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New Work und Digitalisierung: Die Pandemie verändert die Arbeitswelt

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Mobiles Arbeiten New Work Home Office

Seit dem weltweiten Ausbruch von Covid-19 sind Videokonferenz- und Kollaborationstools gefragt wie nie zuvor. Das Arbeiten im Home-Office hat sich bewährt, viele Unternehmen denken bereits darüber nach, diese Option dauerhaft anzubieten. Generell wächst die Offenheit für flexible Arbeitsmodelle, die Mitarbeitern mehr Freiraum bieten, aber auch mehr Eigenverantwortung fordern. Diese Kernelemente von „New Work“ gewinnen in der aktuellen Situation erheblich an Relevanz. Aber auch auf längere Sicht führt in Zeiten von Digitalisierung und Globalisierung daran kein Weg mehr vorbei. Lesen Sie hier, wie „New Work“ unser tägliches Arbeiten verändern wird.

Destillerien stellten Desinfektionsmittel her, Autobauer produzierten Beatmungsgeräte, Textilfirmen fertigten Atemschutzmasken: Die Corona-Krise hat gezeigt, wie schnell sich kreative und unkonventionelle Lösungen umsetzen lassen. Um die Betriebsprozesse so flexibel umstellen zu können, braucht es allerdings eine funktionierende Infrastruktur. In Zeiten, in denen eine vollständige Anwesenheit der Mitarbeiter im Unternehmen nicht gewährleistet ist, können virtuelle Kollaborationstools, digitale Vertriebswege und neue Technologien wie Cloud Computing als wirksame Hebel dienen, um die Handlungsfähigkeit von Unternehmen aufrechtzuerhalten. Der deutsche Mittelstand ist hier schon auf einem guten Weg: Laut dem Digitalisierungsindex 2019/20, den Techconsult im Auftrag der Deutschen Telekom erstellt hat, kamen mittelständische Firmen auf 56 von 100 möglichen Punkten und damit auf einen Indexpunkt mehr als im Vorjahr. Die aktuelle Situation hat den Druck, den digitalen Wandel im Eiltempo voranzutreiben, jedoch weiter erhöht.

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Erfolgsmodell Home Office

Wegen der Kontaktbeschränkungen der letzten Monate konnten sich viele Unternehmen größtenteils nur virtuell mit Kunden, Zulieferern und ihren Mitarbeitern austauschen. Einer Umfrage von Gartner zufolge haben 88 Prozent der Unternehmen weltweit ihre Mitarbeiter ermutigt oder aufgefordert, in den eigenen vier Wänden zu arbeiten. Ähnlich in Deutschland: Laut einer  Erhebung des IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) waren im April und Mai mehr als die Hälfte der Büroangestellten zumindest zeitweise im Home Office tätig, fast jeder zweite von ihnen ausschließlich. Für zahlreiche Firmen bedeutete diese Umstellung eine enorme Herausforderung: Oft musste die IT-Infrastruktur für das mobile Arbeiten auf breiter Basis erst implementiert werden.

Größere Offenheit für neue Technologien

Unternehmen können mithilfe von modernen Tools aber auch ihre Prozesse aufrechterhalten und so ihre Handlungsfähigkeit sicherstellen. Zudem sind unkonventionelle Ideen und neue digitale Geschäftsmodelle leichter und schneller umsetzbar. Insgesamt ist das Verständnis für neue Technologien in den letzten Monaten enorm gestiegen. Millionen von Beschäftigten haben erlebt, wie leicht der Sprung in die digitale Zukunft ist – auch ohne aufwändige Schulungen und Change-Programme. Der Home-Office-Trend beweist, wie leicht Veränderungen umzusetzen sind, wenn kein Weg daran vorbeiführt. Wenn die Krise überstanden ist, wird der digitale Fortschritt deshalb die neue Normalität sein.

New Work bedeutet mehr als Home Office

Große Konzerne – Twitter ist hierfür nur ein Beispiel – haben bereits angekündigt, dass sie ihren Mitarbeitern die Option auf Home-Office dauerhaft anbieten werden. Generell haben die meisten Unternehmen erkannt, dass ein großer Teil der Büroarbeit genauso gut zu Hause erledigt werden kann. Der Einsatz von Videokonferenz- und anderen Kollaborationslösungen wird daher in Zukunft selbstverständlich sein. Unternehmen haben damit nicht nur die Möglichkeit, die Zahl der Geschäftsreisen zu reduzieren. Sie können ihre Arbeitsabläufe auch insgesamt effizienter gestalten. So belegt eine vor zwei Jahren veröffentlichte Studie der Stanford University, dass Home-Office sogar produktiver ist als das Arbeiten im Büro. Und schließlich können Betriebe bei ihren Mitarbeitern punkten. Denn die Mehrheit der Home-Office-Worker begrüßt die neue Freiheit und Flexibilität, wie eine Umfrage der Technischen Hochschule Köln von Anfang April belegt.

