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FAQ Mehrwertsteuererhöhung 

Auf dieser Seite haben wir Ihnen wichtige Antworten zum Konjunkturpaket der Bundesregierung zusammengestellt.

Die wichtigsten Antworten auf Ihre Fragen

Bitte beachten Sie die nachfolgenden Informationen dienen der allgemeinen Orientierung. Klicken Sie einfach auf die entsprechende Überschrift, um die Antworten zu sehen. 

Rechtshinweis: 
Die Inhalte wurden mit großer Sorgfalt recherchiert. Dennoch kann Sage keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen übernehmen. 

Inhaltsverzeichnis

1.0 Allgemeines zur Mehrwertsteuererhöhung
1.1 Was sind die Kernpunkte zur Mehrwertsteuererhöhung?
1.2 Wie ist der Stand des Gesetzgebungsverfahrens?
1.3 Was ist der Unterschied zwischen Mehrwertsteuer und Umsatzsteuer?
1.4 Wurden mit der Senkung automatisch alle Waren und Dienstleistungen billiger?

2.0 Steuerbehandlung
2.1 Wie wird mit dem verminderten Steuersatz im Übergangszeitraum verfahren?
2.2 Gibt es Unterschiede bei der Behandlung von Netto- und Bruttoversteuerung?
2.3 Welcher Stichtag gilt für die Berechnung der Umsatzsteuer?

3.0 Auswirkung auf Gutscheine, Rechnungen, Skonto, Pfand und Barverkaufssysteme
3.1 Wie wird mit Gutscheinen umgegangen?
3.2 Was muss bei der Rechnungseingangsprüfungen beachtet werden?
3.3 Was muss bei einem Skontoabzug beachtet werden?
3.4 Gilt der gesenkte Steuersatz auch für Pfandbeträge?
3.5 Gibt es eine Auswirkung auf das Barkassensystem?

4.0 Umgang mit Verträgen
4.1 Wie muss mit Jahresverträgen umgegangen werden?
4.2 Sind Leasing-Verträge betroffen?
4.3 Müssen Mietverträge angepasst werden?

5.0 Änderungen in der Buchhaltung
5.1 Müssen für die Umsatzsteuererhöhung die Besteuerungsgrundlagen angepasst werden?
5.2 Hat die Erhöhung Auswirkungen auf die UstVA?
5.3 Müssen die UStVA Kennziffern zur Umsatzsteuerverprobung angepasst werden?
5.4 Müssen Anpassungen zum Reverse Charge Verfahren vorgenommen werden?
5.5 Müssen die DATEV-Konstanten angepasst werden?

6.0 Fragestellungen zu HR Themen
6.1 Welche Auswirkungen gibt es bei Reisekostenabrechnungen?
6.2 Gilt der verminderte Steuersatz auch bei PKW Überlassung?
6.3 Wie wirkt sich die Steuersenkung auf Jahresbonuszahlungen von Mitarbeitern aus?

7.0 Rechnungsstellungen von Sage
7.1 Umgang mit Rechnungen von Sage an Kunden und Business Partner
7.2 Umgang mit Provisionszahlungen an Business Partner

8.0 Weiterführende Themen
8.1 Bauleistungen
8.2 Unterliegen Mitgliedsbeiträge auch den verminderten Steuersätzen?
8.3 Gibt es Änderungen in der Anlagenbuchhaltung?
8.4 Was ist mit Handwerkerleistungen, die über einen längeren Zeitraum anfallen?

 

1.0 Allgemeines zur Mehrwertsteuererhöhung

Dieses FAQ behandelt verschiedene allgemeine Anwendungsfragen zum Thema Mehrwertsteuererhöhung. 

Sage bietet zu den jeweiligen Produkten produktbezogene Leitfäden, Assistenten oder Online-Updates an, die Sie im jeweiligen Sage Produkt bei den Änderungen unterstützen und die wir regelmäßig aktualisieren. Weitere Informationen finden Sie auch direkt in Ihrem Sage Produkt unter den Produktneuigkeiten.

