Unternehmensnachfolge

Die Handwerksbranche boomt – wie sieht es mit Nachfolgern aus?

Immer mehr Unternehmen stehen im Handwerk zum Verkauf. Warum werden Übernahmen in diesen Branchen für potenzielle Käufer attraktiver?

Das Thema Unternehmensnachfolge wird im Handwerk immer relevanter. Zum einen stehen immer mehr Betriebe vor einer Übergabesituation, zum anderen erfolgen tatsächlich immer mehr Übernahmen. So ist im Jahr 2021 die Anzahl der Übernahmen um 30 Prozent gestiegen, während sie in den Jahren zuvor zurückgegangen war. Das zeigt unter anderem, dass die Corona-Pandemie keinen hemmenden Faktor hierfür darstellt.

Insbesondere die Branchen Heizung-Klima-Sanitär sowie Elektrotechnik konnten 2021 Übernahmen verzeichnen, unter anderem weil hier ein besonders großer Fachkräftemangel herrscht. Aber auch in anderen Branchen lohnt sich gerade jetzt eine Übernahme. Denn die Betriebe stehen nicht zuletzt wegen des demografischen Wandels vor immer größeren Herausforderungen, den passenden Nachfolger zu finden. So wandelt sich die Übergabe im Handwerk von einem Verkäufer- zu einem Käufermarkt.

Quelle: nachfolgemonitor.de

Immer mehr Betriebe stehen zum Verkauf

In den nächsten fünf Jahren werden 125.000 Handwerksbetriebe bundesweit zur Nachfolge zur Verfügung stehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Handwerkswesen. Dies liegt zum einen daran, dass immer mehr Inhaber in Rente gehen und zum anderen daran, dass 30 Jahre nach der Wiedervereinigung auch viele Betriebe in Ostdeutschland dazukommen. Dort liegt laut Nachfolgemonitor Handwerk 2022 das durchschnittliche Übergabealter der Altinhaber mit um die 65 Jahre zudem deutlich höher als im Westen Deutschlands – und auch höher als in anderen Branchen. Die Übernehmenden sind im Schnitt 38,3 Jahre alt.

Die Branche, in der die meisten Arbeitsplätze durch Nachfolge gesichert werden konnten, ist die Backbranche (15,6 Prozent) gefolgt von der Gas-, Wasser-, Heizungsbranche (9,2 Prozent) und Elektroinstallation (7,1 Prozent).

Frauenanteil im Handwerk steigt

Auch für Übernehmerinnen ist der Handwerksmarkt attraktiv. So ist der Frauenanteil im Jahr 2021 stark angestiegen, liegt mit 16 Prozent allerdings noch deutlich unter dem Anteil in anderen Branchen. Jedoch zeigt sich auch hier, wie in anderen Branchen, eine deutlichere Tendenz zu Neugründungen anstatt zu Übernahmen. Laut Nachfolgemonitor erklärt sich das unter anderem damit, dass Frauen tendenziell eher in kreative Berufe, wie Maßschneiderei oder Konditorei, gehen. Die entsprechenden Unternehmen sind damit enger an den Inhaber gebunden.

Quelle: nachfolgemonitor.de

Umsatzentwicklung nach der Übernahme

Laut Nachfolgemonitor Handwerk entwickelt sich der Umsatz nach Übernahme in der Baubranche am besten, gefolgt von Kfz und verarbeitendem Gewerbe. Bezüglich der Geschlechter erzielen Übernehmerinnen mit Steigerungen um die sechs Prozent ein Drittel von dem, was männliche Nachfolger mit 15 Prozent nach der Übernahme erzielen. Allerdings ist hierbei zu berücksichtigen, dass Männer meist größere Unternehmen übernehmen als Frauen.

Zur weiteren Entwicklung des Unternehmens nach der Übernahme wurde für die Studie auch der EBIT zwei Jahre vor und nach der Übernahme verglichen. Diesbezüglich gibt es teils nur geringfügige Schieflagen mit Ausnahme des Baugewerbes, wo der Gewinn deutlich zurückgegangen ist. Insgesamt liegt bei den übernommenen Betrieben der Umsatz zwei Jahre nach der Übernahme im Schnitt 60 Prozent über dem des Niveaus zwei Jahre vor der Übernahme.

Zwischen den Geschlechtern gibt es langfristig gesehen kaum Unterschiede. In beiden Fällen fällt der Umsatz nach der Übernahme zunächst ab, erholt sich dann aber wieder. Zwar können Männer ihn zunächst steigern, dafür gelingt es Frauen besser, das Abfallen des Umsatzes aufzufangen. Zudem übernehmen Frauen in der Regel nachhaltig ertragsstärkere Betriebe.

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Interne und externe Übernahmen im Handwerk

Übernommen werden beispielsweise, wie in anderen Branchen auch, entweder Familienbetriebe von den nachfolgenden Generationen – ein Modell, das sich in der Corona-Krise wieder vermehrt bewährt hat – oder Unternehmen durch externe Nachfolger. Beides bringt sowohl Vorteile als auch Herausforderungen mit sich.

So sind bei familiären Übernahmen häufig auch innerfamiliäre Strukturen ein Faktor, der die Übernahme zwischen Eltern und Kindern komplizierter machen kann. Darüber hinaus kommen unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft des Geschäfts, unter anderem gerade beim Handwerk, zum Tragen. Das kann auch Zimmermeister Benjamin Stocksiefen, der das Unternehmen Holzbau Stocksiefen von seinem Vater übernommen hat, aus Erfahrung bestätigen: „Den Erwartungen meines Vaters konnte ich damals nicht gerecht werden“, sagt der Unternehmer heute. Er musste die Rollen zunächst mit seinem Vater neu definieren, um seine Vision vom Geschäft umzusetzen.

Wenn es um externe Nachfolger geht, so stellt sich im Gegensatz zur Familienübernahme häufig die Frage, wie Übernehmende und Unternehmen zusammenfinden. Hiervon sollten sich Suchende jedoch nicht abschrecken lassen, da mittlerweile verschiedene Nachfolgebörsen existieren, an die sie sich wenden können. Auch Fachmagazine oder Handwerksportale sind diesbezüglich eine Anlaufstelle, die außerdem weiterführende Informationen zur Verfügung stellen.

Mut zur Übernahme im Handwerk

Aufgrund der sich selbst in Krisenzeiten positiv entwickelnden Zahlen und Übernahmeprozesse sollten sich (angehende) Unternehmer trauen, Handwerksbetriebe zu übernehmen. Dafür spricht nicht zuletzt auch die große Auswahl an Betrieben im Vergleich zur Anzahl Nachfolgeinteressierter. Diese ist deutlich geringer, weswegen Übernehmer mehr als je zuvor die Möglichkeit haben, sich den passenden Betrieb bezüglich Größe, Standort und Branche auszusuchen. Die Prognosen legen zudem nahe, dass der Trend auch die nächsten Jahre noch anhalten wird.

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