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Quiet Quitting-Trend: Es ist Zeit Tacheles zu reden und zuzuhören!

HR-Management und Payroll

Quiet Quitting-Trend: Es ist Zeit Tacheles zu reden und zuzuhören!

Das Phänomen ist nachweislich nicht neu, aber aktuell dank der Verbreitung über bekannte Social Media Kanäle in aller Munde: „Quiet Quitting“ – die stille Kündigung. Nicht zu verwechseln mit der sogenannten inneren Kündigung, von der wir reden, wenn Beschäftigte sich gedanklich bereits auf den Pfad der beruflichen Neuorientierung begeben haben.

„Quiet Quitters“ sind nicht kurz vor dem Absprung, aber sie sind auch nicht (mehr) bereit, sich für ihren Job über das vertraglich vereinbarte Maß hinaus zu verausgaben. Die emotionale Bindung an das Unternehmen hält sich in Grenzen. Konkret bedeutet das: Sie machen ihre Arbeit, aber große Begeisterung für die übergeordneten Unternehmensziele kommt nicht auf.

Gemäß der Erhebung des Markt- und Meinungsforschungsinstitutes Gallup erfüllten im Jahr 2021 rund 69 % der Beschäftigten in Deutschland die Kriterien, um als „Quiet Quitters“ eingeordnet zu werden – im Gegensatz zu den Beschäftigten, die großes Engagement zeigen (rd. 17 %). Laut Gallup kommen mit rund 14 % diejenigen hinzu, die bewusst noch weniger leisten als vertraglich vereinbart ist.

In Anbetracht des akuten Arbeitskräftemangels stellt das eine beachtliche Herausforderung dar. Viele Unternehmen sind in der aktuellen Situation darauf angewiesen, fehlendes Personal auch durch das Engagement vorhandener Mitarbeiter zu kompensieren. Damit ist nicht vorrangig die Bereitschaft für die Leistung von Überstunden gemeint. Engagierte Mitarbeiter arbeiten generell produktiver, lösen Probleme zielstrebiger und sind bereit, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und perspektivisch mehr Verantwortung zu übernehmen.

Wenn dieses Engagement fehlt, wird es schwierig, den Unternehmenserfolg dauerhaft sicherzustellen. Insofern sollten sich alle Personalverantwortlichen die Frage stellen, wie sie dem Phänomen des Quiet Quittings in ihrem Unternehmen sinnvoll begegnen können. Hier kann es helfen, zunächst einmal genauer auf die Ursachen zu schauen, die den Beschäftigten das Quantum Begeisterung und Engagement für die sogenannte „Extrameile“ rauben – also aus eigener Überzeugung zum Unternehmenserfolg beitragen zu wollen.

Wie entsteht eigentlich Quiet Quitting?

Da gibt es zum einen die Generation Z und ihre Nachfolger, denen gerne nachgesagt wird, dass sie keine Leistungsbereitschaft mehr kennen. Vielleicht sind sie aber auch mit der Erkenntnis groß geworden, dass sich die Leistungsbereitschaft ihrer Eltern zwar finanziell ausgezahlt hat, aber in vielen Fällen mit der eigenen Gesundheit oder dem Abhandenkommen eines intakten Familienlebens bezahlt wurde. Hier werden heutzutage andere Maßstäbe gesetzt, über die eine gewisse Verständigung zwischen älteren und jüngeren Generationen hergestellt werden muss.

Und es gibt weitere Faktoren für nachlassendes Mitarbeiterengagement, die keinesfalls den jüngeren Generationen vorbehalten sind: Chronische Über- oder Unterforderung bei der Arbeit ist ein großer Motivationskiller. Wer ständig Stress erlebt, weil die Anforderungen zu hoch oder nicht klar genug formuliert sind, wird aus reiner Notwehr irgendwann abstumpfen und innerlich abschalten. Wer unterfordert ist oder immerzu die gleichen Tätigkeiten ausführen soll, entwickelt gar nicht erst die richtige innere Betriebstemperatur, um sich engagieren zu können und zu wollen. Auch mangelnde Perspektiven für die eigene berufliche und persönliche Weiterentwicklung innerhalb eines Unternehmens können einen ursprünglich engagierten Mitarbeitenden auf Dauer ausbremsen.

Ein weiteres Problemfeld ist fehlende Anerkennung – sowohl im monetären als auch im übergeordneten Sinne. Wer seine Arbeit gerne ausübt und durchaus bereit ist, mehr als nur Dienst nach Vorschrift zu machen, darf auch von seinem Arbeitgeber erwarten, dass dieser das Engagement und die Leistung wahrnimmt und angemessen würdigt. Das kann eine besondere Vergütung oder ein Entgegenkommen an andere Stelle sein, es kann aber auch schon helfen, einfach mal ehrlich Danke zu sagen.

Fehlt es an verlässlichen Vorbildern im Unternehmen, kann auch dies dazu führen, dass das Engagement der Mitarbeitenden auf Dauer nachlässt. Wenn diese erleben, dass das gewünschte Engagement nur von ihnen geleistet wird und nicht für Management und Unternehmensleitung gilt, wird die eigene Leistungsbereitschaft über kurz oder lang in Frage gestellt und auf Dauer wahrscheinlich versiegen. Natürlich besteht in diesen Fällen auch die Gefahr einer tatsächlichen Kündigung, aber bis dahin ist zunächst einmal mit einem Nachlassen der Motivation, der Produktivität und der Zielstrebigkeit zu rechnen. Das sollte spätestens der Moment für gezielte Gegenmaßnahmen sein.

Reden ist manchmal eben doch Gold

Wie so oft – reden hilft. Suchen Sie als Führungskraft das Gespräch mit Ihren Mitarbeitenden, um herauszufinden, wo sich die Menschen in Ihrem Unternehmen in Bezug auf ihr Engagement selbst verorten und sprechen Sie mit ihnen darüber, wenn Sie ein anderes Bild haben. Gehen Sie den Ursachen gemeinsam auf den Grund und nehmen Sie die Anliegen Ihrer Mitarbeitenden ernst. Damit bereiten Sie den Boden dafür, dass auch Sie gehört und ernst genommen werden. Das wiederum eröffnet die Chance, die eigenen Unternehmensziele klarer und deutlicher zu vermitteln und weckt so im besten Fall die erwünschte Begeisterung für ein gemeinsames Miteinander.

Ein regelmäßiges Gespräch auf Augenhöhe, dass aber tunlichst nicht den offiziellen Namen „monatliches Mitarbeitergespräch“ trägt, kann Wunder wirken. Erzählen Sie Ihrer Belegschaft nicht nur zu Weihnachten, wie wichtig alle für das Unternehmen sind, sondern werben Sie kontinuierlich für sich und ihre Unternehmensziele und laden Sie immer wieder alle ein, daran mitzuwirken, dass diese Ziele auch erreicht werden können. Wenn dann noch die restlichen Rahmenbedingungen stimmen (klares Anforderungsprofil, vernünftiger Arbeitsplatz, angemessene Entlohnung), dann steht der Auflösung des Schreckgespenstes „Quiet Quitting“ nichts mehr im Wege. Viel Erfolg dabei!