1.1 Was sind die Kernpunkte zur Mehrwertsteuererhöhung? 

  • Eine befristete Senkung des Regelsteuersatzes zwischen dem 1. Juli für sechs Monate von 19 auf 16 Prozent bis zum 31.Dezember. 
  • Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz, der u.a. für Grundnahrungsmittel, Presseerzeugnisse und Übernachtungen galt, wurde von sieben auf fünf Prozent gesenkt und wird ab dem 31.
  • Dezember wieder erhöht. 
  • Die Steuersenkung endet am 31. Dezember 2020.
  • Gastronomiebetriebe erhalten eine Senkung der Umsatzsteuer für Speisen in der Gastronomie von 19 auf 7 Prozent, befristet vom 01. Juli 2020 bis 30. Juni 2021.

1.2 Wie ist der Stand des Gesetzgebungsverfahrens?

Die zeitweise Senkung der Umsatzsteuer wurde im Rahmen des "Zweiten Corona-Steuerhilfegesetz" vorgenommen, mit dem die zeitkritischen Änderungen des Konjunkturpakets umgesetzt wurden. Demnach wurden in § 28 UstG eine befristete Steuersenkung auf 16% bzw. 5% aufgenommen, die am 31.12.2020 endet. 

Ab dem 01.01.2021 gelten die in § 12 UStG genannten Steuersätze von 7% bzw. 19% erneut. 

BMF-Schreiben

Das begleitende BMF-Schreiben wurde am 01.07.2020 veröffentlicht. Dieses Schreiben können Sie hier einsehen. Ein weiteres BMF-Schreiben in Bezug auf die Mehrwertsteuererhöhung können Sie hier einsehen. 

1.3 Was ist der Unterschied zwischen Mehrwertsteuer und Umsatzsteuer?

Beide Bezeichnungen meinen dasselbe. Von der Mehrwertsteuer ist oft umgangssprachlich die Rede, weil es um die Besteuerung des geschaffenen Mehrwerts geht. Der Begriff steht auch auf manchen Rechnungen oder Quittungen. 
Der steuerrechtlich korrekte Fachbegriff lautet jedoch Umsatzsteuer, weil der Umsatz von Waren und Dienstleistungen besteuert wird. 

1.4 Wurden mit der Senkung automatisch alle Waren und Dienstleistungen billiger?

Die Händler und Dienstleister sollten die niedrigere Umsatzsteuer grundsätzlich an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergeben, so dass Waren und Dienstleistungen billiger wurden. Die Unternehmen waren dazu jedoch nicht verpflichtet. 

 
 

2.0 Steuerbehandlung

2.1 Wie wird mit dem verminderten Steuersatz im Übergangszeitraum verfahren?

Die verminderten Steuersätze gelten nur für Leistungen, die im Zeitraum vom 01.07. bis 31.12.2020 ausgeführt werden. Hierbei spielt der Zeitpunkt des Vertragsabschlusses, der Rechnungsstellung oder der erfolgten Zahlung eine wichtige Rolle. 
Beispielsweise entfällt auf Anzahlungen, die vor dem 01.07. erstellt wurden, deren Leistung jedoch im Übergangszeitraum ausgeführt werden, das gesamte Entgelt auf den verminderten Steuersatz. Dies muss auf der Schlussrechnung berücksichtigt werden.

2.2 Gibt es Unterschiede bei der Behandlung von Netto- und Bruttoversteuerung?

Nettoversteuerung 
Beispiel: Kunde hat ein Angebot eingeholt, die Dienstleistung wird aber erst in der zweiten Jahreshälfte ausgeführt: Sind im Angebot die Einzelposten ausgewiesen - also der Nettobetrag sowie die Umsatzsteuer aufgeführt – verringert sich der Endpreis für den Kunden. Die Firma stellt den geringeren Umsatzsteuersatz in Rechnung.
Bruttoversteuerung
Beispiel: Anders sieht es bei einem „Bruttoangebot“ aus, aus dem sich die einzelnen Posten nicht ergeben, sondern nur der Endpreis. Bleibt die Firma der Dienstleistung bei ihrem Endpreis, muss sie die Steuersatzsenkung nicht an den Kunden weitergeben.

Beispiel:

Sage FAQ Mehrwertsteuer Brutto Netto

2.3 Welcher Stichtag gilt für die Berechnung der Umsatzsteuer?

Entscheidend ist in der Regel, wann eine Ware geliefert oder eine Dienstleistung vollständig erbracht ist. Der Umsatzsteuersatz, der zu diesem Zeitpunkt gilt, ist anzuwenden.
Beispiele zur Ermittlung des Steuersatzes 

Sage FAQ Mehrwertsteuer Leistungserbringung

 

3.0 Auswirkung auf Gutscheine, Rechnungen, Skonto, Pfand und Barverkaufssysteme

 

3.1 Wie wird mit Gutscheinen umgegangen?

Seit Januar 2019 wird nicht mehr von Wert- und Sachgutscheinen gesprochen, sondern von Mehrzweck- und Einzweckgutscheinen.

