HR-Management und Lohnbuchhaltung

Flexible Arbeitszeitmodelle im Überblick

Im dynamischen Arbeitsmarkt der Zukunft ist Flexibilität so wichtig wie nie. Doch welche flexiblen Arbeitszeitmodelle gibt es eigentlich und welche Vor- und Nachteile bringen diese mit sich? Wir gehen in diesem Artikel darauf ein.

Die Anpassung von Arbeitszeitmodellen spielt in der modernen Arbeitswelt eine entscheidende Rolle. Getrieben von Konzepten wie New Work und beschleunigt durch anhaltende Krisen der letzten Jahre gewinnt die Flexibilität in der Arbeitszeitgestaltung zunehmend an Bedeutung. Im Mittelpunkt stehen nicht nur unternehmerische Vorteile, sondern auch die Zufriedenheit und Produktivität der Mitarbeiter – denn über 70 Prozent wünschen sich Flexibilität im Job. Wir werfen einen Blick auf zehn flexible Arbeitszeitmodelle der Zukunft.

Unternehmerische Vorteile von flexiblen Arbeitszeitmodellen

Die Einführung flexibler Arbeitszeitmodelle bietet nicht nur Chancen für Arbeitnehmer, sondern hat auch aus Sicht kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) zahlreiche Vorteile:

  • Flexibilität in der Betriebsführung: Reaktion auf saisonale Marktschwankungen und Verlängerung von Service- und Öffnungszeiten durch flexible Personaleinsatzplanung.
  • Mitarbeiterzufriedenheit und Produktivität: Richtig umgesetzt führt Flexibilität zu zufriedeneren und motivierteren Mitarbeitern, reduziert Fehlzeiten und Stress.
  • Attraktiver Arbeitgeber: Im Fachkräftemangel positionieren sich Unternehmen als attraktive Arbeitgeber, gewinnen qualifizierte Mitarbeiter und binden diese langfristig.
  • Fokus auf Ziele und Ergebnisse: Wenn es im Unternehmen in erster Linie um die Erreichung von Zielen statt um bloße Arbeitszeit geht, spornt das die Mitarbeiter zu mehr Effizienz an.

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10 Arbeitszeitmodelle in der Übersicht

Das klassische Arbeitszeitmodell ist bekannt: 40 Stunden in der Woche zu festen Zeiten, mit festen Pausen und in Anwesenheit. Das hat heute in vielen Branchen mehr oder weniger ausgedient, vor allem im Informations- und Kommunikationssektor und in der IT.  Auf dem Vormarsch sind flexible Arbeitszeitmodelle. Zu den heute schon gut bekannten und etablierten gehören Teilzeit, Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit, Home-Office, Funktionszeit und Jahresarbeitszeit. Immer beliebter werden aber auch Job-Sharing, Workation, Remote Work und die 4-Tage-Woche. Das sind die Besonderheiten, Grenzen und Vor- und Nachteile der jeweiligen Modelle:

Teilzeit

Das Teilzeitmodell besteht aus einer langfristig verringerten Stundenzahl, die meist flexibel auf die Woche einteilbar ist. Einen klaren Vorteil bietet dabei die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Nach der Elternzeit, einer längeren Krankheit oder Auszeit kann das Modell den Wiedereinstieg in den Job für alle Seiten erleichtern. Die Personalplanung ist zwar etwas aufwändiger, aber dem lässt sich durch klare Absprachen und Regelungen vorbeugen.

Gleitzeit

Gleitzeit bietet eine variable Arbeitszeit innerhalb einer definierten Gleitzeitspanne, oft in Kombination mit einer Kernarbeitszeit. Das heißt, die Angestellten können sich frei einteilen, wann sie mit der Arbeit beginnen, solange sie zur Kernarbeitszeit im Einsatz und erreichbar sind. Dies ermöglicht ihnen die flexible Gestaltung ihres Arbeitstages, reduziert den Pendelstress und erlaubt die Teilnahme an privaten Terminen. Für Führungskräfte und Personalentscheider ist es jedoch wichtig, Überstunden im Blick zu behalten.

Vertrauensarbeitszeit

Vertrauensarbeitszeit setzt auf zielorientiertes Arbeiten, bei dem Mitarbeiter ihre Zeiteinteilung weitgehend selbst verantworten. Dies fördert Eigenverantwortung, Effizienz und unternehmerisches Denken. Klare und vor allem realistische Zielvereinbarungen sind hierbei entscheidend, um Überlastungen zu vermeiden.

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Funktionszeit

Im Modell der Funktionszeit gibt es keine festen Arbeitszeiten, sondern sogenannte Funktionszeiten, in denen bestimmte Abteilungen funktionsfähig sein müssen. Wie sie diese umsetzen und wer wann im Einsatz ist, entscheiden die direkten Kollegen unter sich. Dies erfordert also eine effektive Teamkommunikation und verringert die Abhängigkeit von individuellen Arbeitszeiten.

Jahresarbeitszeit

Die Jahresarbeitszeit legt die Arbeitszeit auf das Jahr statt auf die Woche oder den Monat fest, bei gleichbleibender monatlicher Lohnzahlung. Dieses Modell ermöglicht eine flexible Anpassung an Auftragsschwankungen und saisonale Schwankungen, was besonders für Unternehmen spannend ist, deren Geschäft das Jahr über stark variiert. Es erfordert jedoch auch eine sorgfältige Steuerung des Zeitbudgets, da in den aktiven Phasen ein Risiko der Überlastung für die Mitarbeiter besteht.

