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Zu zweit im Chefsessel: Die Vorteile einer Doppelspitze bei der Unternehmensnachfolge

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Unternehmensnachfolge Doppelspitze Unternehmensführung Chefsessel geteilt

Im klassischen Unternehmensnachfolge-Modell übergibt der Senior-Unternehmer seine Verantwortung an einen Nachfolger – doch heutzutage gibt es vielseitige Varianten der Übergabe. Eine davon ist die sogenannte „Tandemführung“: Nicht einer, sondern zwei Nachfolger übernehmen das Unternehmen gemeinsam und teilen sich den Chefsessel als Team. Ein solches Doppelspitzen-Modell hat viele Vorteile, sowohl in der (familien-)internen als auch in der externen Nachfolge – von der Aufgabenteilung, über die Zusammenführung von Know-how bis hin zur besseren Vereinbarkeit mit der eigenen Familienplanung. Bei diesen Unternehmen funktioniert die Tandemführung gut und hat ganz konkrete Vorzüge für die Nachfolge!

Familienunternehmen: Hier ziehen die Geschwister an einem Strang

Geschwisterpaare sind bekanntlich oftmals sehr unterschiedlich – vielleicht ergänzen sie sich deshalb so gut als Führungsduo. Zumindest scheint es in vielen Familienunternehmen Trend zu sein, dass die Geschwister die Firma gemeinsam übernehmen: So planen zum Beispiel Marie-Luise Raumland und ihre Schwester Katharina Raumland, sich die Geschäftsführung ihres von den Eltern übernommenen Sekthauses langfristig zu teilen – eine kümmert sich um Marketing und Vertrieb, die andere ist näher an der Sektverarbeitung. Zu zweit kann man manchmal sogar viel mehr bewegen, als allein: Die Schwestern Laura und Maren Grondey haben seit ihrer Übernahme des Familienunternehmens Siemer Verpackungen den Betrieb vollständig auf Nachhaltigkeit umgestellt.

Work-Life-Balance: Doppelspitzen unterstützen die Vereinbarkeit mit der Familie

Die Tandemführung kann speziell für den Anteil an Frauen in der Unternehmensnachfolge eine Chance sein: So führt Next-Generation-Award-Preisträgerin Larissa Zeichhardt das Familienunternehmen LAT in zweiter Generation gemeinsam mit ihrer Schwester Arabelle Laternser weiter. Eine Doppelspitze zu bilden, ist einer ihrer konkreten Praxis-Tipps für Gründerinnen und Unternehmensnachfolgerinnen: Es habe viele Vorteile, wenn man sich gegenseitig auch mal ersetzen kann. Dadurch ist es möglich, sich die nötigen Auszeiten für das eigene Privatleben, Beziehungen und die Familie zu nehmen.

Anderes Beispiel: Die Schwestern Viktoria und Kristin Fuchs. Die selbst ernannten „jungen Füchse“ übernahmen das Traditionshotel „Spielweg“ im Schwarzwald von einem Tag auf den anderen, als ihr Vater Karl-Joseph Fuchs plötzlich erkrankte. Für sie wäre es ohne die Aufteilung der Führung eine große Herausforderung, an ein und demselben Ort zu wohnen und zu arbeiten. Sie haben eine klare Aufteilung und ergänzen sich somit ideal in der Geschäftsführung: Gemeinsam meistern sie den Spagat zwischen Tradition und Innovation. Ohne die jeweils andere und die ganze Familie im Rücken sei das nicht möglich, geben sie zu.

Die Führung aufteilen und vom gegenseitigen Know-how profitieren

Aber auch für die externe Nachfolge bietet ein Tandemführungsmodell eine Menge Chancen. „Die WeiterMacher“ Andreas Weigel und Manuel Friedmann machten sich ganz bewusst zu zweit auf die Suche nach einem Unternehmen, das sie übernehmen könnten. Aus ihrer Sicht hat es nur Vorteile, die Führung aufzuteilen – nicht nur ist jederzeit jemand zur Stelle, sollte einer der beiden Geschäftsführer mal ausfallen, sondern auch die Diskussionen gestalten sich lösungsorientierter, wenn sich zwei Chefs mit verschiedenen Blickwinkeln einbringen. Das sieht auch Unternehmerin Christiane Wolff ähnlich, die ohne vertiefte Branchenkenntnisse das Handwerksunternehmen Crafty mitgründete. In Folge 7 des #SageNachfolgePlaner-Podcasts erzählt sie davon, wie bereichernd die Zusammenarbeit mit ihrem Geschäftspartner und Mitgründer Jens Zabel ist. Die beiden kommen aus verschiedenen Branchen und bringen unterschiedliche Erfahrungen mit. So ergänzen sie sich und spornen sich gegenseitig an, für das gemeinsame Unternehmen alles zu geben. Die Gründerin würde jedem zu einem Doppelspitzen-Modell raten, der die eigenen Kompetenzen um die eines zweiten Geschäftsführers erweitern will.

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Jederzeit im Austausch: Mehr Perspektiven, mehr Lösungen

Immer wieder betonen Expertinnen und Experten der Unternehmensnachfolge, wie wichtig der Austausch zwischen Führungskräften ist: ob zwischen den Generationen, zwischen Unternehmerkindern oder auch speziell zwischen Frauen in Führungspositionen. Doch in der aktiven Geschäftsführung bleibt nicht immer viel Zeit für Networking oder Branchenveranstaltungen mit Gleichgesinnten. Die Tandemführung kann hier eine große Chance sein. In diesem Modell ist ein intensiver Austausch zwischen den Geschäftsführern jederzeit und im eigenen Büro möglich. Beide bringen unterschiedliche Perspektiven und Ideen mit – so setzen sie den Anspruch auf Diversität und Innovation schon auf Führungsebene um.

Fazit: Die Tandemführung als Nachfolge-Modell der Zukunft

Eine Doppelspitze bietet also Vorteile in verschiedenen Bereichen der Unternehmensnachfolge: In Familienunternehmen erhalten dadurch gleich zwei Unternehmerkinder die Möglichkeit zur Übernahme und können sich ergänzen. Für Frauen auf dem Weg in Führungspositionen bietet das Modell mehr Flexibilität, Sicherheit und die bessere Vereinbarkeit mit der Familie. Denn Frauen sind heute immer noch mit Karriere und Familie oft mehr belastet als Männer. Nicht zuletzt ermöglicht die Geschäftsführung im Duo schließlich auch kreative Lösungen dank multiperspektivischem Austausch – zu zweit lässt sich so die Innovation und Diversität im Unternehmen schneller vorantreiben.