seine Frau Vera ein sogenanntes Family Office ins Leben. Mehrmals im Jahr luden sie in den kommenden Jahren die beiden Söhne Tim und Niclas ein, sich über den Familienbetrieb und dessen Strategien, über Investitionen und neue Produktfelder auszutauschen und weitreichendere Entscheidungen ab sofort gemeinsam zu treffen. Nachdem beide Söhne ihren Platz im Familienunternehmen gefunden hatten, ging Kai Beutler im vergangenen Jahr den nächsten Nachfolge-Schritt und gründete die Beutler-Holding GmbH, die Beteiligungen an den beiden Firmen der Familie und derzeit drei weiteren Unternehmen hält, an der die Familie mehrheitlich bzw. zu 50 Prozent beteiligt ist.

Mit der Holding hat Kai Beutler nicht nur den beiden Söhnen ihre Verantwortungsbereiche festgeschrieben, bei denen sie sich im Tagesgeschäft nicht ins Gehege kommen, sondern auch sich selbst eine Aufgabe für den Ruhestand geschaffen. Denn er ist „Unternehmer und Unternehmer wollen immer etwas tun“.

Verbindlichkeit wahren – auch innerhalb der Familie

Philipp Wilczek ist Nachfolger in zweiter Generation – vor zwei Jahren übernahm er das Familienunternehmen CTS (Composite Technologie Systeme), einen Anbieter und Installateur für Hochleistungskunststoffe in der Bauindustrie:

„Das Unternehmen in andere Hände zu geben, selbst wenn es die Hände des eigenen Sohnes sind, fällt schon schwer. Da kann es manchmal knistern oder sogar knallen. Trotzdem ist irgendwann wieder Weihnachten und man sitzt zusammen um den Baum, da ist Harmonie natürlich wünschenswert. Deswegen haben wir gemeinsam Seminare besucht und zu verschiedenen Zeitpunkten zwei Mediationen gemacht. Anfangs haben wir außerdem vieles mündlich besprochen und sind dann zum Schriftlichen übergegangen. Auch wenn wir als hanseatische Kaufleute natürlich zu unserem gesprochenen Wort stehen – schriftliche Vereinbarungen sind verbindlicher und lassen weniger Raum für Interpretation.“

Fingerspitzengefühl bei der Einführung von Innovationen an den Tag legen

Unternehmensnachfolge inmitten einer Pandemie – Heike Schneider-Jenchen hat gezeigt, dass es geht. Innerhalb eines Jahres gelang es ihr, die Aquaenergy GmbH neu auszurichten. Dafür bekam das Unternehmen den German Innovation Award im Bereich Machines & Engineering. Seit 15 Jahren entwickelt die Aquaenergy GmbH Lösungen zur chemiefreien Wasseraufbereitung in der Industrie, mittlerweile mit knapp 800 installierten Anlagen weltweit. Doch was braucht es als Unternehmensnachfolgerin, damit das Ankommen in einer fremden Branche und einer neuen Firma gelingt?

„Erst einmal ist es wichtig, ein gutes Fingerspitzengefühl im Umgang mit den eigenen Mitarbeitern zu haben. Wenn man

  1. niemanden überrumpelt,
  2. sie bei den Visionen mit abholt und
  3. sie dann auch noch dafür begeistern kann, dann funktioniert es.

Das bedarf auf jeden Fall viel und guter Kommunikation, damit alle zu jeder Zeit genau wissen, woran sie gerade sind. Auch ist es wichtig, Standvermögen zu haben, wenn mal Gegenwind aufkommt, und gleichzeitig auf das Feedback zu hören.“

Einen stabilen Ausgleich zum Unternehmertum schaffen

Thomas Gembler hat nach 5 Jahren Betriebszugehörigkeit die Tell Bau GmbH als alleiniger Geschäftsführer übernommen – ein vor 75 Jahren gegründetes, mittelständisches, breit aufgestelltes Bauunternehmen mit 350 Mitarbeitern an sechs Standorten zwischen Norden und Berlin und bis vor kurzem mehrheitlich in Familienbesitz.

Er sagt: „Für sich persönlich muss man einen stabilen Weg finden, neben der Arbeit und der Verantwortung auch ein privates Leben zu führen. Heute weiß man viel mehr um die Bedeutung einer Work-Life-Balance. Sie ist essenziell. Mir scheint, zu viele haben unter anderem noch Vorstellungen von 80-Stunden-Wochen. Das und das Maß an Verantwortung für andere Menschen schreckt sie ab, den Weg als Unternehmer zu gehen. Als Ostfriese vergleiche ich meinen Job gerne mit dem des Kapitäns auf einem Schiff. Man ist der erste Mann auf der Brücke und wenn es eng wird, ist man auch der letzte Mann auf der Brücke. Aber man hat das Steuer in der Hand, kann einen Kurs setzen und etwas bewegen. Management ist nicht nur eine Frage der Neigung, sondern auch erlernbar. Es braucht Mut, aber ist möglich.“

Hier geht es zu den individuellen Unternehmensnachfolge-Geschichten:

Geglückte Familiennachfolge bei Beutler Verpackungen – zu lesen in Vom Family Office zur Familien Holding – die Unternehmensnachfolge bei Beutler Verpackungen ist vorbereitet

Im Artikel Unternehmensnachfolge-Geschichten: Masterplan Digitalisierung erzählt Philipp Wilczek, wie er den Nachfolge-Prozess gemeinsam mit seinem Vorgänger und Vater plante und warum jede Herausforderung auch einen Mehrwert beinhaltet.

Unternehmensnachfolge-Geschichte: Aufbruch in neue Gewässer – In nur einem Jahr das übernommene Unternehmen neu auszurichten und dafür den German Innovation Award zu gewinnen – das ist Unternehmensnachfolgerin Heike Schneider-Jenchen gelungen.

Im Artikel Unternehmensnachfolge-Geschichten: Über die Sozialwissenschaften zum Unternehmer berichtet der Unternehmensnachfolger Thomas Gembler von seinem spannenden Werdegang, der ihn an die Spitze eines mittelständischen Bauunternehmens geführt hat.

 

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