„New Work“ ist mehr als nur Home-Office

Aber bedeutet der Siegeszug von Home-Office nun auch, dass „New Work“ – also die neue Arbeitswelt, die speziell von den Generationen Y und Z seit Jahren eingefordert wird – schon in vollem Umfang Realität geworden ist? Nicht ganz. Mit der selbstverständlichen Nutzung von Collaboration-Technologien werden die Grundlagen jedoch gerade geschaffen – und zwar nicht nur in technischer Hinsicht. Auch andere Merkmale von New Work, die den Beschäftigten mehr Eigenverantwortung und Gestaltungsspielraum einräumen, dürften durch den Erfolg des Home Office einen Schub erfahren.

„New Work“ bedeutet Individualisierung und Flexibilisierung

Ob Work-Life-Balance, Co-Working-Spaces, agiles Projekt-Management, Transparenz, Feedback-Kultur oder flache Hierarchien: Die lange diskutierte Vision einer Arbeitswelt, die von Flexibilität, Freiraum und Selbstverwirklichung geprägt ist, nimmt, beschleunigt durch die Pandemie, langsam Gestalt an. Nicht nur Unternehmen beginnen zunehmend, ihre Strukturen dahingehend anzupassen. „New Work“ als Idee von stärkerer Individualisierung und Flexibilisierung von Arbeitsprozessen beginnt auch, das traditionelle Modell des festen Angestelltenverhältnisses sukzessive zu verändern.

„Gigs“ statt dauerhafter Festanstellung

Der Wunsch vieler Arbeitnehmer, selbstbestimmter zu arbeiten, wird auch an der steigenden Zahl von Freelancern deutlich. Vor allem die Vertreter der jüngeren Generationen wollen sich nicht mehr langfristig an ein Unternehmen binden, wie es über Jahrzehnte hinweg üblich war. In den USA könnten bereits 2027 mehr als die Hälfte aller Arbeitskräfte freiberuflich tätig sein. Auch der deutsche Markt verzeichnet einen Anstieg der so genannten Gig Economy: Laut dem Institut für freie Berufe der Universität Erlangen waren im vergangenen Jahr 1,4 Millionen Menschen freiberuflich tätig, das sind 36 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.

Gig Economy als Chance für Unternehmen

Kleinere und mittlere Unternehmen können von diesem Trend durchaus profitieren – indem sie die Energie und Kreativität der Freelancer fokussiert lenken und an ihren Zielen ausrichten. Vor allem aber können sie flexibel auf Arbeitskräfte wie Softwareentwickler zugreifen, die für das Angestelltenverhältnis zunehmend schwer zu gewinnen sind. Diese kommenden dann bei ihren Auftraggebern projektbezogen zum Einsatz, werden für Meetings per Chat oder Videokonferenz zugeschaltet und nach Tagessätzen bezahlt.

Vertrauen und Eigenverantwortung als zentrale Werte in einer neuen Arbeitswelt

Wenn nun immer mehr Unternehmen und deren Mitarbeiter Home-Office als Selbstverständlichkeit und zeitgemäße Gestaltungsmöglichkeit von Arbeit betrachten und gleichzeitig auch eine zunehmende Zahl an Menschen freiberuflich tätig sein möchte, so zeigt sich darin sehr deutlich, dass es sich bei den Kernaspekten von New Work – Vertrauen und Eigenverantwortung – nicht um weltfremde Idealvorstellungen der jüngeren Generationen handelt. Es sind vielmehr realistische Werte, die zu mehr Motivation und Zufriedenheit führen – und am Ende letztlich zu besseren Ergebnissen.

Auch die Firmenkultur muss sich ändern

Allerdings setzt die neue Arbeitswelt auch eine entsprechende Unternehmenskultur voraus. Führungskräfte, die bislang nie über Home-Office oder den Einsatz freier Mitarbeiter nachgedacht hatten oder solchen Themen sogar ablehnend gegenüberstanden, beginnen vor diesem Hintergrund allmählich, traditionelle Arbeitsmodelle zu überdenken. Sie nähern sich New Work sukzessive an, werden offener für flexible Arbeitsmodelle – und letzten Endes auch bereit für den damit einhergehenden Wertewandel.

Home Office nicht als Notfallplan betrachten, sondern als Beginn einer neuen Zeit

Das ist vor allem im Hinblick auf die fundamentalen Veränderungen in der Arbeitswelt von entscheidender Bedeutung: Digitalisierung, Globalisierung, demografischer Wandel, Fachkräftemangel, sowie der Übergang zur Wissensgesellschaft und die Frage nach der Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit erfordern neue Ansätze und Möglichkeiten. Vor diesem Hintergrund sollten Unternehmen die Verlagerung von Tätigkeiten ins Home Office nicht als zeitlich befristeten Notfallplan für Krisenzeiten verstehen. Sondern als den Beginn einer neuen Arbeitskultur, die sie in Zeiten disruptiver Veränderungen zukunfts- und wettbewerbsfähig macht und mit der sie sich entsprechend ihren jeweiligen Bedürfnissen auch qualifizierte Fachkräfte sichern können.

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