  • Einzweckgutschein: 
    Bei einem Einzweckgutschein steht der Ort der Lieferung bzw. sonstigen Leistung und deren Umsatzsteuersatz bereits fest. Die Umsatzsteuer fällt hier bereits mit Ausstellen des Gutscheins an.

  • Mehrzweckgutschein:
    Alle anderen Gutscheine fallen unter die Bezeichnung Mehrzweckgutschein und die Umsatzsteuer fällt erst mit dem Einlösen des Gutscheins an.

Beispiele für unterschiedliche Branchen:

  • Restaurants/Gastronomie
    Wird beispielsweise vom Restaurant ein Gutschein für Essen und Getränke ausgegeben und kein „Außer-Haus-Verkauf“ unterhalten, stehen Ort der Leistungserbringung (Gasträume) und Umsatzsteuersatz (Regelsatz 19%) fest: Der Gutschein ist ein Einzweckgutschein, die Umsatzsteuer ist mit Ausgabe fällig. Handelt es sich bei dem Unternehmen jedoch um einen Gasthof mit angeschlossener Hofmetzgerei und ist der Gutschein für beides gültig, dann ist dieser als Mehrzweckgutschein zu betrachten und umsatzsteuerlich erst beim Einlösen relevant.
  • Hotels/Pensionen
    Bei einer Gutscheinausgabe, bei der die Übernachtung für zwei Personen inklusive Frühstück in einer bestimmten Zimmerkategorie umfasst, ist dies ein Einzweckgutschein: Zwar werden Übernachtung und Verpflegung umsatzsteuerlich unterschiedlich behandelt, die Verteilung des 19% Regelsatzes und 7% Regelsatzes steht jedoch bereits fest. Die Umsatzsteuer wird mit Ausgabe des Gutscheins fällig.
    Anders sieht es für Gutscheine im Sinne von „100 Euro für unsere Hotelleistungen“ aus: Bei Ausgabe ist nicht klar, wie der Inhaber den Gutschein einlösen wird (Übernachtung, Essen, Wellness…). Der Zeitpunkt der Umsatzbesteuerung richtet sich nach der Einlösung.
  • Freizeitbranche
    Hier geht es meist um Einzweckgutscheine – aber es gibt Besonderheiten: Der Gutschein für eine Rafting-Tour ist ein Einzweckgutschein; ein allgemeiner Gutschein für ein Event-Unternehmen kann aber ein Mehrzweckgutschein sein, wenn z.B. auch Konzerte (7% MwSt.) zum Angebot gehören.
     

3.2 Was muss bei der Rechnungseingangsprüfungen beachtet werden?
Lieferantenrechnungen sollten im Übergangszeitraum nur die verminderte Umsatzsteuer beinhalten. 

3.3 Was muss bei einem Skontoabzug beachtet werden?

Entscheidend ist der Zeitpunkt der Rechnungsstellung:
  • Wird aus einer Rechnung, die VOR Beginn des Übergangszeitraums erstellt wurde, IM Übergangszeitraum Skonto gezogen, kann bei Skontoabzug der bislang anzuwendende Steuersatz gezogen werden. 
  • Wird aus einer Rechnung, die WÄHREND der Steuersenkung erstellt wurde, NACH dem Ende des Übergangszeitraums Skonto gezogen, kann bei Skontoabzug der verminderte Steuersatz gezogen werden. 

Beispiel: 

Sage FAQ Mehrwertsteuer Skontoabzug

3.4 Gilt der gesenkte Steuersatz auch für Pfandbeträge?
Ja, auch für Flaschenpfandgeld oder Transportmittel (z.B. Paletten) gilt die gesenkte Umsatzsteuer. 

3.5 Gibt es eine Auswirkung auf das Barkassensystem?

Sämtliche Kassensysteme sind auf die Erhöhung der Steuersätze ab dem 01.01.2021 umzustellen.
Bedingt durch die Kritik aus dem Einzelhandel, das Auszeichnen neuer Preise sei für ein halbes Jahr zu aufwendig, erklärte das Wirtschaftsministerium, dass die Preisschilder nicht alle geändert werden müssten. 
 