Home-Office

Home-Office-Regelungen ermöglichen es Mitarbeitern, ihre Arbeitszeit ganz oder teilweise von zu Hause aus zu leisten. Die Vorteile liegen im Einsparen des Arbeitswegs, geringerer Umweltbelastung, oftmals erhöhter Produktivität durch ungestörtes Arbeiten und einer verbesserten Work-Life-Balance. Dabei ist jedoch auf eine gute technische Ausstattung und regelmäßigen persönlichen Austausch zu achten, um auch aus der Distanz gute Beziehungen zwischen Kollegen und zu Führungskräften zu pflegen.

Job-Sharing

Job-Sharing ist eine Form der Teilzeitarbeit, bei der sich zwei Angestellte eine Position teilen. Das birgt Potenziale in der Entlastung, der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und der Nutzung ergänzender Qualifikationen. Die Harmonie zwischen den Partnern und die erfolgreiche Einarbeitung von gleich zwei Fachkräften statt nur einer sind hierbei entscheidend.

Workation oder Workaway

Das immer beliebter werdende Modell der sogenannten Workation – eine Zusammensetzung der Wörter „Work“ (Arbeit) und „Vacation“ (Urlaub) – ermöglicht das Arbeiten in einer Urlaubsumgebung oder auch während eines Familienbesuchs. Dies schafft für die Fachkräfte einen Tapetenwechsel und fördert kreative Ideen. Allerdings erfordert es Vertrauen von Seiten der Führungskräfte und eine entsprechende technische Ausstattung am Urlaubsort.

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Remote Work

Bei Remote Work arbeiten Angestellte flexibel von verschiedenen Orten aus, sei es von zu Hause, auf Reisen, im Café, Hotel oder wo auch immer sie gerade unterwegs und im Einsatz sind. Dies bietet ihnen maximale Flexibilität und bedeutet für Unternehmen meist auch maximale Erreichbarkeit. Es erfordert aber auch eine hohe Eigenverantwortung und Effizienz. Das Teamgefühl darf dabei selbstverständlich nicht leiden, vor allem wenn nicht alle Kollegen remote arbeiten.

4-Tage-Woche

Die 4-Tage-Woche entwickelt sich immer mehr vom Startup Trend zum erprobten Arbeitsmodell. Hier arbeiten die Angestellten an vier statt den sonst üblichen fünf Tagen, entweder bei gleichbleibender Arbeitszeit und somit längeren Tagen oder bei dauerhaft verkürzter Arbeitszeit. Das kann die Erholung fördern und dadurch Fehlzeiten verringern und bringt außerdem eine bessere Verteilung privater Termine mit sich.

Von Bildungsurlaub bis Sabbatical: Erholung muss sein

Das Stichwort schlechthin für die Flexibilisierung von Arbeit lautet: Work-Life-Balance. Mit den genannten Modellen ist es möglich, sich den Wünschen und Lebensumständen der Mitarbeiter dahingehend anzupassen. Darüber hinaus können weitere Angebote, insbesondere solche, die der Erholung oder Weiterbildung dienen, einen Vorteil im Kampf um die klügsten Köpfe bringen.

Wenn Mitarbeiter aus persönlichen Gründen ihrer Arbeit kurzzeitig nicht nachgehen können, haben sie Anspruch auf Sonderurlaub. Diesen können Unternehmen etwa im Falle einer familiären Verpflichtung oder eines Umzugs gewähren – wer hier großzügig ist, bringt seinen Angestellten wertvolles Vertrauen entgehen

Ein spannendes Buzzword ist außerdem der sogenannte unbegrenzte Urlaub: Mitarbeiter dürfen so viel Urlaub nehmen, wie sie wollen, solange sie ihre Ziele einhalten – dabei gilt aber dennoch die gesetzliche Mindestgrenze von 20 Tagen, die das Unternehmen beachten muss. Dieser Trend kann genauso verlockend sein, wie er klingt, und somit qualifizierte Talente anziehen. Aber es ist Vorsicht geboten, um einen internen Wettbewerb um die geringste Urlaubsanzahl zu verhindern und einem ungesunden Arbeitsklima vorzubeugen.

Weiterbildung kann ebenfalls erholsam sein, weil sie frischen Wind bringt und den Mitarbeiter kreativ fordert. Für diese Fälle gibt es den Anspruch auf Bildungsurlaub, zum Beispiel für Sprachkurse oder die Entwicklung persönlicher Kompetenzen und Soft Skills. Auch auf ein Sabbatjahr können Unternehmen und Mitarbeiter sich einigen: Dabei geht der Angestellte für einen längeren Zeitraum – mehrere Monate oder bis zu ein Jahr lang – in den unbezahlten Sonderurlaub, etwa um zu reisen, sich kreativ zu entfalten, ehrenamtlich zu engagieren oder sonstige persönliche Projekte. Im Anschluss an diese Zeit kann er seine Stelle wieder normal antreten.

Fazit: Warum flexible Arbeitszeitmodelle so wichtig für KMUs sind

Die Flexibilisierung von Arbeitszeitmodellen im Mittelstand ist nicht nur ein Mittel zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch ein Schlüssel zur langfristigen Bindung qualifizierter Mitarbeiter. Die vorgestellten Modelle bieten eine breite Palette an Gestaltungsmöglichkeiten, angepasst an die Anforderungen der modernen Arbeitswelt. Unternehmen, die die Herausforderungen der Arbeitszeitgestaltung erfolgreich meistern, positionieren sich nicht nur als attraktive Arbeitgeber, sondern schaffen auch eine innovative Arbeitskultur im dynamischen Arbeitsmarkt von morgen.

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