Unternehmensnachfolge

Früh übt sich: Unternehmensnachfolge in jungen Jahren

Vom Studium in den Chefsessel? Was wie ein Plot für einen Hollywood-Film klingt, ist für junge Unternehmensnachfolger Realität: Viele wagen schon in ihren Zwanzigern den Schritt in eine Übernahme eines bestehenden Betriebs. Was dabei zu beachten ist und warum Fehler sowieso passieren (sollten) – jetzt lesen und inspirieren lassen.

Unternehmensnachfolge lernen

Es ist eine Reise voller Herausforderungen und Chancen: von der Bewältigung der Erwartungen älterer Generationen bis hin zur Implementierung eigener Visionen – diese Aufgabe erfordert nicht nur Mut und Entschlossenheit, sondern auch ein feines Gespür für Führung und Innovation.

Raus aus dem Studium, rein in den Chefsessel

Wenn Tradition auf Innovation trifft und Erfahrung auf frischen Wind, entsteht eine spannende Dynamik – besonders in der Welt der Unternehmensnachfolge. Das liegt nicht zuletzt am Altersunterschied zwischen Übergebern, die oft schon im Renteneintrittsalter sind, und Übernehmern. Das Durchschnittsalter von Unternehmensnachfolgern lag 2023 laut Nachfolgemonitor bei 38 Jahren. Aber es gibt viele, die schon deutlich früher in ihrer Karriere den Sprung in die Übernahme wagen. Kann es gelingen, sich direkt nach Ausbildung oder Studium ans Steuer eines Unternehmens zu setzen mit Verantwortung für eine ganze Belegschaft? Ja, wenn junge Unternehmer sich die folgenden Punkte zu Herzen nehmen.

Nachfolge statt Gründung: So schöpfen junge Nachfolger die Vorteile aus

Es gibt vielfältige Gründe dafür, dass junge Talente sich bewusst für eine Unternehmensnachfolge statt Neugründung entscheiden. Einer davon ist das Potenzial und die Stärke des deutschen Mittelstands. Es gibt zahlreiche profitable kleine und mittelständische Unternehmen mit erfolgreichen und nachhaltigen Geschäftsmodellen, die auf der Suche nach Nachfolgern sind. Noch dazu ist die Übernahme weniger risikobehaftet als die Gründung eines Unternehmens. Und: Hier ist es möglich, echten Mehrwert zu liefern, die Prozesse zu modernisieren und zu digitalisieren und den Betrieb fit für die Zukunft zu machen. Wer das erkennt und schon früh den Schritt wagt, profitiert nicht nur von einem selbstbestimmten, erfüllenden Job, sondern kann sich zudem sicher sein, einen wertvollen Beitrag zur allgemeinen Wirtschafts- und Innovationskraft zu leisten.

Damit das gelingt, sind vor allem drei Punkte von zentraler Bedeutung:

    • Erstens ebnen eine gründliche Recherche und Analyse den Weg zu einer erfolgreichen Übernahme. Junge Nachfolger machen sich am besten frühzeitig bewusst, welche Vorstellungen sie etwa von der Größe, den Finanzen, der Marktstellung und Kundenbasis des Unternehmens haben und prüfen die potenziellen Betriebe daraufhin sorgfältig.

    • Dabei ist, zweitens, ein starkes Netzwerk aus Mentoren, Unterstützern und engen Beratern von unschätzbarem Wert.

    • Wenn es dann tatsächlich zur Übernahme kommt, zählt in allen Bereichen drittens: Kommunikation ist alles. Wer transparent mit den eigenen Wissenslücken umgeht, von Anfang an das Team einbezieht und nach und nach Vertrauen aufbaut, hat die besten Karten für eine nachhaltig erfolgreiche Unternehmensnachfolge.

Keine Angst vor Fehlern: Warum Misserfolge Gold wert sind

Vollkommen glatt verläuft eine Übernahme nur selten. Viele, vor allem junge Nachfolger haben anfangs mit Gegenwind aus der eigenen Belegschaft zu kämpfen und müssen sich den nötigen Respekt als Führungskraft erst hart erarbeiten. Auch die Sorge, die Fußstapfen der vorherigen Geschäftsführung nicht füllen zu können, kann belasten. Wenn das Unternehmen sehr auf Tradition bedacht ist, kann es zudem schwierig sein, festgefahrene Strukturen zu erneuern.

Junior-Unternehmensnachfolger haben daher oft Angst, etwas falsch zu machen. Doch keine Sorge – das wird sowieso passieren. In den meisten Fällen ist es aber eben kein Rück-, sondern sogar ein Fortschritt, eine neue Erkenntnis und eine Chance für das Unternehmen. Eine gesunde Fehlerkultur fängt schon bei der Art und Weise an, wie Unternehmer eigene Missgeschicke oder die von Mitarbeitern betrachten: Es sind keine Umwege, sondern womöglich sogar Abkürzungen zum Ziel. Denn je früher Fehler passieren, desto früher findet auch die dadurch gewonnene Erkenntnis ihren Platz in der Geschäftsstrategie.

Vom Branchen-Neuling zur Geschäftsführung – mit viel Lernbereitschaft

Branchenkenntnis, ein bestehendes Netzwerk oder eine Ausbildung im entsprechenden Bereich sind kein Muss, um ein bestehendes Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Viel wichtiger sind die Bereitschaft, sich der neuen Herausforderung zu stellen, der offene Umgang mit den eigenen Wissenslücken und die Lust, bisherige Erfahrungen in einem neuen Umfeld auszubauen. Das hebt Synergien, von denen alle Seiten nur profitieren können.

Also, Junior-Nachfolgerinnen und -Nachfolger, aufgepasst: Es kommt nicht immer darauf an, was man mitbringt, sondern wie man das nutzt, was man mitbringt. Das Gute an der Unternehmensnachfolge ist, dass es nicht von Null losgeht: Es gibt bereits ein wertvolles Netzwerk und unendlich viel Wissen im Betrieb. Daher ist es wichtig, Lernbereitschaft zu zeigen und nicht von oben herab Änderungen durchzusetzen, sondern zunächst auf die eigenen Mitarbeiter und den Übernehmer zu hören, sich von ihnen schulen zu lassen und am besten auch externe Beratung und Weiterbildung in Anspruch zu nehmen.

Die fachlichen Skills sind eine Sache der Übung – das Mindset muss stimmen. Hier bringen gerade jüngere Unternehmensnachfolger von Natur aus eine gesunde Portion Neugier, Offenheit und Innovationskraft mit. Wer also zukunftsgerichtete Ideen im Gepäck hat und dabei dennoch das bereits vorhandene Wissen nutzt und wertschätzt, hat beste Chancen auf eine erfolgreiche Übernahme.

Vier junge Talente, die es vormachen: Jetzt Podcast hören

Benedikt Lausberg, Stephan Grund, Dina Reit und Katharina Koch sind der beste Beweis dafür, dass eine Unternehmensnachfolge in jungen Jahren tatsächlich gelingen kann. Wir haben die wertvollsten Erkenntnisse und Tipps aus diesen vier einzigartigen Perspektiven zu einer neuen Podcast-Collage vereint. Jetzt reinhören!