Händler und Anbieter von Dienstleistungen können während der vorübergehenden Senkung der Umsatzsteuer von der bestehenden Ausnahmemöglichkeit des § 9 Absatz 2 PAngV Gebrauch machen. Es können pauschale Rabatte an der Kasse gewährt werden, ohne die Preisauszeichnung zum Beispiel sämtlicher Regale im Übergangszeitraum ändern zu müssen.
 

 

4.0 Umgang mit Verträgen

4.1 Wie muss mit Jahresverträgen umgegangen werden?

Bei Dauerleisten, die beispielsweise in Form eines Jahresvertrages ausgestaltet sein können, empfiehlt es sich, die umsatzsteuerliche Beurteilung mit dem steuerlichen Berater abzustimmen, da die Anwendung des richtigen Steuersatzes von der genauen Vertragsregelung abhängt. 

So stellen beispielsweise Abonnements oder Wartungsvertragsrechnungen, die als Jahresvertrag im Voraus bezahlt werden, umsatzsteuerlich eine einheitliche Leistung dar, die am Ende des Leistungszeitraums als ausgeführt gilt. 

Besonders zu prüfen ist hierbei, neben der Berichtigung der Mehrwertsteuer auch die Anpassung des Abrechnungsdokuments. Folgen können sich aus §14c (1) UStG ergeben, das Schulden des Mehrbetrags aufgrund eines unrichtigen Ausweises. Die Frage einer jedoch eventuell verpflichtenden Preisanpassung hat wiederum zivilrechtliche Bedeutung und ergibt sich damit nicht aus den Vorgaben das Umsatzsteuerrechts.

Eine besondere Betrachtung innerhalb der Dauerleistung empfiehlt sich für Teilleistungen. Wird eine Dauerleistung nicht insgesamt für den vereinbarten Leistungszeitraum, sondern für kürzere Zeitabschnitte (z. B. Vierteljahr, Kalendermonat) abgerechnet, liegen insoweit Teilleistungen im Sinne des § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchstabe a Satz 3 UStG vor. Dies gilt ebenso für unbefristete Dauerleistungen, soweit diese für bestimmte Zeitabschnitte abgerechnet werden.

Ein Beispiel hierfür wären Wartungsvertragsrechnungen, die zwar in Form eines Jahresvertrages abgeschlossen wurden, aber bspw. monatliche Entgeltvereinbarungen enthalten.

Auch hier richtet sich die Ausführung der Teilleistung, der gleichen Maßgabe wie eine Dauerleistung. Soweit Teilleistungen erbracht werden, entsteht die Umsatzsteuer für die Teilleistungen, die bis zum 30.06.2020 erbracht wurden noch mit den bisherigen Steuersätzen 19% bzw. 7%. Die Teilleistungen, die in der zweiten Jahreshälfte erbracht werden, unterliegen den Steuersätzen 16% bzw. 5%. Ab dem 01.01.2021 gelten wieder die Steuersätze 19% bzw. 7%.

Beispiele für Dauerleistungen 

Sage FAQ Mehrwertsteuer Dauerleistungen

4.2 Sind Leasing-Verträge betroffen?

Wird im Übergangszeitraum eine Leasing-Sonderzahlung vorgenommen, ist diese entsprechend auf den verminderten Satz zu zahlen.

4.3 Müssen Mietverträge angepasst werden?

Ja, Mietverträge sind für den Steuersenkungszeitraum anzupassen, sofern sie als Rechnungen fungieren. 

Hinweis: Mietumsätze sind grundsätzlich umsatzsteuerfrei. Bei gewerblichen Mietverträgen kann der Vermieter auf diese Freiheit verzichten. Der Vermieter führt dann die Umsatzsteuer ab. Der Mieter kann sie als Vorsteuer geltend machen.

 

5.0 Änderungen in der Buchhaltung

5.1 Müssen für die Umsatzsteuererhöhung die Besteuerungsgrundlagen angepasst werden?

In einigen Sage Produkten mussten neue Steuercodes vorhanden sein, um Geschäftsvorfälle mit 16% und 5% buchhalterisch erfassen zu können. Mit der Erhöhung sind solche Besteuerungsgrundlagen anzulegen, die dazu erforderlich sind, ab dem 01.01.2021 Belege und Buchungen mit den neuen Steuersätzen erstellen zu können.

Wichtig: Sofern am 01.07.2020 neue Steuercodes für 5% und 16% angelegt wurden, erscheint es zunächst naheliegend die bereits vorhandenen und bis zum 30.06.2020 gültigen 7% und 19% Steuercodes erneut zu verwenden. In einigen Sage Produkten wurde hierzu eine entsprechende Erweiterung der Steuercodelogik implementiert, die ein zeitlich begrenztes Aussetzen der Gültigkeit eines Steuercodes bewirkt. Ohne diese Funktionserweiterung raten wir davon ab, die Gültigkeit bestehender Steuercodes 7% und 19% nachträglich auf den 01.01.2021 zu verändern, da ansonsten Vorgänge und Buchungsbewegungen auf Steuercodes vorhanden sind, die durch die Neudefinition (bspw. SC 101 = 19% mit Gültigkeit ab 1.1.2021) in den Altzeiträumen noch nicht gültig waren. Stimmen Sie sich hierzu im Zweifel bitte mit Ihrem Business Partner bzw. mit dem Professional Service von Sage ab.

5.2 Hat die Erhöhung Auswirkungen auf die UstVA?

Die Muster der Vordrucke im Umsatzsteuer-Voranmeldungsverfahren werden von der Finanzverwaltung in Form eines BMF-Schreibens veröffentlicht. Dort enthalten sind Eingabezeilen für Umsätze und Steuerbeträge der Steuersachverhalte. Umsatzsteuervoranmeldungskennziffern enthalten die einzelnen Werte.

In der Umsatzsteuervoranmeldung 2021 werden die gleichen Kennziffern für die Übermittlung der 7% bzw. 19% Sachverhalte verwendet, wie bis zum 30.06.2020.

5.3 Müssen die UStVA Kennziffern zur Umsatzsteuerverprobung angepasst werden?

Es wurden keine neuen UStVA Kennziffern im Rahmen der Steuererhöhung eingeführt. 7% und 19% Geschäftsvorfälle werden im Veranlagungsjahr 2021 in den bereits im Jahr 2020 angebotenen UStVA Kennziffern gemeldet.
Somit ist keine Änderung erforderlich.

5.4 Müssen Anpassungen zum Reverse Charge Verfahren vorgenommen werden?

Die seit Juli gültigen, neu angelegten Steuerkennzeichen für steuerbare „Reverse-Charge“ Eingangsleistungen (Verlagerung Steuerschuldnerschaft) sowie innergemeinschaftliche Erwerbe für den Übergangszeitraum müssen angepasst warden.

5.5 Müssen die DATEV-Konstanten angepasst werden?

Die DATEV-Konstanten müssen Sie nur dann anpassen, wenn Sie eine DATEV-Übergabe an Ihren Steuerberater durchführen. Die Änderungen dürfen jedoch erst exakt zum 01.01.2021 erfolgen, wenn alle vorherigen Perioden an DATEV übergeben worden sind.

 

6.0 Fragestellungen zu HR Themen

6.1 Welche Auswirkungen gibt es bei Reisekostenabrechnungen?

Aufgrund der neuen Steuersätze benötigen die Unternehmen neue Kennzeichen für Spesen.
Bei Buchungen von Übernachtungen oder Bahnfahrten, die in den Zeitraum ab dem 01.07.2020-31.12.2020 fallen, muss bei Vorabzahlung der verminderte Steuersatz beachtet werden.
Bei der Reisekostenabrechnung muss z.B. bei Hotelübernachtung oder dem Bahnticket darauf geachtet werden, dass die Steuersatzänderungen sowohl den Regel- als auch den ermäßigten Steuersatz betreffen. 

6.2 Gilt der verminderte Steuersatz auch bei PKW Überlassung?

Ja, bei PKW-Überlassung an Mitarbeiter gilt für den Zeitraum der Steuersenkung der verminderte Steuersatz von 16%. Ab dem 01.01.2021 gilt wieder der Steuersatz von 19%.

6.3 Wie wirkt sich die Steuersenkung auf Jahresbonuszahlungen von Mitarbeitern aus?

Bei Jahresboni muss der Bonus in Leistungen bis zum 30.06. und Leistungen ab dem 01.07. aufgeteilt werden. Ab dem 01.01.2020 gilt dann wieder der Regelsteuersatz. 

 

7.0 Rechnungsstellungen

7.1 Umgang mit Rechnungen von Sage an Kunden und Business Partner

Unsere Wartungs- und Support- sowie Subskriptionsvereinbarungen stellen eine Dienstleistung im Sinne einer Dauerleistung dar. Die Dienstleistung gilt umsatzsteuerlich am Ende des Zeitraums als ausgeführt. Aufgrund der Gesetzesänderung greift für die gesamte Dienstleistung nachträglich der Steuersatz von 16%, sofern diese zwischen dem 01.07.2020 und 31.12.2020 endet.

Sofern die vereinbarte Leistung in diesem Zeitraum endet (August 2020 bis Dezember 2020) erhalten Sie von Sage einen Gutschriftsbeleg über die zu viel berechnete Umsatzsteuer. Dieser Beleg verweist auf den Ursprungsbeleg (Hinweis auf Rechnungsnummer), enthält einen Erläuterungstext und weist den Korrekturbetrag aus, der gutgeschrieben wird. Dieser Beleg wird zum Ende des vereinbarten Leistungszeitraums zur Verfügung gestellt. Siehe Beispiel 1

Belege, deren Leistungszeitraum im Juli 2020 enden, werden durch Sage nicht korrigiert mit Verweis auf die Vereinfachungsregel gemäß Randziffer 3.12 des BMF-Schreibens.

Siehe hierzu Beispiel 2.

Grundlage bildet das BMF-Schreiben vom 30. Juni 2020

  • Beispiel 1 (Leistungszeitpunkt/ tax point in den Monaten August bis Dezember 2020):

  • Eine Dauerleistung (Dienstleistung; keine Teilleistungen) umfasst den Zeitraum vom 01.10.2019 bis 30.09.2020. Das Entgelt wurde im Voraus berechnet und vereinnahmt, wobei korrekterweise der Steuersatz von 19% herangezogen wurde. Die Dienstleistung gilt umsatzsteuerlich am Ende des Zeitraums, d.h. am 30.09.2020 als ausgeführt (tax point). Aufgrund der Steuersenkung greift für die gesamte Dienstleistung nachträglich der Steuersatz von 16%.

  • Die Korrektur der Steuerberechnung darf laut BMF jedoch erst im September 2020 (tax point) erfolgen und ist entsprechend in der Umsatzsteuervoranmeldung für den Monat September 2020 zu berücksichtigen. Es wird ein ergänzendes Dokument ausgestellt werden, welches spezifisch auf die ursprüngliche Rechnung verweist und differenten Steuerbetrag ausweist.

  • Beispiel 2 (Leistungszeitpunkt/ tax point im Monat Juli 2020):

  • Eine Dauerleistung (Dienstleistung; keine Teilleistungen) umfasst den Zeitraum vom 01.08.2019 bis 31.07.2020. Das Entgelt wurde im Voraus berechnet und vereinnahmt, wobei korrekterweise der Steuersatz von 19% herangezogen wurde. Die Dienstleistung gilt umsatzsteuerlich jedenfalls als am 31.07.2020 ausgeführt (tax point). D.h. für gesamte Dienstleistung gilt der Steuersatz von 16%.

  • Aufgrund der Vereinfachungsregel gemäß Randziffer 3.12 ist jedoch keine Korrektur erforderlich. Es bleibt bei der Besteuerung des Umsatzes mit 19%. Auch der Vorsteuerabzug beim Kunden muss nicht korrigiert werden.
  • Beispiel 3 (Leistungszeitpunkt/ tax point ab Januar 2021):
  • Eine Dauerleistung (Dienstleistung; keine Teilleistungen) umfasst den Zeitraum vom 01.07.2020 bis 30.06.2021. Das Entgelt wurde im Voraus berechnet und vereinnahmt, wobei korrekterweise der Steuersatz von 19% herangezogen wurde. Die Dienstleistung gilt umsatzsteuerlich am Ende des Zeitraums, d.h. am 30.06.2021 als ausgeführt (tax point). Daher gilt hier der Steuersatz von 19%.

7.2 Umgang mit Provisionszahlungen an Business Partner

Wir als Sage GmbH (SAGE) rechnen im Gutschriftverfahren über sonstige Leistungen unsere Business Partner ab. Die Abrechnung findet einmal im Monat oder auf individueller Basis statt. 

Mit Ihnen als Business Partnern ist im Rahmen von individuellen Verträgen vereinbart, dass ihre Leistung („Vermittlung und Betreuung“) erst dann erfolgreich erbracht ist, wenn 

a) bei neuen Kunden: der Vertrag zwischen SAGE und dem Kunden zustande kommt und der Kunde die Leistung der SAGE im Voraus bezahlt hat.
b) bei Bestandskunden: der Vertrag zwischen SAGE und dem Kunden nicht durch den Kunden gekündigt wird und der Kunde die Leistung der SAGE im Voraus bezahlt hat.

Beispiel 1:

SAGE rechnet gegenüber dem (Bestands-) Kunden den Leistungszeitraum 01. August 2020 bis 31. Juli 2021 am 03. August 2020 ab. Der Kunde zahlt am 01. September 2020 den vollständigen Rechnungsbetrag.

Beispiel 2:

SAGE rechnet gegenüber dem (Bestands-) Kunden den Leistungszeitraum 01. Dezember 2020 bis 30. November 2021 am 01. Dezember 2020 ab. Der Kunde zahlt am 01. Januar 2021 den vollständigen Rechnungsbetrag.

Umsatzsteuerliche Behandlung

Abweichend von den Bestimmungen im § 87 HGB ist aufgrund einzelvertraglicher Vereinbarung für die Bestimmung des Zeitpunkts der sonstigen Leistung des Business Partners nicht auf den vermittelten Umsatz abzustellen, sondern auf den Zeitpunkt, in dem der (Vermittlungs-) Erfolg eingetreten ist, also im Monat der Zahlung des Entgelts durch den Endkunden an SAGE.

Für die oben aufgeführten Beispiele bedeutet dies:

a) Die Zahlung des Kunden erfolgt am 01. September 2020. Damit ist die Leistung des Business Partners am 01. September 2020, oder vereinfachend im September 2020, erbracht. Die Gutschrift von SAGE an den Business Partner ist mit dem Umsatzsteuersatz von 16% auszustellen.

b) Die Zahlung des Kunden erfolgt am 01. Januar 2021. Damit ist die Leistung des Business Partners am 01. Januar 2021, bzw. vereinfachend im Januar 2021, erbracht. Die Gutschrift von SAGE an den Business Partner ist mit dem Umsatzsteuersatz von 19% auszustellen. 

Der Vollständigkeit halber weisen wir darauf hin, dass bei Leistungen zwischen Unternehmern mit Leistungszeitraum Juli 2020 von der Übergangsregelung der Textziffer 3.12 des BMF-Schreibens zur temporären Umsatzsteuersatzreduzierung vom 30. Juni 2020 Gebrauch gemacht werden kann, d.h. diese Leistungen können noch mit dem Umsatzsteuersatz von 19% abgerechnet werden.

 

8.0 Weiterführende Themen

8.1 Bauleistungen

Bei Bauleistungen gibt es häufig die Besonderheit, dass die Leistung erst dann als erbracht gilt, wenn das gesamte oder Teile des Bauvorhabens vom Auftraggeber abgenommen wurden. 
Es empfiehlt sich entsprechende Vereinbarungen zwischen den Vertragsparteien zu treffen bzw. nachzuholen, um Teilleistungen, die in den Zeitraum 01.07.2020 bis 31.12.2020 fallen, mit dem Regelsteuersatz von 16% abrechnen zu können.
Wurden bereits Anzahlungen vor dem 01.07.2020 mit 19% abgerechnet, die Bauleistung wird aber zwischen dem 01.07.2020 und 31.12.2020 erbracht, unterliegt die gesamte Leistung dem neuen Steuersatz von 16%.

8.2 Unterliegen Mitgliedsbeiträge auch den verminderten Steuersätzen?

Ja, auch Mitgliedsbeiträge zum Kalenderjahr unterliegen in 2020 den verminderten Steuersätzen, da die Mitgliedschaft bis 31.12.2020 als an diesem Tag vollendet gilt.

8.3 Gibt es Änderungen in der Anlagenbuchhaltung?

Durch die Wiedereinführung der degressiven Afa bei Anlagegütern, wird eine degressive Abschreibung für Abnutzung (AfA) mit dem Faktor 2,5 gegenüber der derzeit geltenden AfA und maximal 25% Prozent pro Jahr für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens in den Steuerjahren 2020 und 2021 eingeführt.

8.4 Was ist mit Handwerkerleistungen, die über einen längeren Zeitraum anfallen? 

Auf Handwerkerleistungen, die in der Zeit vom 1. Juli 2020 bis zum 31. Dezember 2020 beendet werden, sind grundsätzlich die neuen Umsatzsteuersätze anzuwenden.